Nach über 20 Jahren verlässt die Congregatio Jesu Hannover
Ende August ist offiziell Schluss | Zukunft von Wolke 7 noch unklar

© pkh/wal
"Sie sind bekannter als der Stadtteilbürgermeister", würdigt Amtsinhaber Bernd Rödel das Wirken von Sr. Magdalena Winghofer von der Congregatio Jesu in Niedersachsens größtem Neubaugebiet in Hannover.
Nach über 20 Jahren verlassen zum 31. August 2026 die Ordensfrauen der Congregatio Jesu die Landeshauptstadt Hannover und damit das Bistum Hildesheim. 2004 wurde die Niederlassung an der Hildesheimer Straße 32 gegründet. Seitdem wirkten die Ordensfrauen in ganz unterschiedlichen Bereichen der Seelsorge: in der persönlichen spirituellen Begleitung, in der Betreuung sozialer und gesellschaftlicher Projekte sowie im Jugendpastoralen Zentrum Tabor, das sich auf dem gleichen Gelände wie die Kommunität befindet. Grund für das Schließen der Kommunität ist die geringer werdende Anzahl der Ordensfrauen.
Lebten zu Beginn der Kommunität noch fünf Schwestern im Haus in der Südstadt von Hannover zusammen, waren es im letzten Jahr noch zwei. Auch die Zusammensetzung der Kommunität hat sich im Laufe der Jahre immer wieder geändert. Ende 2025 ist zunächst Sr. Birgit Stollhoff als Leiterin des Katholischen Büros nach Mecklenburg-Vorpommern gewechselt. Zuvor hatte sie sechs Jahre lang das Jugendpastorale Zentrum Tabor geleitet – eine Einrichtung für Schüler*innen und Jugendliche mit Café, kostenfreier Hausaufgabenhilfe und Musik- und Freizeitangeboten.
Jetzt wurde auch Sr. Magdalena Winghofer im Zuge der Aufgabe des Standorts von ihrem Orden für eine neue Aufgabe im Erzbistum München-Freising zurückberufen. Sr. Magdalena hat in den letzten vier Jahren ein ungewöhnliches, aber zukunftsweisendes Projekt betreut: „Wolke 7“ in Niedersachsens größtem Neubaugebiet in Hannover-Kronsrode, in dem in drei Bauabschnitten um die 4000 Wohnungen in fünf- bis achtstöckigen Gebäuden errichtet werden. Ein komplett neuer Stadtteil, in dem es aber keine Kirche geben wird.
Zunächst als „Straßenseelsorgerin“ zwischen Kränen und Bauzäunen tätig, hat Sr. Magdelena mit der „Wolke 7“ eine unkonventionelle Idee entwickelt und umgesetzt: ein Ladenlokal mit einem Raum der Stille und einem zweiten Raum, in dem Veranstaltungen und Begegnungen stattfinden. Für Sr. Magdalena war zwischen den Hochhäusern und den langsam wachsenden Möglichkeiten zum Einkauf und Konsum ein Ort wichtig, in dem ein Rückzug aus dem Alltag und Begegnung möglich sind.
Ein Konzept, das aufgegangen ist. „Sie haben es geschafft, bekannter als der Bezirksbürgermeister zu sein“, betonte der Amtsinhaber für den Stadtbezirk Kirchrode-Bemerode-Wülferode, Bernd Rödel, bei der Verabschiedung von Sr. Magdalena. Viele Nutzer*innen der Einrichtung und Anwohner drückten ebenfalls ihren Dank und ihre Anerkennung aus. Wie es mit „Wolke 7“ weitergeht, ist derzeit noch in der Abstimmung zwischen dem Bistum Hildesheim und der benachbarten Pfarrei Heilige Engel.
Aktuell gehören der Mitteleuropäischen Provinz der Congregatio Jesu mit Sitz in München-Pasing noch 250 Schwestern an. Weltweit sind es um die 1400 Ordensfrauen. Gegründet wurde die Congregatio Jesu 1610 von der Engländerin Mary Ward, die vor allem Mädchen aus einfachen Verhältnissen eine Schulausbildung ermöglichen wollte. Daher liegen auch heute noch die Schwerpunkte der Seelsorge des Ordens in der sozialen Arbeit, der Bildung, der Spiritualität und der Begleitung von Menschen.
pkh/wala



