Wahl in herausfordernden Zeiten
Katholische Kirche in der Region Hannover gratuliert Bischof Wilmer zur Wahl zum DBK-Vorsitzenden
Zur Wahl von Bischof Heiner Wilmer zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz erklärt Propst Wolfgang Semmet für das Leitungsteam der Katholischen Kirche in der Region Hannover:
Wir gratulieren unserem Bischof Heiner Wilmer sehr herzlich zu seiner Wahl und wünschen ihm Gottes guten Segen. Die Wahl fällt in herausfordernde Zeiten, sowohl für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft als auch für das Wirken unserer Kirche, für das Verkünden der Frohen Botschaft.
In seinen ersten Worten als neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz hat Bischof Wilmer auf eine der Besonderheiten des Bistums Hildesheim hingewiesen: Unsere Diözese ist geprägt von Katholikinnen und Katholiken, die hier ein neues Zuhause gefunden haben. Das gilt insbesondere für die Landeshauptstadt Hannover und die Region: Monat für Monat feiern wir Gottesdienste in über 30 verschiedenen Sprachen, in denen sich unterschiedliche Kulturen und Traditionen spiegeln. Die Internationalität, diese Vielfalt ist es, die uns als Kirche prägt und im wahrsten Sinne des Wortes weltoffen macht. Wir erleben das als Bereicherung – nicht nur für die Kirche, sondern auch für unsere Stadt und unsere Region. Die Wertschätzung der Vielfalt stärkt auch das Miteinander in unserer Gesellschaft.
Wir haben Bischof Heiner Wilmer als Menschen erlebt, der das Gespräch sucht und zuhört. Dieses Zuhören ist Ausdruck eines Verständnisses von Synodalität als neuem Weg der Kirche. Es geht darum, gemeinsam auf dem Weg zu sein, gemeinsam zu beraten und zu entschieden, sich darauf zu verständigen, was Aufgabe der Kirche ist, nämlich wie die Frohe Botschaft unseres Glaubens segensreich wirken kann. Das kann uns auch helfen verloren gegangene Glaubwürdigkeit wieder zurückzugewinnen.
Durch die Wahl von Bischof Heiner Wilmer wird für uns noch ein weiteres Zeichen deutlich: Wir dürfen und werden nicht nachlassen in der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in unserer Kirche. Für uns geht es weiter um die klare Absage an jahrzehntelanges Schweigen, um Anerkennung des Leids, um die Stimme der Betroffenen und um die Mahnung, weiter kirchliche Strukturen so zu ändern, dass es nicht mehr zu Missbrauch kommt.
Wie Bischof Heiner Wilmer sehen wir den Glauben als wichtigen Anker für Menschen und die Kirche in ihrem sozialen Engagement als Stütze der Gesellschaft. Wir befinden uns aber in einer Schieflage: Die Demokratie ist bedroht, soziale Konflikte werden schärfer, Menschen wird die Würde abgesprochen. Für uns als Kirche geht es um Respekt. Es geht uns darum, deutlich zu machen, dass jeder Mensch eine von Gott gegenebene unveräußerliche Würde hat und wir miteinander eine für alle Menschen gerechte Zukunft gestalten wollen: solidarisch, nachhaltig und mit dem besonderen Blick für die Beteiligung, die ins Abseits gedrängt werden, denen es nicht gut geht.
Wir erfahren täglich, dass sich unsere Kirche ändern, mehr Geschwisterlichkeit zeigen muss durch Transparenz, Wertschätzung und Hoffnung. Diesen Weg wird unsere Kirche weitergehen. Denn für uns kommt es auch darauf an, dass Reformen auch im Alltag unserer Pfarreien spürbar werden – genauso wie der dort konkret gelebte Glauben mehr Würdigung erfährt. Die guten Kontakte, die Bischof Heiner Wilmer nach Rom hat, werden helfen, die so oft beschworene Einheit in Vielfalt zu verwirklichen.
Zum Schluss möchten wir Bischof Heiner Wilmer noch eines wünschen: dass trotz des neuen Amtes die Zeit bleibt, weiter mit jungen Menschen zusammen zu sein, mit ihnen zu pilgern. Denn so bleibt die Kirche lebendig.
pkh/wal


