Über 1000 Katholik*innen ziehen durch die Innenstadt von Hannover
Zentrale Fronleichnamsfeier mit Open-Air-Gottesdienst vor der Basilika St. Clemens und Prozession durch das Steintor
Weit über 1000 Katholikinnen und Katholiken sind am gestrigen Fronleichnamstag in einer Prozession von der Basilika St. Clemens durch das Steintor und wieder zurückgezogen: mit Weihrauch und Bannern, mit Kommunionkindern und Ritterorden, mit Baldachin und dem Allerheiligsten in der Monstranz.
Bunt, vielfältig – und gläubig: Es ist schon ein ungewöhnliches Bild, das die Katholik*innen zu Fronleichnam zeigen. Eine Prozession mitten in der Stadt. Hörbar durch Schellen und ein Bläserensemble, vor allem aber durch Gesang und Gebete – in Polnisch, Spanisch, Italienisch, Französisch, Kroatisch, Tamilisch, Portugiesisch, Englisch und Vietnamesisch.
„Es fehlt nur noch Australien, dann wären hier alle Kontinente vertreten“, hatte beim der Prozession vorangehendem Open-Air-Gottesdienst vor der Basilika St. Clemens Propst Wolfgang Semmet geltend gemacht. Für den Regionaldechanten der Katholische Kirche in der Region Hannover zeigt gerade, wie international die Katholische Kirche in der Landeshauptstadt ist.
„Zu Fronleichnam verlassen wir bewusst unsere Kirchen und ziehen durch die Straßen“, erläuterte Semmet in seiner Predigt: „Nicht um uns, sondern um Jesus Christus in Gestalt der Hostie zu zeigen.“
Untersuchungen zur Kirchenmitgliedschaft zeigen, dass der Glaube schrittweise verschwinde. Er werde nicht bekämpft, sondern scheint nicht mehr zum Leben der Menschen dazuzugehören: „Wir leben in einer Gesellschaft, in der Glaube aus dem öffentlichen Raum verdrängt wird und zur Privatsache wird.“ Doch gerade an Fronleichnam, beim Ziehen durch die Straßen, wird deutlich, dass der Glaube überall im Leben anwesend ist – in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Freizeit, in Staat und Gesellschaft.
„Wir sind als Menschen aufeinander angewiesen, wir brauchen uns als Stütze und Halt“, ist Semmet überzeugt. Darin liegt die Kraft des Glaubens: „Einander zum Segen zu werden, Wegbegleiterin für ein erfülltes Leben zu sein.“
Musikalisch wurde der Gottesdienst von einem Bläserensemble unter der Leitung von Peter Erben, einem Projektchor unter der Leitung von Carsten Steinhoff und der Band re:cover worship aus Langenhagen gestaltet. Die Koordination liegt bei Regionalkantor Francesco Bernasconi. Der Zwischenaltar bei der Prozession auf einem Parkplatz am Marstall wurde von der Vietnamesischen Gemeinde gestaltet. Dort wurde vor allem für die Anliegen von jungen Menschen gebetet.
Die Hälfte der Kollekte geht an die Malteser Migranten Medizin, eine Initiative des Malteser-Hilfsdiensts. Dort finden Menschen ohne Krankenversicherung, viele von ihnen Migranten ohne gültigen Aufenthaltsstatus, kostenlose medizinische Hilfe, auf Wunsch auch anonym.
Zum Hintergrund: Seit dem Mittelalter wird Fronleichnam in aller Welt gefeiert. Der Name Fronleichnam stammt aus dem Mittelhochdeutschen: „vron“ was den Herrn betrifft, „lichnam“ Leib. Der Leib Christi wird an diesem Tag in Gestalt einer Hostie in einer Monstranz, einem Zeigegerät, durch die Straßen getragen. Das Fronleichnamsfest wird 60 Tage nach Ostern gefeiert, immer am zweiten Donnerstag nach Pfingsten. Der Donnerstag als Festtermin knüpft an den eigentlichen Gedenktag des letzten Abendmahles, dem Gründonnerstag, an. Fronleichnam als Verehrung der leiblichen Gegenwart Christi geht auf eine Vision der heiligen Juliana von Lüttich, einer Augustinerchorfrau, im Jahre 1209 zurück. 1264 wurde Fronleichnam von Papst Urban IV. zum Fest der Gesamtkirche erhoben.
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