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11. Juni 2014

Zukunft würdigt Geschichte

Hannovers Katholiken bereiten sich auf ihr 300. Jubiläum vor - Auftakt zu Fronleichnam

Den Spruch findet man derzeit überall in Hannover - auf Teekannen, Servietten oder T-Shirts: „Keep calm and carry on“ – Bleib ruhig und mach weiter. Hannover feiert in diesem Sommer, dass vor 300 Jahren ein Kurfürst von hier als Georg I. den britischen Thron bestieg. Mit den Artikeln aus dem Museumsshop kann jeder England-Fan an der Leine seine typisch britische Gelassenheit zur Schau tragen. Dabei würde das Motto auch gut zu den Katholiken in Hannover passen. Denn auch sie brauchten eine ruhige Hand und einen langen Atem, bis sie nach der Reformation wieder in der Stadt Fuß fassen konnten. Dass sie es schaffen, 1718 mit St. Clemens wieder eine eigene Kirche zu bekommen, soll 2018 groß gefeiert werden. Fünf Themenjahre führen zum Jubiläum hin. Das internationale Fronleichnamsfest der katholischen Gemeinden in Hannover bildet am 19. Juni den Auftakt.

 Eben jener Georg I., der zu Hause als Georg Ludwig, Kurfürst von Hannover regierte, und seine welfische Familie gaben sich dezidiert protestantisch, um ihren Anspruch auf den britischen Thron zu untermauern. Hatten sie es doch gerade deswegen auf die vorderen Plätze in der Thronfolge geschafft, weil ihre katholischen Verwandten, die Stuarts, wegen ihres Glaubens davon ausgeschlossen waren. Zähneknirschend hatte schon Georgs Vater Ernst August dem Bau einer katholischen Kirche zugestimmt. Doch der Baubeginn wurde immer wieder hinausgezögert. Als St. Clemens 1718 endlich geweiht wurde, musste gemäß dem Bescheid aus London alles vermieden werden, voran die protestantische Nachbarschaft hätte Anstoß nehmen können.

Zu diesem Zeitpunkt war die Gemeinde ausgedünnt und das Geld knapp. Denn die meisten Katholiken waren Bedienstete des Hofes und mit ihm nach London weitergezogen: Opernsänger aus Italien, „Komödianten“, wie man damals sagte, aus Frankreich, Soldaten aus katholischen Fürstentümern Deutschlands… Wer weiß – wäre die Personalunion zwischen England und Hannover nicht gekommen, vielleicht hätte sich die Gemeinde schon damals die prächtige barocke Kuppel leisten können. Doch so, wie die Geschichte verlief, hat St. Clemens sie erst beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg bekommen.

„Die katholische Kirche nach der Reformation war immer eine Kirche der Zugezogenen“, resümiert der Journalist und Kirchenführer Bernward Kalbhenn. Im Zuge der Industrialisierung kamen sie in Scharen aus dem Emsland und dem Eichsfeld, um in der Textil- und Schwerindustrie in Linden und Döhren zu arbeiten. Nicht zuletzt brachten sie katholische Karnevalskultur an die Leine. Aus dem Emsland kam auch Ludwig Windthorst, der erste Katholik in der Hannoverschen Landesregierung. Als Hannover Preußen zugeschlagen wurde, zog Windthorst in den Reichstag ein und bot Bismarck dort die Stirn, wenn der gegen Katholiken, Sozialisten und andere kritische Köpfe im Reich wetterte. Ludwig Windthorst ist der Bau der größten katholischen Kirche in der Stadt zu verdanken: St. Marien in der Nordstadt, wo die „kleine Excellenz“ auch begraben liegt.

Das Regionaldekanat Hannover wächst weiter – und weiterhin sind es junge katholische Arbeitnehmer, Familien und Studierende, die neu in die Stadt und Region ziehen. Im Jahr 2000 zog mit dem ka:punkt die katholische City-Seelsorge in die Fußgängerzone. Seitdem werden nach fast 500 Jahren wieder in der Altstadt katholische Gottesdienste gefeiert, betont Kalbhenn mit einem Augenzwinkern: „Bis dahin war hier katholikenfreie Zone.“

In fünf Themenjahren unter dem Motto „Zukunft würdigt Geschichte“ soll der Blick jetzt auf die Kirche heute, gestern und morgen fallen: 2014 steht unter dem Thema „Eine Kirche für die Armen und Suchenden“.  Im Jahr 2015 rückt das 1200. Jubiläum des Bistums in den Fokus: „St. Clemens – Eine Kirche im Bistum Hildesheim“ lautet das Jahresmotto. Es folgen „Ein Haus Gottes in der Stadt Hannover“ (2016), „Eine Kirche der Ökumene“ (2017) und „Ein Ort der Gottesbegegnung“ (2018). Auch die Basilika soll sich in diesen Jahren verändern, erklärt Propst Martin Tenge: „Sie soll sich als Gotteshaus präsentieren, das den Katholiken des ganzen Dekanates ein geistliches Zuhause bietet.“ Mehr Wärme, mehr Gemeinschaftserleben im Gottesdienst, eine moderne Liturgie und eine bessere Akustik – das sind einige Ziele der Umgestaltung. 

Hinweis:

Die Fronleichnamsfeier der Stadtgemeinden und der fremdsprachigen Missionen steht unter dem Motto „Auf der Suche nach Leben“. Sie beginnt am 19. Juni um 18.30h vor der Neustädter Hof- und Stadtkirche (Rote Reihe 8). Die Prozession führt zur Basilika St. Clemens. Nach dem liturgischen Abschluss wird gegrillt.