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14. September 2012
Vertreten das Bistum Hildesheim im Gesprächsprozess: Elisabeth Eicke (oben) und Dr. Ursula Lange aus Hannover

Vertreten das Bistum Hildesheim im Gesprächsprozess: Elisabeth Eicke (oben) und Dr. Ursula Lange aus Hannover

„Wir müssen die Vielfalt in der Kirche aushalten“

Von: pkh

In Döhren-Wülfel hat das zweite Treffen im bundesweiten Gesprächsprozess der Kirche begonnen

Es passiert in Hannover nicht oft, dass man mit einem „Grüß Gott“ willkommen geheißen wird.  Robert Zollitsch, der Erzbischof von Freiburg und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des zweiten Treffens im Gesprächsprozess am Saaleingang des Congress Center Wienecke XI. im Stadtteil Döhren-Wülfel heute persönlich mit einem Händedruck. Bischof Norbert Trelle hat die Versammlung von rund 300 Katholikinnen und Katholiken nach Hannover eingeladen. In der benachbarten Kirche St. Michael werden das Nachtgebet und der Abschlussgottesdienst am Samstag stattfinden. 

Der Regionaldechant Propst Martin Tenge freut sich darüber, dass ausgerechnet in diesem Jahr Hannover wieder in den Fokus der katholischen Kirche in Deutschland rückt. Denn vor genau fünfzig Jahren, im Jahr des 2. Vatikanischen Konzils, war Hannover Gastgeberin des 79. Deutschen Katholikentages  unter dem Motto „Glauben – Danken – Dienen“. Und das Dienen, die „Diakonia der Kirche“, steht auch wieder beim Gesprächsprozess im Blickpunkt.  Neben Propst Tenge sind noch drei Teilnehmerinnen aus Hannover als Vertreterinnen des Diözesanrates dabei:  Dr. Ursula Lange, die ärztliche Leiterin der Straßenambulanz des Caritasverbandes, Elisabeth Eicke, die Vorsitzende des Diözesanrates, und Ailine Horn aus dem Vorstand.  

Der Gesprächprozess ist 2011 gestartet, um verlorenes Vertrauen in die Kirche nach dem Missbrauchs-Skandal wiederherzustellen. "Einen Vertrauensverlust gab es schon vorher", stellt Elisabeth Eicke klar. "Wenn es den Missbrauchs-Skandal gebraucht hat, um das zu bemerken, dann ist das traurig, aber es ist eben so." Mit dem Thema Missbrauch ist Ursula Lange in ihrer Arbeit mit Wohnungslosen ständig konfrontiert. "Siebzig Prozent der Bewohner von Obdachlosen-Unterkünften sind psychisch krank", erklärt sie. Die Ursache sind Traumata, nicht immer, aber oft durch Missbrauch entstanden. "Die Bischöfe können sich nicht für die Täter entschuldigen", findet die 62-jährige Ärztin. "Jeder Täter muss sich seinen Taten persönlich stellen." Ursula Lange wünscht sich, dass solche Themen beim Gesprächsprozess zur Sprache kommen. Ein wichtiges Anliegen ist ihr: "Die Kirche muss politischer werden." Als Ärztin erlebt sie hautnah das Elend in den Unterkünften von Flüchtlingen und Migranten, die die Flucht vor der Armut nach Hannover geführt hat. Die Gleichgültigkeit der Politik empört sie. An solchen Orten, wünscht sie sich, müssten Kirchenvertreter Präsenz zeigen - und in der Öffentlichkeit die Missstände zum Thema machen. "Das Problem der Armut können die Wohlfahrtsverbände nicht alleine wuppen", warnt Lange.

Elisabeth Eicke lenkt den Blick auf den Zustand der Kirche. "Wir müssen die Vielfalt, die es in der Kirche gibt, aushalten", appelliert sie. Die einen wollen am hergebrachten Kurs festhalten, wohl wissend, dass es in Zukunft weniger Gläubige sein werden, die diesen Weg mitgehen wollen. Die anderen wollen die Anschlussfähigkeit an die Gesellschaft und die Lebenswirklichkeit der Mehrheit nicht verlieren. "Als Christinnen und Christen ist es unser Auftrag, um einen gemeinsamen Weg zu ringen. Auch wenn wir in dieser Frage unterschiedlich denken, sind wir trotzdem alle katholisch." Die Vorsitzende des Diözesanrates vertraut darauf, dass die Kirche einen solchen Weg findet, wenn sie auf den Geist Gottes hört. Für die 49-Jährige ist wichtig, dass dem Gesprächsprozess Taten folgen - auch wenn die Versammlung innerhalb der Kirche nicht legitimiert ist, Beschlüsse zu fassen. "Ich erwarte, dass die teilnehmenden Bischöfe die Ergebnisse in die Bischofskonferenz tragen und alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sie in ihre Bistümer mitnehmen."

Informationen der Deutschen Bischofskonferenz zum Gesprächsprozess finden Sie unter: http://www.dbk.de/themen/gespraechsprozess/