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27. Juni 2016
„Nicht alles wird sich von Anfang an verändern“, sagt Pfarrer Johannes Lim. © privat

„Nicht alles wird sich von Anfang an verändern“, sagt Pfarrer Johannes Lim. © privat

Wege zum Glauben eröffnen

Die Leitung von bis zu vier Pfarrgemeinden und das Führen eines mehrköpfigen Pastoralteams: Dem leitenden Pfarrer kommt im neuen Personalplan 2025 der Katholischen Kirche in der Region Hannover eine Schlüsselfunktion zu.

Die erfordert den Blick für größere Aufgabenfelder, sagt Pfarrer Johannes Lim. Und den Mut, die gewohnte Komfortzone zu verlassen, um Wege zum Glauben zu ermöglichen.

 

Acht leitende Pfarrer sollen in Zukunft im Regionaldekanat Hannover pastorale Teams führen und Verantwortung tragen für die Kommunikation mit den Gremien von Pfarrgemeinden vor Ort. Inwieweit verändert diese Funktion den jetzigen Handlungsspielraum von Pfarrern?

 

Lim: Es braucht den Blick für ein größeres Aufgabenfeld. Wenn mehrere Pfarreien zu einem Pastoralbereich gehören, ist je nach Situation vor Ort der organisatorische Aufwand für den Pfarrer höher. Es braucht beim Pfarrer die Bereitschaft, Aufgaben zu delegieren, und es braucht bei den Gemeindemitgliedern vor Ort eine Bereitschaft, über pastorale Fragen nachzudenken und Verantwortung zu übernehmen. Eine wichtige Frage ist auch, welche Rolle die künftigen Verwaltungsbeauftragten einnehmen werden. Wenn diese die Rolle eines Geschäftsführers des Kirchenvorstandes ausüben, dann wäre das eine große Entlastung für uns Pfarrer, weil wir dann nicht direkt in alle Fragen von zum Beispiel Bauvorhaben und Personalfragen eingebunden wären. Das würde für viele Pfarrer die Funktion des leitenden Pfarrers interessanter machen. Unabhängig davon wird ein Pfarrer in Zukunft aber mehr Leitungs- und Führungsaufgaben wahrnehmen müssen. Insbesondere wird er zusammen mit den Gremien vor Ort an der Frage arbeiten, wie sich die Pfarrgemeinde mit ihren Kirchorten pastoral in Zukunft aufstellen will. Und dabei geht es oft um Grundsatzfragen und nicht nur darum, wer was übernimmt.

 

Der Pfarrer wird in diesem Modell viel managen und organisieren. Wie kann er das mit seelsorgerischen Aufgaben unter einen Hut bekommen?

 

Lim: Zunächst ist die Arbeit im Team eine große Chance für die Seelsorge, weil die ein bis zwei Pastoren im pastoralen Team stärker seelsorgerisch arbeiten können als bisher. Viele Pfarrer haben sicherlich die Befürchtung, dass für die Nähe zum Menschen kaum noch Zeit sein wird. Und bestimmt wird das so kommen. Aber auch als Pfarrer werde ich mit Menschen vor Ort zu tun haben und dafür sorgen, dass gute Bedingungen herrschen, die Pastoral ermöglichen. Auch das ist Seelsorge, weil ich damit Menschen ermögliche, einen Weg zum Glauben zu finden. Nicht alles wird sich von Anfang an verändern. Aber es wäre zum Beispiel denkbar, dass Ehrenamtliche sich stärker mit der Frage auseinandersetzen, wie Glaube in den Familien gelebt und vermittelt werden kann. Hier ist bei engagierten Familien eine größere Kompetenz vorhanden als bei mir selbst, da ich ja keine Kinder großziehe. Ehrenamtliche könnten zum Beispiel Taufvorbereitungskurse übernehmen und andere Familien intensiv begleiten, um sie zum Glauben zu führen – und ich als Pfarrer ermögliche durch die Begleitung diesen Glaubensweg.

 

Sie sind als Pfarrer in Hannover ja auch persönlich von den geplanten Veränderungen betroffen. Wie empfinden Sie die Entwicklung?

 

Lim: Für mich ist diese Entwicklung alternativlos, wenn man nicht weiße Flecken zulassen will, wo die katholische Kirche dann nicht mehr präsent ist. Theologisch wird für mich die Berufung der Gläubigen wichtiger. Ich muss als Pfarrer stärker Begabungen entdecken und fördern. Es gibt Ehrenamtliche, die sich projekthaft mit ihrer Arbeitskraft für eine bestimmte Aufgabe zur Verfügung stellen. Und es gibt Menschen in den Gemeinden, die haben die Berufung und Begabung, über die Frage nach Gott zu reden und Glauben zu wecken. Wir brauchen ein vielfältigeres Ehrenamt in den Gemeinden, das auch in Bereiche hineinreicht, das sonst nur Geistlichen zugeschrieben wird. Dazu brauche ich als Pfarrer den Mut, diese anzusprechen. In gewisser Weise muss ich meine gewohnte Komfortzone verlassen. Ich kann mich nicht einfach auf den Feldern ausruhen, die ich schon bestellt habe.

 

 

 

Zur Person: Johannes Lim (50) ist seit September 2008 Pfarrer der hannoverschen Innenstadtgemeinde St. Heinrich. Derzeit ist er für drei Kirchorte und rund 10.000 Gläubige zuständig.

 

 

 

Von: Marie Kleine