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25. Februar 2013
Hamideh Mohagheghi und Propst Martin Tenge bei ihrem ersten Planungstreffen

Hamideh Mohagheghi und Propst Martin Tenge bei ihrem ersten Planungstreffen

Dialog hilft, sich selbst zu entdecken

Von: pkh

Hamideh Mohagheghi und Propst Martin Tenge bilden das neue Sprecherteam des Rates der Religionen

Der Rat der Religionen in Hannover hat ein neues Sprecherteam: Die islamische Theologin, Rechts- und Religionswissenschaftlerin Hamideh Mohagheghi wird das Gremium künftig gemeinsam mit Propst Martin Tenge vertreten, der das Amt zum zweiten Mal bekleidet. Der Rat der Religionen wird gewählt von den Delegierten einer Vielzahl religiöser Gemeinschaften und Gruppen in Hannover, die sich regelmäßig im Forum der Religionen treffen. Er versteht sich als Ansprechpartner für die Stadtgesellschaft in allen Fragen, die das Zusammenleben von Menschen verschiedener Weltanschauungen betreffen.

Hamideh Mohagheghi (58) vertritt den Islamisch-Afghanischen Kulturverein Payame Nour. Die gebürtige Iranerin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für komparative Theologie an der Universität Paderborn und promoviert derzeit über die Theologie der Gewalt. Propst Martin Tenge (51) leitet seit 2008 die Katholische Kirche in der Region Hannover als Regionaldechant. „Der Rat der Religionen soll mitten in der Stadt beheimatet sein“, ist Hamideh Mohagheghis Anspruch. Propst Martin Tenge ergänzt: „Als Katholik in Hannover erlebe ich einen Widerspruch: Ich bin Teil einer weltumspannenden Kirche, aber hier vor Ort gehöre ich zu einer Minderheit. Der interreligiöse Dialog hat mir geholfen, das nicht als Defizit zu sehen – und er hilft mir, mich selbst als Katholik zu definieren.“ Hamideh Mohagheghi stimmt ihm  zu: „Aus den Treffen im Rat sind gegenseitiges Vertrauen und interreligiöse Freundschaften entstanden. Man entdeckt sich selbst neu und tiefer. 

Zwei Projekte will das Sprecherteam vorantreiben: Gemeinsam mit der Buhmann-Stiftung und dem Integrationsrat Hannover soll ein Buch entstehen, das die Religionsgemeinschaften in der Stadt vorstellt. Außerdem ist eine wissenschaftliche Studie geplant, die die Rolle der Religion für das Zusammenleben vor Ort untersucht: Fördert sie die Integration in Hannover oder führt sie zu Abgrenzung?

Hamideh Mohagheghi ist die einzige Frau unter den muslimischen Vertretern im Forum der Religionen. Als Wissenschaftlerin hat sie sich intensiv mit der Rolle der Frauen im Islam beschäftigt. „Wenn muslimische Frauen ihren Glauben in der deutschen Gesellschaft offen zeigen, kann es schon sein, dass sie Nachteile zu befürchten haben. Aber in Hannover habe ich noch nie gehört, dass es dieses Problem gibt“, lobt sie die Landeshauptstadt.