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31. August 2015
Pater Koch (r.) verlässt Hannover und geht nach Carlhorn. Sein Nachfolger, Pater Neuberger, hat sich schon gut eingelebt. © pkh

Pater Koch (r.) verlässt Hannover und geht nach Carlhorn. Sein Nachfolger, Pater Neuberger, hat sich schon gut eingelebt. © pkh

„Jeder muss seinen eigenen Weg finden“

Von: Marie Kleine

Pater Elmar Koch verlässt nach zwei Jahren als Schulseelsorger und Pfarrvikar Hannover. Sein Nachfolger, Pater Harald Neuberger, steht schon in den Startlöchern. Hier sprechen sie über ihre „Babys“, das Thema Missionieren und die Frage, ob man sich als Ordensbruder gegen eine Versetzung wehren kann.

 Lieber Pater Koch, nach zwei Jahren verlassen Sie im September Hannover. Welche Projekte waren Ihnen hier besonders wichtig?

Pater Koch: Für mich war es ein Anliegen, an der Ludwig- Windhorst- Schule eine Liturgie zu entwickeln mit den Schülern, die sie selbst schön finden und nicht als Pflicht empfinden, die sie absitzen müssen. Das ging relativ schnell in die Richtung von Lobpreis- Gottesdiensten mit Bands. Da, wo die Jugendlichen sind, finde ich eine professionelle Unterstützung bei der kirchlichen Jugendarbeit wichtig. In der Schule habe ich rund 800 Schüler tagtäglich getroffen. Eine Chance, gerade Jugendliche willkommen zu heißen in der Katholischen Kirche und missionarisch unterwegs zu sein. Und in der Pfarrei fand ich es wichtig, den Pfarrgemeinderat zu verjüngen und stärker auf Neuzugezogene einzugehen. Dazu haben wir auch ein Projekt entwickelt, das allerdings erst jetzt in die konkrete Phase geht. Die werde ich leider nicht mehr miterleben.

 Ihre Versetzung war ja eigentlich nicht geplant oder von Ihnen aus gewollt. Kann man sich als Ordensmensch gegen eine solche Versetzung „von oben“ wehren?

Pater Koch: Einerseits gibt es ein Veto- Recht, andererseits hat man mit seinem Gelübde dem Oberer des Ordens Gehorsam versprochen. In meinem konkreten Fall hat mir der Oberer gesagt, dass er mich dringend auf der neuen Position brauche. Insofern habe ich die Versetzung natürlich angenommen. Klar möchte man dann schon, dass die eigenen „Babys“ und Projekte weiter versorgt werden, aber ich weiß auch, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss. Und Pater Neuberger mit seiner Erfahrung weiß, was er tut.

 Haben Sie sich schon Projekte vorgenommen auf Ihrer neuen Stelle, Pater Neuberger?

Pater Neuberger: Ich will erstmal sehen und erkennen, was hier läuft, und dann werden sich Ziele und Projekte von alleine herauskristallisieren. Klar ist, dass ich in der Jugendarbeit der Gemeinden mitarbeiten und die Firmvorbereitung in der Pfarrei leiten werde. An der Ludwig- Windhorst- Schule übernehme ich die liturgisch- spirituellen Angebote. Und ich habe da den Eindruck, dass an der Schule viele Möglichkeiten bestehen. Allerdings verstehe ich meine Arbeit nicht wie Pater Koch als missionarisch, sondern als pastoral- diakonisch. Ich arbeite mit meiner Person im Sinne eines personalen Angebots für die jungen Menschen. Wenn die Arbeit gut ist, überzeugt sie das und sie machen mit.

Pater Koch: Pastoral arbeiten heißt meiner Meinung nach missionarisch sein und auf Menschen zugehen. Ich sehe da keinen Widerspruch. Irgendwann kommt der Punkt, an dem ich zeige, woher meine Kraft kommt und woraus ich lebe. Auch wenn ich es den Schülern nicht jeden Tag vor die Nase halte.

Pater Neuberger: Egal welchen Alters sehe ich die Schüler als Subjekte. Sie müssen wertschätzend begleitet werden. Auch wenn sie bestimmte religiöse Ideen ablehnen, respektiere ich das. In meiner Arbeit in der JVA Stuttgart- Stammheim habe ich sehr intensiv mit den Jugendlichen dort gearbeitet und gelernt, die Menschen so zu nehmen, wie sie sind. Ohne zu bewerten. Ich habe gelernt, nicht nur ihre oft nicht einfache Vorgeschichte zu sehen, sondern den Menschen.

Pater Neuberger, ein Bayer in Norddeutschland. Haben Sie den Kulturschock schon überwunden?

Pater Neuberger: Ich bin vom Typ her ja schon ein Süddeutscher. Aber ich habe mich bereits eingelebt. Ich fühle mich hier wohl und freue mich auf die neuen Aufgaben.

 

Zur Person: Pater Elmar Koch (49) stammt eigentlich aus dem Rheinland. Seit 25 Jahren ist er bei den Salesianern. Seine für ihn persönlich bisher bedeutendste Stadion als aktiver Ordensbruder war von 2006 bis 2013 als Stadtjugendseelsorger von Stuttgart. Seit zwei Jahren war er jeweils mit einer halben Stelle als Jugendseelsorger an der Ludwig- Windthorst- Schule und als Pfarrvikar der Gemeinde St. Augustinus in Hannover tätig. Ab September wird er der neue Leiter der Jugendbildungsstätte des Ordens in Carlhorn.

Pater Harald Neuberger (47) ersetzt ihn dafür in Hannover. Der Bayer aus dem Odenwald hat seit seinem Eintritt in den Orden der Salesianer 1990 schon viele Stationen durchlaufen und war unter anderem der Vorgänger von Pater Koch als Stadtjugendseelsorger von Stuttgart. Am nachhaltigsten hat er seine Zeit als Jugendseelsorger in der JVA in Stuttgart in Erinnerung.

Mit seinem Zuzug nach Hannover sind insgesamt drei Brüder der Salesianer in der Stadt ansässig. Der Orden der Salesianer wurde von Don Bosco 1859 in Italien gegründet und umfasst weltweit heute 15. 300 Brüder und 13. 000 Schwestern. Der Schwerpunkt der Arbeit des Ordens liegt in der Förderung und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen.