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03. Februar 2015
„Wir dürfen das Beerdigungsfeld nicht kommerziellen Anbietern überlassen“, sagt Pfarrer Kuno Kohn. Deswegen bietet er zusammen mit Betina Schenk Ausbildungskurse für ehrenamtliche Beerdigungsleiter an. Schenk selbst ist seit drei Jahren Beerdigungsleiterin in der Wedemark. © pkh

„Wir dürfen das Beerdigungsfeld nicht kommerziellen Anbietern überlassen“, sagt Pfarrer Kuno Kohn. Deswegen bietet er zusammen mit Betina Schenk Ausbildungskurse für ehrenamtliche Beerdigungsleiter an. Schenk selbst ist seit drei Jahren Beerdigungsleiterin in der Wedemark. © pkh

Als Osterzeuge am Grab

Von: Marie Kleine

Ausbildungskurs für ehrenamtliche Beerdigungsleiter startet am 19. Februar 2015 in Hannover

Kaum eine Gemeinde im Bistum kennt nicht das Problem: Ihr klerikales Personal muss jede Woche zwei bis drei Kirchorte mit Gottesdiensten, Taufen und Hochzeiten versorgen, dann kommt dazu noch der Verwaltungsaufwand für die Pfarrgemeinde. Das Arbeitspensum ist hoch und zum Teil mit Sorge wird in eine Zukunft geschaut, in der es noch weniger Priester und Pfarrer geben wird als bisher. Dass dieses Problem auch zugleich eine Chance für Ehrenamtliche vor Ort ist, meint Pfarrer Kuno Kohn aus Hannover. Er bietet als Ehe-, Familien-, und Lebensberater zusammen mit der Religionspädagogin Betina Schenk ab Mitte Februar einen Kurs für Beerdigungsleiter in Hannover an.

Lieber Pfarrer Kohn, es wird in der Zukunft immer weniger Priester und Pfarrer geben. Was können die Gemeinden vor Ort tun, um sich darauf einzustellen?    

„Die Pfarrei, die sich über ihr Territorium definiert und ähnlich wie ein Verein strukturiert ist, begibt sich vor diesem Hintergrund in die Gefahr, nicht mehr zukunftsfähig zu sein. Wenn sich die Gemeinde rückbesinnt auf ihren Ursprung, wächst sie wieder in ihre ursprüngliche Bedeutung und Aufgabe hinein: zeugnisfähig und missionarisch zu sein, sich in die Gesellschaft einzumischen und spirituell zu sein. Beerdigungsleiter zu werden, heißt am Grab eines anderen Menschen Osterzeuge zu sein.“

Gerade der Begriff Mission ist ja nicht ganz unumstritten.

„Mission heißt hier in diesem Kontext: Lebendiges Christsein, seinen Glauben weitergeben und davon zu sprechen. Der Tod ist so etwas wie der Ernstfall des Glaubens und gerade hier hat unser christlicher Glaube mit den Ostergeschehnissen eine wahnsinnig tiefe und auch positive Botschaft. Es gibt in dieser Situation meiner Meinung nach keine bessere Botschaft, als dass Gott selbst mit uns gelebt und gelitten hat und gestorben ist. Dafür als Persönlichkeit am Grab zu stehen und Beerdigungsleiter zu sein, heißt Osterzeuge zu sein.“

Eigentlich ist die Beerdigung ein Kerngeschäft der Pfarrer und der Diakone. Warum kann es sinnvoll sein, dass auch Ehrenamtliche in diesem Bereich aktiv werden?

„Es gibt viele Pfarrer und Diakone, die gerne Beerdigungen leiten. Aber manche von ihnen erkennen, dass Gott ihnen andere Gaben gegeben hat, als Angehörige und Trauernde zu begleiten, oder es fehlt schlicht die Zeit. Dann kann es sinnvoll sein, als Hauptberuflicher eher ein Trainer für Ehrenamtliche in der Gemeinde zu sein: Wem hat Gott in unserer Gemeinde welche Gabe gegeben? Wie können wir diese Gaben schulen und in unsere Gemeinde aussenden? Ehrenamtliche Beerdigungsleiter sind meist zeitlich flexibel, können am Wochenende selbst zu Gottesdienstzeiten und man kann sich durch sie katholisch auch von einer Frau beerdigen lassen. Gerade, wenn wir das Feld nicht den kommerziellen Anbietern überlassen wollen, die nur aufs Geld schauen, ist das wichtig.“

Sie bieten dazu zusammen mit Betina Schenk ab Mitte Februar eine Schulung für ehrenamtliche Beerdigungsleiter in Hannover an. Wer kann dann zu Ihnen kommen?

„Grundsätzlich sollten das Personen sein, die die Themen Tod, Sterben, Trauer, Hölle und Himmel schon für sich bewegt haben. Viele, die zu uns kommen, haben selbst schweres Leid erfahren und wollen sich nach dem Berufsleben weiterhin engagieren. Bevor man sich zum Kurs anmelden kann, muss man aber mit dem Pfarrer vor Ort sprechen – braucht der Pfarrer jemanden? Sieht der Pfarrer die Begabung bei dieser Person? Wir setzen uns im Kurs von Aschermittwoch bis Ostern dann mit den Gemeinden und den Ehrenamtlichen zusammen und prüfen, ob die Person für diese Aufgabe als Osterzeuge die entsprechende Gabe hat. Wenn ja, gehen wir von Ostern bis Pfingsten in die konkrete, zweite Ausbildungsphase. Zu Pfingsten findet dann die Aussendung statt.“

<i>Wer Interesse hat, sich zum Beerdigungsleiter ausbilden zu lassen, kann sich noch bis zum 10. 02. 2015 unter Abstimmung mit der Pfarrgemeinde vor Ort für den Kurs anmelden. Die Kurse finden in der Regel immer donnerstags von 15:30 bis 18:00 Uhr statt. Anmeldungen nehmen entgegen: Pfarrer Kuno Kohn unter kuno.kohn(at)outlook.com oder 0172/ 9646052 und Betina Schenk unter betinaschenk@web.de oder 05130/ 79487. </i>