Straße der Toleranz
Ökumenisches Stadtteilfest Calenberger Neustadt am 31. August
Die „Straße der Toleranz“ ist eine Besonderheit in der Calenberger Neustadt – reihen sich doch hier seit dem Barock Sakralbauten verschiedener Konfessionen und Religionsgemeinschaften. Das wird am Sonntag, 31. August, beim ökumenischen Stadtteilfest in besonderer Weise gefeiert.
Am Anfang der Toleranz stand jedoch die Vertreibung: 1588 legte nach der Reformation ein Religionsedikt fest, dass innerhalb der Mauern Hannovers nur Lutheraner*innen leben dürfen. Die wenigen Katholik*innen und Jüdinnen, aber auch Reformierte konnten sich nur in der damals eigenständigen Neustadt vor Hannover niederlassen.
Ein Wechselspiel aus fürstlicher Prachtentfaltung, kulturellen Vorlieben, aber auch überraschender religiöser Duldung führte zu einer fast einzigartigen Entwicklung: Als 1636 Welfenherzog Georg von Calenberg Hannover zu seiner Residenzstadt erkor, wurde die nun „Calenberger Neustadt“ zu der bevorzugten Heimstatt von Künstlern, Malern, Musikern, Diplomaten und ihren Familien. Längst nicht nur aus deutschen Landen, sondern vor allem aus Frankreich und Italien. In recht kurzer Zeit entstanden eine neue lutherische, eine reformierte und eine katholische Kirche, die sich zusammen mit einer Synagoge wie eine Perlenschnur durch die Calenberger Neustadt zogen – eine Straße der Toleranz in Zeiten von religiösen und konfessionell geprägten blutigen Auseinandersetzungen. Dieser „Gegenentwurf“ hatte bis 1938 Bestand – bis die Nazis die Synagoge niederbrannten.
„Straße der Toleranz“: Mit diesem Leitgedanken erinnert das Ökumenische Stadtteilfest am Sonntag, 31. August, an diese besondere Geschichte des Gebäudeensembles. Beginn ist um 14 Uhr mit einer Andacht in der Neustädter Hof- und Stadtkirche (Rote Reihe 8). Gegen 14:45 Uhr erfolgt der Umzug auf den Platz an der Basilika St. Clemens. Vor der Propsteikirche gibt es Angebote für Kinder und Erwachsene, Kulinarisches, ein Quiz und vor allem viel Musik. Unter anderem Salonmusik mit Pastor Michael Lerche (Klarinette), Anna Bernasconi (Flöte) und Francesco Bernasconi (Klavier) und einem offenen Singen mit Volksliedern und Liedern für Toleranz und Vielfalt. Der Schusssegen wird gegen 17:15 Uhr gespendet.
- Veranstalter sind die Kirchen in der Calenberger Neustadt. Der Erlös ist für die Ökumenische Essenausgabe bestimmt, die in den Wintermonaten in den Räumen der Reformierten Kirche ein kostenloses Mittagessen anbietet.
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