Eine Frage der Ethik

Bischof Wilmer besucht Forschungsinstitut für Philosophie in Hannover

Moral, Menschenbild, Recht und Gerechtigkeit: Zentrale Frage des gesellschaftlichen Zusammenlebens stehen im Mittelpunkt des Besuches von Bischof Heiner Wilmer im Forschungsinstitut für Philosophie in Hannover.

Der Stifter kommt zu Besuch: Bischof Dr. Heiner Wilmer ist zu Gast im Forschungsinstitut für Philosophie in Hannover (fiph). Im gewissen Sinne ist es „sein“ Institut, wurde es doch von seinem Vorvorgänger Bischof Dr. Josef Homeyer 1988 als kirchliche Stiftung errichtet.

Bei seinem Antrittsbesuch als Stifter bringt Wilmer vor allem viele Fragen mit, die zunächst Institutsleiter Prof. Dr. Jürgen Manemann beantwortet. Zum Beispiel nach den inhaltlichen Schwerpunkten der Arbeit: „Ein zentraler Blick liegt derzeit auf der Umweltphilosophie“, erläutert Manemann, der seit 2009 an der Spitze des fiph steht. Im Kern, so Manemann, gehe es um eine einfach klingende, aber schwer zu beantwortende Frage: „Warum handeln wir vor dem Hintergrund des Klimawandels nicht so, wie wir es müssen?“

Zweiter Schwerpunkt: Neuere Demokratietheorien. Wieder fasst Manemann den Ansatz des fiph in Fragen zusammen: „Wie können wir gut zusammen leben?“ und „Wie können Bürgerinnen und Bürger noch intensiver an demokratischen Prozessen beteiligt werden?“ Eine weitere Frage erläutert den dritten aktuellen Arbeitsbereich: „Wer ist der Mensch, wenn er wirtschaftet?“ Dahinter verbergen sich Konzepte, die Ökonomie und Gemeinwohl in Einklang bringen sollen.

Zur Beantwortung der aufgeworfenen vor allem ethischen Fragen legt das fiph eigene Publikationen vor, organisiert Vorträge, führt Tagungen oder Workshops durch. Vor allem aber sucht das fiph die Zusammenarbeit über das eigene Institut hinaus: zum Beispiel durch Kooperationen mit den Universitäten in Hannover, Hildesheim, Eichstätt und Erfurt. Jenseits des akademischen Bereichs bringt sich das fiph gesellschaftlich ein, betont Manemann. Das betreffe allein für den Schwerpunkt Umweltphilosophie Projekte mit der Stadt Hannover und der Jugendbewegung „Fridays for Future“ zur Klimagerechtigkeit.

Ein besonderes Augenmerk liegt im fiph auf Stipendien und dem sogenannte „Fellowship“. Dabei wird überwiegend jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit gegeben, über einen befristeten Zeitraum ein philosophisches Forschungsprojekt zu bearbeiten: „In einer anregenden Atmosphäre und in engem Austausch“, wie Manemann hervorhebt. Entsprechend des Leitgedankens des Institutes: „Weiter denken.“

Mit Dr. Larissa Berger, Anastassija Kostan und Dr. Tom Vandeputte stellen drei Fellows ihre Forschungsvorhaben vor. Es geht dabei um „moralische Wahrnehmung“, um die Kritik an „tradierten Menschenbildern“, um die „Idee von Gerechtigkeit jenseits von Recht und Person“. Für Wilmer zeigt sich, dass „sowohl philosophische wie religiöse Fragen unser gesellschaftliches Miteinander beeinflussen.“ Daher sei gemeinsames Nachdenken und Diskutieren über Grundaspekte des Zusammenlebens, der Bewahrung der Schöpfung und der Würde eines jeden Menschen von so herausragender Bedeutung.

Rüdiger Wala