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28. April 2016
Pfarrer Alfons Berger neben einer mächtigen, mehrere Jahrhunderte alten Rotbuche, die direkt neben der Kirche St. Bonifatius in Wunstorf steht. „Man muss auch auf das Morgen und Übermorgen schauen“, findet er. „Daran erinnert mich dieser Baum.“ © pkh

Pfarrer Alfons Berger neben einer mächtigen, mehrere Jahrhunderte alten Rotbuche, die direkt neben der Kirche St. Bonifatius in Wunstorf steht. „Man muss auch auf das Morgen und Übermorgen schauen“, findet er. „Daran erinnert mich dieser Baum.“ © pkh

„Auch auf das Morgen schauen“

Jahrzehnte voller Arbeit und Einsatz gehen zu Ende: Denn diesen Sonntag wird Pfarrer Alfons Berger mit 74 Jahren in den Ruhestand gehen.

Advent 1999 kam er als Pfarrer nach Wunstorf. Und bereits 1989 war Alfons Berger zusätzlich zu seinen Pfarrstellen und sonstigen Aufgaben zum Diözesanbeauftragten für die Katholiken anderer Muttersprachen im Bistum Hildesheim ernannt worden. „Ich muss mich jetzt ein bisschen erholen“, sagt er. Erholen von einer erfüllenden, aber auch herausfordernden Zeit im Dienst für das Bistum. Denn Pfarrer Berger hat immer für seine Themen und Überzeugungen gekämpft. Er organisierte Jugendreisen zum Beispiel nach Osteuropa und Frankreich und später auch Studientage zu einer Zeit, in der der eiserne Vorhang noch stand. „Es war nicht immer einfach, gegen den Strom zu schwimmen und auch auf das Morgen und Übermorgen zu schauen“, blickt er zurück.

Zum Priester geweiht wurde Alfons Berger 1968. Er stammt aus einer katholischen Familie in Schlesien und wuchs mit zwei Onkeln väterlicherseits auf, die selbst Pfarrer waren. „Ich bin damit ein Stückchen groß geworden. Das waren für mich gute Vorbilder“, sagt er. Als die Familie 1946 von ihrer Landwirtschaft vertrieben wurde, landeten sie in Westfalen. Der Vater fand nur Stellen als Hilfsarbeiter, die älteren Schwestern verdienten was dazu. „Es war mühsam für meine Eltern, das Geld zusammen zu kratzen. Meine vier älteren Geschwister hatten keine Möglichkeiten, höhere Schulen zu besuchen oder zu studieren“, erinnert er sich. Er selbst konnte später durch die Entschädigungszahlungen für die Enteignung der Familie das Abitur machen und studieren. Durch Studentenjobs hielt er sich über Wasser und traf während des Studiums viele neue Freunde. „Mein Horizont hat sich durch die Begegnung mit Menschen anderer Sprachen und Nationalitäten gerade in dieser Zeit besonders geweitet. Von da an habe ich immer diesen Blick nach außen hin behalten.“

Auch während seiner Zeit als Kaplan in Wunstorf und Einbeck und seiner Zeit als Jugendseelsorger und Jugendpfarrer in Northeim und Hannover behielt Pfarrer Berger diese Perspektive bei und knüpfte zahlreiche Kontakte ins europäische Ausland. Vor allen Dingen Osteuropa stand damals im Mittelpunkt seiner Arbeit. Gewürdigt wurde dieses Interesse 1989, als er zur Verbindungsstelle des Bistums zu den Gemeinden anderer Muttersprachen ernennt wurde. „Meine Arbeit als Diözesanbeauftragter für die Katholiken anderer Muttersprachen war bereichernd und erlebnisreich, aber auch mit Spannungen versehen. Ich musste viele verschiedene Interessen der unterschiedlichen Nationalitäten und Generationen zueinander bringen.“ Ein Meilenstein dieser Arbeit ist die Gründung des Katholischen Internationalen Zentrums in Hannover vor fast zehn Jahren, in dem alle Missionen anderer Muttersprachen im Bistums Hildesheim eine organisatorische und seelsorgerische Heimat gefunden haben.

Gleichzeitig durfte aber auch seine Aufgabe als Pfarrer zunächst in Bad Münder und zuletzt in Wunstorf nicht leiden, wo Pfarrer Berger 2008 die Fusionen begleitete. „Gerade 1968 während meiner Kaplanszeit war gesellschaftspolitisch viel in Bewegung. Auch wir im Priesterseminar haben die gesellschaftlichen Entwicklungen damals erahnt und gespürt, dass die Bindung der jungen Menschen an die Kirche lockerer wurde.“ Eine Tendenz, die er sich reproduzieren sieht. „Kirche ist heute nur noch ein Event unter vielen und wenn nicht geliefert wird, kommen die Besucher nicht. Es gibt keine Grundanbindung mehr zur Kirche“ kritisiert er. „Das haben die Eltern schon so von ihren Eltern gelernt.“ Entgegen dieser Entwicklungen sieht Pfarrer Berger aber optimistisch und praktisch in die Zukunft: In Wunstorf hat er die Einrichtung einer zweiten katholischen Kita mit Krippe unterstützt, die erst vor vier Jahren eröffnet wurde. Allen Trends zum Trotz.  

 

Die Verabschiedung von Pfarrer Berger findet am Sonntag, 1. Mai, im Anschluss an die Heilige Messe um 11 Uhr in St. Bonifatius in Wunstorf (Hindenburgstraße 17) statt.

 

Von: Marie Kleine