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21. November 2016
Zoe kümmert sich in ihrer Freizeit um ihren Hund Amadeus. Sie empfindet ihre Firmung als Bestätigung ihres Glaubens. © Peppermüller

Zoe kümmert sich in ihrer Freizeit um ihren Hund Amadeus. Sie empfindet ihre Firmung als Bestätigung ihres Glaubens. © Peppermüller

Fabian Grüne ist in seiner Freizeit beim Parcour sportlich unterwegs. Er lässt sich nicht firmen. „Ich glaube nicht an Gott. Was soll ich dann bekräftigen?“, sagt er. © Peppermüller

Fabian Grüne ist in seiner Freizeit beim Parcour sportlich unterwegs. Er lässt sich nicht firmen. „Ich glaube nicht an Gott. Was soll ich dann bekräftigen?“, sagt er. © Peppermüller

Auf dem Weg zum Glauben?

Jedes Jahr stehen tausende junge Katholiken vor der Entscheidung, ob sie sich firmen lassen sollen. Doch wie treffen sie diese Wahl und nach welchen Kriterien? Gleiche Pfarrgemeinde, gleiche Schule, gleicher Religionskurs- und doch haben Zoe Goslar (15) und Fabian Grüne (16) aus der St. Bonifatius- Gemeinde in Gehrden unterschiedliche Entscheidungen getroffen.

Zoe Goslar hat sich gerade firmen lassen. Zwei Wochen ist das her. Für die 15- Jährige stand schon früh fest, dass sie sich firmen lassen wird. „Die Firmung gehört zum Glaubensweg dazu, genau wie die Erstkommunion“, sagt sie. Zusammen mit 36 anderen Jungen und Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren hat sie in ihrer Kirche in Gehrden das Sakrament der Firmung empfangen. Ihre Familie, die gebürtig aus Polen kommt, unterstützt Zoe bei der Firmung. Besonders ihre Oma Helena steht hinter ihr. „Meine Oma ist streng katholisch, sie erwartet, dass ich gefirmt werde. Aber ich mache es nicht ihr zuliebe, sondern möchte dadurch auch meine Persönlichkeit stärken.“ Für sie mache die Firmung keinen Unterschied in ihrem Glauben, sie bestärke ihn lediglich, sagt Zoe.

Fabian Grüne hätte wie Zoe aus seiner Jahrgangsstufe die Möglichkeit, sich dieses Jahr firmen zu lassen. Doch der 16- Jährige möchte es nicht. Schon zur Erstkommunion ist er nicht gegangen. „Ich glaube nicht an Gott. Und nur des Geldes und der Geschenke wegen wollte ich nicht zur Erstkommunion gehen. Das wäre sinnlos gewesen.“ Obwohl seine große Schwester gefirmt wurde und seine Eltern sich wünschten, dass auch er zur Erstkommunion gegangen wäre, lässt er sich davon nicht beeinflussen. „Man geht zur Firmung, um seinen Glauben an Gott zu bekräftigen. Ich glaube nicht an Gott. Was soll ich dann bekräftigen?“

Zoe sind ihre Familie und Freunde besonders wichtig. Ihre Eltern sind geschieden, ihr Vater lebt in Frankfurt. Sie sieht ihn öfter übers Wochenende. Zoe hört gerne Pop- Musik, spielt Korbball und kümmert sich um ihren Hund Amadeus. Zur Kirche geht sie nur,  wenn sie in Polen ist. Und das hat auch einen Grund: Für Zoe heißt Glauben Gemeinschaft erleben. „Die Kirche in Deutschland ist ein Ort der Stille mit vielen Regeln, das ist nichts für uns. Deswegen ist es für mich eher langweilig. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Angebote für Jugendliche gibt, die auch genutzt werden.“ In Polen geht sie jeden Sonntag zur Messe, dort sei es ganz anders, denn alle gehen zur Kirche und dann mache es auch Spaß. Glauben bedeutet nicht Kirche für Zoe, sondern Gemeinschaft.

Fabian glaubt an Beweise und die Naturwissenschaft. „Es könnte sein, dass es etwas gibt, das stärker ist als die Menschen, eine Art Kraft oder Macht. Das könnte ich mir vorstellen.“ Zur Kirche geht der Skeptiker mit seiner Familie nur an Feiertagen. Seine Eltern sind geschieden, sein Onkel ist Pfarrer in Göttingen. In der Kirche sieht Fabian keinen Platz für Jugendliche. „Im Grunde genommen ist die Kirche ein netter Ort, aber es ist immer der gleiche Ablauf und dadurch gehen nur ältere Menschen hin. Für Jugendliche gibt es heutzutage andere Plätze, zum Beispiel die Sporthalle.“ Nach der Schule trifft sich der Schüler des Matthias- Claudius Gymnasiums gerne mit seinen Freunden. Seit drei Jahren macht er Parcour, eine Mischung aus Turnen und Hindernislauf mit natürlichen Hindernissen. Geländer, Treppenstufen und Hauswände sind seine Sporthalle. Fabian übt dabei besonders Kraft und Sprungkraft.

An Heilig Abend bereitet Zoe mit ihrer Familie das Weihnachtsessen vor. „Es ist schön, gemeinsam etwas vorzubereiten und dann das Selbstgekochte zu essen. Danach gehen wir mit Oblaten zueinander, geben uns gegenseitig eine und sagen uns, was wir jeweils dem anderen wünschen.“ So stellt Zoe sich auch Gott vor: Jemand, der einem immer das Beste hofft und wünscht. Er sei für einen da, wie ein guter Freund. Die Firmvorbereitung hat ihr auch gut gefallen. „Man ist sich noch einmal bewusst geworden, was Firmung genau ist und was es für einen persönlich bedeutet“, sagt sie. Freundschaft und Liebe sind Fabian besonders wichtig. „Freundschaft und Liebe braucht jeder in seinem Leben, um glücklich zu sein“, sagt er.

 

 

<i>Das Wort Firmung kommt aus dem Lateinischen „firmare“, was so viel wie bestärken oder bekräftigen heißt. Bei der Firmung im Alter von 14 bis 17 Jahren bestätigt der Firmling seine Taufe und seinen Glauben zu Gott aus freiem Willen. Bischöfe und Weihbischöfe sprechen durch eine Handauflegung die Stärkung durch Gottes heiligen Geist zu, der den Firmling während des ganzen Lebensweges begleiten soll. Die Firmung, seit dem Jahr 1445 Sakrament, bezieht sich auf die biblische Pfingstgeschichte und Apostelgeschichte 8, 15- 17. Dort wird berichtet, dass zwei Samariter durch Handauflegung der Apostel ihren Glauben stärken ließen. Ab dem 12. Jahrhundert wurde die Firmung als „Vollendung der Taufe“ eingeführt. Die jungen Christen waren damals sieben bis zwölf Jahre alt. Noch bis 1971 bekam man vom Bischof einen „Backenstreich“ zur Firmung, eine leichte Ohrfeige, die zur Bestärkung dienen sollte. 2015 ließen sich im Bistum Hildesheim 2.392 Jugendliche firmen. </i>

 

 

Von: Carla Peppermüller