Segen für Superhelden
Neuer Sportlaster des Vereins Herzschläger gesegnet | Mobiles Sportstudio für palliative und chronisch schwer erkrankte Kinder und Jugendliche
Laufband, Ergofahrrad und sogar ein Boxsack – das gehört zum Interieur des mobilen Sportstudios des sozialen Vereins Herzschläger. Jetzt geht der Laster auf Touren. Mit Gottes Segen.
„Mir ist dieser Segen wichtig“, sagt Torge-Christian Wittke. Der Sportwissenschaftler und Sozialpädagoge ist Vorsitzender von „Herzschläger“. Der Verein möchte palliativen und chronisch schwer erkrankten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zum Sport bieten. Vor allem dann, wenn sie selbst nicht mehr die Möglichkeit dazu haben – weil sie so schwer erkrankt sind.
Wittke hat das bei seiner Tätigkeit an der Medizinischen Hochschule Hannover selbst erlebt. „Da waren Kinder und Jugendliche, die nicht mehr zu mir und zum Sport, kommen konnten.“ Vor allem ein Mädchen ist ihm in Erinnerung geblieben: „Sie war zu schwach dafür, ihre alleinerziehende Mutter konnte sie nicht mehr fahren, obwohl sie sich so gern bewegt hätte.“ Acht Wochen später stand Wittke dann am Grab des Mädchens: „Daraus ist dieser LKW geworden.“
Der Laster mit seinen 7,5 Tonnen hat es in sich: ein Laufband mit Körpergewichtsreduzierung durch Druckluft, ein Liegefahrradergometer, ein Oberkörperergometer, ein Boxsack und eine aktive Spielkonsole. Die Heckklappe lässt sich automatisch absenken. Damit kann auch ein Mensch im Rollstuhl das Angebot nutzen.
„Sport ist so wichtig für die Kinder und Jugendlichen“, betont Wittke. Sich doch noch bewegen zu können, sich zu spüren, allein oder in der Gesellschaft anderer. Sport helfe zudem, Folgeerkrankungen wie Rückenschmerzen von langen Liegezeiten zu mildern. Oder es gehe schlicht um Teilhabe an der Gesellschaft: „Selbst, wenn sie nur an der Konsole spielen – das unterscheidet sich dann doch vom eigenen Computer, Fernseher oder Tablet.“ Schon allein etwas Ablenkung wäre ein Segen.
Wittke ist es wichtig, dass dieser Segen nicht vom Angebot ausgeht, sondern auch gewissermaßen von oben kommt. „Die schwer erkrankten Kinder, ihre Beerdigungen – das hat mich schon sehr an meinem Glauben zweifeln lassen“, gesteht Wittke. Verloren hat er ihn letzten Endes aber nicht. Sondern auch ein wenig die Motivation für sein komplett aus Spenden finanziertes Projekt gezogen. Gerade weil für ihn Kinder und Jugendliche, die chronisch krank sind oder sogar das eigene Sterben vor Augen haben, eines sind: Superheld*innen.
Sein Engagement hat viele Spender*innen angesteckt: Stiftungen, die sich mit Geld engagierten, oder Unternehmen, die Umbauarbeiten am LKW vornahmen. „Das war schon eine großartige Sache“, betont Wittke: „Jetzt muss es nur rollen – aber mit Segen.“
„Diesen Segen spenden wir als Kirche nur zu gern“, betont Propst Wolfgang Semmet. Auch wenn erst einmal der Laster und die Sportgeräte mit Weihwasser benetzt wurden, gilt dieser Segen doch den Menschen, die damit in Berührung kommen: „Für sie beten wir und ihnen gilt der Segen, gekoppelt an das Fahrzeug.“ Damit der Laster sicher rollen kann. Mit Segen. Und mit Hoffnung.
pkh/wala







