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04. Juni 2015
Ein Historisches Ereignis: Die Katholiken Hannovers feiern zu Fronleichnam die erste Heilige Messe an der Marktkirche seit der Reformation. © pkh/ Gossmann

Ein Historisches Ereignis: Die Katholiken Hannovers feiern zu Fronleichnam die erste Heilige Messe an der Marktkirche seit der Reformation. © pkh/ Gossmann

Großer Andrang zu Fronleichnam

Von: Marie Kleine

Mit rund 1.800 Teilnehmern hat die Katholische Kirche in der Region Hannover heute zu Fronleichnam eine Heilige Messe an der Marktkirche gefeiert und ist anschließend in einer feierlichen Prozession durch die Altstadt zur katholischen Hauptkirche der Stadt, der Basilika St. Clemens, gezogen.

Ein historisches Ereignis: Denn damit wurde auf dem Gebiet der evangelisch- lutherischen Marktkirche die erste Heilige Messe seit Einzug der Reformation in Hannover (1534) gefeiert. „Heute ist ein besonderer Tag, denn heute wurde eine ökumenische Brücke zwischen den Kirchen der Stadt gebaut“, sagte Propst Martin Tenge zu Beginn der Messe. „Wir sind hier mitten in der Stadt und zeigen, dass wir als Religionen tatsächlich im Herzen der Stadt unsere gemeinsame Heimat haben.“ Er dankte Hans- Martin Heinemann, dem evangelisch- lutherischen Hauptpastor der Marktkirche und Stadtsuperintendenten, für die Einladung, Fronleichnam in diesem Jahr an der Marktkirche zu feiern. „Die Marktkirche bleibt evangelisch, und ihr seid katholisch. Wir werden das auch in Zukunft nicht verwechseln, aber unsere Geschwisterschaft ist fest verwurzelt und tief gegründet“, sagte Heinemann. Es sei Zeit, nach dem Gemeinsamen zu suchen.      

„Oft bringen uns dabei die Fragen weiter als die Antworten“, sagte Pfarrer Klemens Teichert, der die Predigt während des Gottesdienstes hielt, zu dem ökumenischen Aspekt des diesjährigen Fronleichnam- Festes. „Die entscheidende Frage zu Fronleichnam ist: Wer ist Christus für uns heute? Auch wenn wir uns austauschen und miteinander ringen, bin ich mir sicher, dass man Christ von Christus her ist und wir uns vom ihm motivieren lassen, dass was dran ist an seiner Botschaft.“ Mit viel Motivation, unter Gesang und auf mit gestreuten Blumen gesäumten Wegen setzte sich die Prozession dann in Bewegung Richtung St. Clemens. In der Mitte ein prächtiger Baldachin, unter dem die Hostie, das nach katholischem Verständnis gewandelte Brot, getragen wurde. An St. Clemens eingetroffen wurde eine kurze Schlussandacht in der Basilika gefeiert, die wegen des großen Andrangs auch auf den Kirchplatz übertragen wurde. Gesungen und gebetet wurde dabei auf insgesamt fünf Sprachen, da viele Katholiken in Hannover nicht- deutscher Muttersprache sind. Einige von ihnen kamen in Trachten. Beim Gottesdienst und der Prozession nahmen auch zahlreiche Verbände, Orden und Verbindungen teil wie zum Beispiel die Kolpingfamilien und Studentenverbindungen.

Fronleichnam ist ein christlicher Feiertag, der in Deutschland nur von Katholiken begangen wird. Sie verehren an diesem Tag Jesus Christus, indem sie das für Katholiken Allerheiligste verehren: das Abendmahl mit seinem gewandelten Brot, den Hostien. Gemeinsam feiern  sie dazu eine Heilige Messe und tragen anschließend eine Hostie feierlich durch die Stadt. Damit ist Fronleichnam auch als ein Signal der Katholischen Kirche an die Stadt (und ihr Bevölkerung) zu sehen. Egal, ob die Katholiken ursprünglich aus Polen, Spanien oder dem nächsten Ort kommen – bei der Fronleichnamsprozession in Hannover zeigen sie traditionell ihre Einheit in Vielfalt.