"Gott wusste, worauf er sich eingelassen hat"

Pastor Daniel Konnemann verstärkt seit dem 1. Oktober das Team der Gemeinde St. Godehard in Hannover-Linden

Zwischen den Bücherregalen und der Garderobe mit den Messgewändern stehen säuberlich aufgereiht die Umzugskartons. Doch der Eindruck täuscht, versichert Pastor Daniel Konnemann: "Das meiste ist schon ausgepackt." Seit dem 1. Oktober verstärkt der 36-jährige Priester aus Winsen an der Luhe das Team der Gemeinde St. Godehard in Hannover-Linden. In der Posthornstraße hat er sich gleich heimisch gefühlt: "Es ist wahnsinnig bunt in Linden", beobachtet er. Ein Detail, das eine Menge verrät: "Die Kisten mit aussortierten Dingen, die ich an die Straße gestellt habe, waren sofort leer." Denn in der Nachbarschaft leben Menschen, die rechnen müssen, genauso wie besser Betuchte, die Alternativen zur Wegwerfgesellschaft suchen. Mit Pfarrer Wolfgang Beck lebt Daniel Konnemann in einem Haus - nicht in einer WG, sondern jeder mit seinem eigenen Haushalt. Eins ist dem Team von St. Godehard allerdings wichtig: gemeinsam zu beten.

Daniel Konnemann macht keinen Hehl daraus, dass er nach einer längeren Auszeit wieder in seinen Beruf eingestiegen ist. Vor etwas mehr als einem Jahr musste er seine Stelle als Pfarrer in Hildesheim wegen eines Burn-Out aufgeben. Die Auszeit hat er genutzt, um darüber nachzudenken, was ihn in seinen Beruf geführt hat - und was ihn dort hält. "Gott wusste schon, worauf er sich mit mir eingelassen hat", sagt er mit einem breiten Lächeln. "Nur ich wusste es nicht." In Lüneburg, wo er die ersten Schritte zum Wiedereinstieg in den Job gemacht hat, hatte er plötzlich die Zeit, eine Stärke neu zu entdecken: "Es kamen dauernd Anfragen nach Gesprächen." Durch seine eigenen Erfahrungen, hat er bemerkt, ist er auch sensibler für die Belastungen anderer Menschen geworden. Für Hannover hat sich vorgenommen, diese Stärke auszubauen. Ein anderes Thema, das ihm am Herzen liegt: Die Taufe für Erwachsene neu zu beleben.

Einmal im Monat ist Daniel Konnemann mit einer Gruppe von jungen und jung gebliebenen Christen im Bistum unterwegs. An verschiedenen Orten feiern sie den "Exodus"-Gottesdienst: "Mehr Musik, mehr Leben, mehr Gemeinschaft", lautet das Motto. "Das sind Menschen, die sich vehement mit ihrem Glauben auseinander gesetzt haben, aber ihre Heimat nicht in einer Gemeinde finden", erklärt Konnemann. Sie haben sich von selbst, ohne Plan oder Anordnung zu einer neuen Art von Gemeinde zusammengeschlossen. "Das ist nichts, was ich plane. Gott baut manchmal woanders etwas auf als da, wo wir es möchten", kommentiert Daniel Konnemann - und da ist wieder das breite Lächeln. In Zukunft, kündigt er an, wird der Exodus-Treffpunkt öfter in Hannover sein.

pkh