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07. September 2012

„Alleinkämpfer sind nicht mehr glaubwürdig in der Kirche“

Von: pkh

Stefan Mispagel ist der neue Kaplan in Hannover-Mühlenberg und Ronnenberg

Bei seinem Amtsantritt konnte Stefan Mispagel gleich beweisen, dass er ein Teamspieler ist. Der neue Kaplan der Pfarrei St. Maximilian Kolbe musste  sich mit dem katholischen Team beim „Ökumenischen Wettstreit“ auf dem Groschenfest in Ronnenberg den evangelischen Konkurrenten geschlagen geben. Zur Pfarrei  St. Maximilian Kolbe gehören die katholischen Gemeinden in Hannover-Mühlenberg und Ronnenberg  – und Teamspieler sind hier gefragt.  Denn hier ist sind Pfarrer und Kaplan nicht alleine zuständig für das Gemeindeleben, sondern ehrenamtliche Gemeindeleiterinnen tragen die Verantwortung vor Ort. Stefan Mispagel findet das gut: „Alleinkämpfer sind nicht mehr glaubwürdig in der katholischen Kirche. Der Grundgedanke der Kirche ist ja, dass wir eine Gemeinschaft sind“, kommentiert der 35-Jährige.

St. Maximilian Kolbe ist nach Wolfsburg die zweite Station in seiner Kaplansausbildung. Stefan Mispagel kennt Hannover bereits, denn er hat ein Jahr lang als Diakon in der Pfarrei St. Martin im Osten der Stadt mitgewirkt. Vor zwei Jahren hat Bischof Norbert Trelle den gebürtigen Hildesheimer  zum Priester geweiht. „Irgendwann ist der Hype der Priesterweihe vorbei und der Alltag beginnt“, erzählt er. Je weniger Männer sich in der katholischen Kirche für diesen Weg entscheiden, desto größer ist die Irritation,  die sie in der Öffentlichkeit auslösen – und die Aufmerksamkeit, die ihnen innerhalb der Kirche zukommt. „Ich möchte keine Wunderwaffe für die Seelsorge sein“, stellt Stefan Mispagel klar. „Radikal“ will er seinen Schritt, sich zum Zölibat und zum Gehorsam gegenüber der Kirche zu verpflichten, nicht nennen. Lieber benutzt er den Ausdruck „entschieden“.

Mispagel hat zunächst eine Ausbildung als Bankkaufmann gemacht und ein Wirtschaftsstudium abgeschlossen. Weil er sich noch mehr vom Leben wünschte, gönnte er sich eine Auszeit von einem halben Jahr  auf einer Missionsstation in Indien. Er lernte den Priester dort gut kennen und stellte etwas Überraschendes fest: „Das ganze Leben auf Gott zu setzen macht glücklich – wenigstens diesen Menschen.“ Trotzdem schloss er danach noch sein Wirtschaftsstudium ab, bevor er zur Theologie wechselte. Heute ist Mispagel froh über diesen vermeintlichen Umweg. Denn in seinem ersten Studium sind viele Freundschaften zu Menschen entstanden, die heute ganz anders leben als er. Gerade die Freunde, die selbst gar nicht an Gott glauben, haben seinen Entschluss sofort mitgetragen, erzählt er staunend. 

In St. Maximilian Kolbe will er erst einmal die Gemeinden und die verschiedenen Aufgabenfelder kennen lernen. Er ist froh, dass ihn kein festgefügtes Arbeitsfeld und keine Ansprüche nach dem Motto: „Das haben wir schon immer so gemacht“ erwarten. Vor allem will er Pfarrer Hans-Joachim Osseforth unterstützen -  und herausfinden, wo er gebraucht wird.