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16. April 2014
Als Symbol für den Osterzeugen-Kurs haben Kuno Kohn und Betina Schenk den Schmetterling gewählt, ein altes Zeichen der Auferstehung.

Als Symbol für den Osterzeugen-Kurs haben Kuno Kohn und Betina Schenk den Schmetterling gewählt, ein altes Zeichen der Auferstehung.

Osterzeugen gesucht

Beerdigungsleiterin Betina Schenk und Pfarrer Kuno Kohn erklären, was ihr Amt mit Ostern zu tun hat

Sind Sie der Typ, der alles selbst ausprobieren und erfahren möchte? So wie der Apostel Thomas, der erst an die Auferstehung glaubte, als er den Finger in die Wunden von Jesus legen konnte? Fühlen Sie sich wohler, wenn Sie im entscheidenden Moment Verstärkung haben - so wie die Frauen am Ostermorgen?

„Was für ein Osterzeuge sind Sie?“, fragen Kuno Kohn und Betina Schenk. Der Pfarrer und die Religionspädagogin sind in der Region Hannover auf der Suche nach solchen Osterzeugen. Nach Menschen, die sich für das Leben in allen Facetten interessieren – und für die die Auferstehung von den Toten das Zentrum ihres Glaubens ist. Im Zyklus der Jahreszeiten laden sie ein Jahr lang zu Treffen ein, bevor in der Fastenzeit 2015 der eigentliche Kurs „Osterzeuge/Osterzeugin“ beginnt. Zwischen Ostern und Pfingsten schließt sich dann der „Werkstattkurs BeerdigungsleiterIn“ an.

„Trauernde zu trösten und Verstorbene zu beerdigen sind Aufgaben der ganzen Gemeinde. Das hat schon Bischof Josef Homeyer gesagt, und Bischof Norbert hat es bestätigt“, erklärt Pfarrer Kohn. Seit langem ist es im Bistum schon möglich, dass Laien „in Notfall“, also wenn kein Priester verfügbar ist, Bestattungen vornehmen.  „Wir reagieren immer erst, wenn es schon spät ist“, kritisiert Kuno Kohn: Erst der immer spürbarer werdende Priestermangel stößt neue Ideen in der Kirche an. Dabei, ergänzt Betina Schenk,  ist es wichtig, die Gaben des Heiligen Geistes in den Gemeinden zu heben.  Ihr Charisma, hat die Religions- und Gestaltpädagogin entdeckt, ist es, Menschen auf dem letzten Weg zu begleiten.

„Meine Freundinnen sagen: Du musst doch mal Abstand bekommen“, erzählt sie lachend. „Aber ich habe ganz viel Lebensfreude und Leichtigkeit dadurch gewonnen.“  In ihrer Gemeinde in Wedemark-Mellendorf hat sie schon rund dreißig Beerdigungen ehrenamtlich geleitet. „Es ist ein Luxus, dass ich mir Zeit nehmen kann“, sagt sie. Sie geht nach jeder Beerdigung mit zum Kaffeetrinken, steht auch später noch für Gespräche zur Verfügung und hat ein Trauercafé ins Leben gerufen. Wenn Beerdigungen nicht nur auf den Schultern des Pfarrers lasten, sondern mehrere Menschen sich in dieses Amt teilen, dann könnte dieser „Luxus“ in vielen Gemeinden möglich sein.  „Die zehn bis fünfzehn Prozent der Mitglieder, die regelmäßig den Gottesdienst besuchen, möchten oft vom Pfarrer beerdigt werden“, beobachtet Kohn. „Das ist ja auch kein Problem. Alle anderen haben in der Regel nichts gegen Laien am Grab.“

Als Pfarrer in Goslar hat Kuno Kohn den ersten Ausbildungskurs für Beerdigungsleiter im Bistum gestartet. Inzwischen gibt es die Ausbildung in vielen Dekanaten, darunter Hannover,  Wolfsburg, Duderstadt und Braunschweig. In Goslar ist Kohn immer bewusster geworden, wie hilfreich die Symbole von Ostern bei einer Beerdigung sind: „Alle sitzen da in ihrem Schmerz, und eine weiße Gestalt kommt herein. Sie bringt die Osterkerze und Wasser mit – und schon ist das Leben wieder präsent.“  Einer Kursteilnehmerin lag es nicht, Ansprachen zu halten.  „Aber ich werde für jeden Verstorbenen eine  Osterkerze basteln“, versprach sie  - und das tut sie bis heute. Auch eine Möglichkeit, stille Osterzeugen zu sein: In Harsum sind Gemeindemitglieder mit Kreuz und Weihwasser bei jeder Beerdigung dabei – als stilles Zeichen dafür, dass die Gemeinde in dieser heiklen Situation nicht kneift. „Eine Beerdigung“,  ist Betina Schenk überzeugt, „ist der Ernstfall der Verkündigung.“

Die Idee, den Kurs zu unterteilen in einen „Grundkurs für Osterzeugnis“  und den eigentlichen Werkstattkurs für Beerdigungsleiter, haben Kohn und Schenk aus Südafrika und von den Philippinen übernommen.  Die Teilnehmer sollen in Ruhe prüfen, was ihre Berufung ist.  „Manchen liegt es mehr, über ihren Glauben zu reden“,   erklärt Kuno Kohn. „Aber für Beerdigungen brauchen wir  Beziehungsarbeiter.“

Das nächste Treffen ist am 18./19. Juli. Informationen bei Pfarrer Kuno Kohn  (Tel. 0172/96 46 052, E-Mail: kuno.kohn(at)outlook.com) oder Betina Schenk (Tel. 05130/79 48 7, E-Mail betina.schenk(at)web.de).