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07. November 2016
Alon Sariel, der das Ensemble Concerto Foscari leitet, spielt selbst unter anderem die Laute. © Kleine

Alon Sariel, der das Ensemble Concerto Foscari leitet, spielt selbst unter anderem die Laute. © Kleine

Demnächst wird sein Ensemble Concerto Foscari in der barocken Basilika St. Clemens eine Messe aus der Barockzeit aufführt. © Kleine

Demnächst wird sein Ensemble Concerto Foscari in der barocken Basilika St. Clemens eine Messe aus der Barockzeit aufführt. © Kleine

Eine Orgelmesse ohne Orgel

Ein Barockkonzert und eine Barockkirche in Hannover kommen zusammen: In der Basilika St. Clemens wird das internationale Ensemble Concerto Foscari zusammen mit Regionalkantor Nico Miller und der Schola St. Benedicite Domino eine französische Barockmesse aufführen.

Am selben Tag hat das Ensemble Schüler der katholischen Bonifatius- Grundschule zu einem Kinderkonzert in die Basilika eingeladen. Was die besonderen Merkmale dieser Barockmesse sind und was das Ganze mit den Kinderkonzerten zu tun hat, erklärt der künstlerische Leiter des Ensembles, Alon Sariel.

 

Mit Ihrem Ensemble Concerto Foscari spielen Sie unter anderem französische Barockmusik. Was zeichnet Stücke dieser Epoche aus?

In der Barockzeit gab es zwischen Italien und Frankreich Kämpfe um den kulturellen Machtvorhalt in Europa. Kultur zeigt sich nicht nur in der Musik, sondern auch zum Beispiel in der Sprache und beim Essen. Im italienischen Essen gibt es eher wenige Zutaten, man merkt dennoch jede einzelne. Das französische Essen beinhaltet viele Zutaten, es darf aber von keiner zu viel sein, sonst schmeckt es nicht. Mit der Musik ist das ähnlich: Für mich ist der französische Barock sehr differenziert. Man hat viele Freiheiten in der Spielweise und es herrscht oft eine ‚inégalité‘, man muss also zum Beispiel die Länge der gespielten Noten besonders interpretieren. Außerdem haben die Stücke immer einen tänzerischen Charakter.

In der Basilika St. Clemens werden Sie die „Messe pour plusieurs instruments au lieu des orgues“ von Marc- Antoine Charpentier spielen. Was ist das Besondere an dem Stück?

Die Musik von Charpentier ist einzigartig, er hat über 500 Werke komponiert. Es wird vermutet, dass das Stück ursprünglich als Orgelmesse geschrieben wurde. Der Anlass der Komposition war die Heiligsprechung eines spanischen Bischofes. Da die große Orgel aber nicht rechtzeitig für die Feierlichkeiten in der betreffenden Kirche eingebracht wurde, komponierte Charpentier die Messe so, dass eine differenzierte Instrumentierung die verschiedenen Register einer barocken Orgel imitiert. Er verwendete zum Beispiel mehrere Blockflöten, die diese Orgelregister nachempfinden sollen, und einen Streicher- und Bläserchor. Von der Empore der Basilika wird die Schola die priesterlichen Akklamationen singen. Dieses Stück wurde vermutlich noch nie in Hannover oder Norddeutschland so aufgeführt.

Warum wird französische Barockmusik so selten gespielt und wie sind Sie auf die Idee gekommen, mit Concerto Foscari Stücke genau aus dieser Epoche zu spielen?

Französische Barockmusik wird nicht überall selten gespielt. Dass sie hier in Norddeutschland eher unbekannt ist, kann man unter anderem auf die Traditionen und Geschmäcker an den Höfen in der Barockzeit zurückführen. Auch der Hof in Hannover wurde französisch beeinflusst, doch es hat sich in der Rezeption eher der italienische Einfluss durchgesetzt. Charpentier ist vielleicht nicht der berühmteste Barockkomponist und auch wenn die Stücke erstmal ungewohnt für viele sind: Der Lohn ist groß, wenn man sich für diese zauberhafte Musik öffnet.

Concerto Foscari veranstaltet zu fast jedem Konzert auch immer ein Kinderkonzert. Warum sind Ihnen die Kinderprojekte so wichtig und was wollen Sie den Kindern damit vermitteln?

Die Musikvermittlung gehört zu jedem Konzert unmittelbar dazu. Wir wollen die Kinder aktiv in das musikalische Erleben einbinden. Sie lernen durch vorherige Workshops die Musik kennen und machen sich mit den Bewegungselementen vertraut. Die Kinder gestalten mit uns tänzerisch und szenisch das Konzert. Nach jedem Konzert gibt es Instrumentenstationen: Dort können die Kinder mit einem Musiker ihr Lieblingsinstrument ausprobieren. Es ist sehr schön und tut einem gut, wenn man nach einem Konzert in das strahlende Gesicht und die leuchtenden Augen eines jungen Menschen schaut.

 

 

Alon Sariel wurde 1986 in Südisrael geboren und fing mit acht Jahren an, Mandoline und Laute zu spielen. Er wurde an der Academy of Music in Jerusalem, im Royal Conservatory of Brussels und an der Hochschule für Musik in Hannover ausgebildet. Er leitet das internationale Ensemble Concerto Foscari, das aus Musikern aus ganz Europa zusammengesetzt ist, und engagiert sich in verschiedenen sozial- politischen Projekten

 

 

 Am Freitag, 18. November 2016, um 19:30 Uhr führt das Ensemble Concerto Foscari das besondere barocke Werk „Messe pour plusieurs instruments au lieu des orgues“, weitere Stücke von Charpentier und ein Stück des Komponisten Louis Nicolas Clérambault auf. Karten dafür sind in der Buchhandlung Decius oder an der Abendkasse für 15,- Euro und ermäßigt 12,- Euro erhältlich.

 

Von: Carla Peppermüller