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20. Dezember 2017

Abschied von Cordula Canisius-Yavuz aus dem Haus der Religionen

Mehr als sechs Jahre hat Cordula Canisius-Yavuz die pädagogische Arbeit und das Veranstaltungsprogramm im Haus der Religionen mitgeprägt. Jetzt wurde sie in die passive Phase der Altersteilszeit verabschiedet.

„Du hast immer ein großes Herz für alle gehabt, die irgendwie anders sind“, sagte Propst Martin Tenge, Regionaldechant der katholischen Kirche und Sprecher des Rates der Religionen, schmunzelnd bei der Abschiedsfeier. Er ließ die beruflichen Stationen von Cordula Canisius-Yavuz Revue passieren, die alle mit der Katholischen Kirche in der Region Hannover verbunden sind: 1980 begann sie ihr Anerkennungsjahr als Sozialpädagogin. Es folgten Stationen beim „Arbeitskreis Ausländer“ der Katholischen Jugend Hannover und im Jugendzentrum Tabor. „Wir wollten damals die Welt verändern“, erinnerte sich die 61-Jährige bei ihrer Abschiedsfeier. Doch ihr Fazit fällt skeptisch aus: Populismus, Nationalismus und Islamfeindlichkeit haben eher noch zugenommen seit den 1980er Jahren. „Man könnte resignieren, wäre da nicht der Glaube. Er ruft mich selbst in dunkelster Nacht, ein Licht anzuzünden.“ Genau das, beschrieb sie, haben viele Vertreter verschiedener Religionen bei der großen Demonstration gegen die fremdenfeindlichen Anschläge 1991 getan, von der aus das gemeinsame Engagement der Religionen für den Frieden in Hannover seinen Anfang nahm. Im Haus der Religionen hat Cordula Canisius-Yavuz 2015 die Begegnungsreihen von Frauen für Frauen aus allen Religionen und Kulturen mit Unterstützung der Region Hannover gestartet. Ein Vorbereitungsteam aus sechs Religionen plant seitdem jedes Jahr eine thematische Reihe mit Besuchen bei verschiedenen Gemeinden, um die Traditionen der anderen Frauen kennen zu lernen und einander besser zu verstehen. Zahlreichen Gruppen ganz verschiedenen Alters zeigte Cordula Canisius-Yavuz bei der Interreligiösen Stadtführung, dass die Vielfalt der Religionen in Hannover über Jahrhunderte hinweg vor allem durch Flucht und Vertreibung gewachsen ist. Durch die Zusammenarbeit zwischen dem Haus der Religionen, der Buchhandlung Decius und der Katholischen Erwachsenenbildung konnten die Partner viele Autorinnen und Autoren zu Lesungen nach Hannover holen: von der muslimischen Feministin Khola Maryam Hübsch bis zum katholischen Mönch Anselm Grün. Cordula Canisius-Yavuz organisierte Reihen über den Buddhismus, Hinduismus oder die Begräbnisstätten der Religionen. Besonders am Herzen lag ihr die Zusammenarbeit mit dem Projekt „Rucksack Schule“ der Landeshauptstadt Hannover. Hier haben Eltern aus verschiedenen Kulturen die Möglichkeit, sich auszutauschen und fortzubilden, während ihre Kinder in der Schule sind. Mit den „Rucksack-Müttern“ und ihren Kindern bastelte sie Grußkarten zu den Festen der Religionen, erkundete die Geschichte Abrahams und Saras und diskutierte immer wieder darüber, welche Rolle Religion in heutigen Familien spielt. Die vielen Rednerinnen und Redner bei der Abschiedsfeier hoben immer wieder eines hervor: die große Herzlichkeit und Gastfreundschaft, mit der Cordula Canisius-Yavuz das Haus der Religionen zu einem einladenden Ort gemacht und jeden willkommen geheißen hat. Ein Satz einte alle Redner: „Wir werden dich sehr vermissen!“ (aba)