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23. Oktober 2013
Jutta Menkhaus-Vollmer, die Präventionsbeauftragte des Bistums.

Jutta Menkhaus-Vollmer, die Präventionsbeauftragte des Bistums.

Keine Chance für Täter

Verpflichtende Fortbildungen für alle haupt- und ehrenamtlichen Kirchenmitarbeiter zur Prävention von sexuellem Missbrauch gestartet

In der Katholischen Kirche in der Region Hannover sind die Fortbildungen aller haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Prävention von sexuellem Missbrauch gestartet. Die Präventionsordnung, die das Bistum Hildesheim zum 1. April 2013 in Kraft gesetzt hat, sieht vor, dass alle kirchlichen Mittarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei ihrer Tätigkeit mit Kindern und Jugendlichen Kontakt haben, eine Fortbildung besuchen müssen. Die Schulung für Ehrenamtliche umfasst sechs, für Hauptamtliche zwölf Stunden. Die Zahl der im Lauf von vier bis fünf Jahren zu Schulenden wird von der Präventionsbeauftragten des Bistums, Jutta Menkhaus-Vollmer, auf bis zu 12.000 Personen geschätzt. Die Ziele sind, ihnen einerseits Handlungssicherheit zu vermitteln: Was darf ich im Umgang mit Kindern bedenkenlos tun, was muss ich vermeiden? Andererseits lernen die aktiven Katholiken, Warnsignale von Kindern zu erkennen, die eventuell Opfer von Missbrauch sind, und hilfreich zu reagieren. Vor Journalisten stellten die Verantwortlichen heute erste Erfahrungen mit dem größten Bildungsprojekt in der Geschichte des Bistums vor.

„Wissen erzeugt Macht“, führte Menkhaus-Vollmer aus. Wer in der Lage ist, Missbrauchshandlungen nicht nur zu erkennen, sondern auch zu benennen, macht es Tätern schwer. Die Teilnehmenden profitieren nicht nur in der Kirche von ihrem Wissen, sondern tragen es auch in ihre Familien und in ihr gesellschaftliches Umfeld weiter. Die Hauptamtlichen dürfen wählen, ob sie die Fortbildung an ihrem Dienstort besuchen oder die Anonymität einer Gruppe in einer anderen Stadt vorziehen. Für die Ehrenamtlichen finden Schulungen vor Ort in den Gemeinden statt. Sie können sich aber auch für die Kurse im Jugendpastoralen Zentrum Tabor anmelden.

„Viele Priester fühlen sich in der Öffentlichkeit unter Generalverdacht oder berichten von Situationen, in den sie persönlich verdächtigt wurden“, berichtete Alexandra Jürgens-Schaefer, die Leiterin der Katholischen Erwachsenenbildung in der Region Hannover. Sie organisiert die Schulungen für Hauptamtliche bistumsweit. In dem Kurs gehe es jedoch nicht darum, potentielle Täter herauszufiltern. Sobald dies klar werde, schwinden eventuell vorhandene Widerstände schnell, so Jürgens-Schäfer. In dem Kurs wird das eigene Verhältnis zu Nähe und Distanz reflektiert und Strukturen der eigenen Einrichtung hinterfragt, die Missbrauch befördern könnten. Die Präventionsordnung gibt klare Regeln an die Hand: So ist es zum Beispiel nicht gestattet, Kinder oder Jugendliche bei sich übernachten zu lassen. Die Erfahrung nach der ersten Fortbildung: „Am Ende haben sich die Teilnehmenden bedankt.“ Jutta Menkhaus-Vollmer sicherte zu, dass die Teilnahme an der Maßnahme überprüft wird. Eine Weigerung kann Konsequenzen bis zur Abmahnung und Kündigung haben. Auch Ehrenamtliche, die sich langfristig der Fortbildung entziehen, dürfen im Bistum nicht mehr tätig sein. „Aber wir wollen zuerst überzeugen“, stellte Menkhaus-Vollmer klar. Alle Mitarbeitenden müssen ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen inklusive einer Selbstauskunft, in der sie versichern, nicht wegen Missbrauchsdelikten verurteilt zu sein.