Zum Inhalt springen
Impressum  Datenschutz

News anzeigen

24. März 2020
Ein Aufruf, eine Telefonummer: Rebecca Dorsch freut sich über die Welle der Hilfsbereitschaft. | Foto Wala

Ein Aufruf, eine Telefonummer: Rebecca Dorsch freut sich über die Welle der Hilfsbereitschaft. | Foto Wala

Aus einer Idee werden 1000

0178/8314475: Unter dieser Nummer ist die Einkaufshilfe Hannover ereichbar. Eine spontane Initaitive, die weite Kreise schlägt. Rebecca Dorsch gehört zu den Initatorinnen.

Es war eine dieser spontanen Ideen. Rebecca Dorsch, 20 Jahre alt, Studentin aus Hannover, trifft sich mit einer alten Schulfreundin. Bundes- und Landesregierung sind gerade dabei erste Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus zu ergreifen. Noch wird nur appelliert, zu Hause zu bleiben und größere Ansammlungen zu vermeiden. Noch überlegen die Kirchen, ob es nicht besser ist, vorerst keine Gottesdienste zu feiern. Die Schulen, auch die Hochschulen sollen Tage später geschlossen werden. Das ist knapp zwei Wochen her.

„Meine Freundin und ich fanden die Situation echt befremdlich“, erzählt Rebecca Dorsch. Sie fragen sich, auch angesichts der Hamsterkäufe in Stadt und Land, was ist denn mit den alten Menschen, die sich vielleicht nicht mehr vor die Tür trauen? Könnten sie nicht für sie einkaufen gehen?

Tags darauf treffen sie sich wieder: „Meine Freundin sagt, sie hat da eine Idee in Münster gefunden und schon mal ein Formular umgeschrieben.“ Ganz kurz, ganz einfach, damit es gut auf einem Handy lesbar ist. Die Geburtsstunde der Einkaufshilfe Hannover. Die Beiden starten über soziale Medien einen Aufruf. Studierende sollen sich melden, wenn sie in diesen Zeiten für ältere Menschen einkaufen wollen. „Was hatten wir denn schon zu verlieren“, meint Rebecca Dorsch: „Im Zweifelsfall hätte keiner gemeldet.“

Doch es kam anders: Schon kurz nach dem Aufruf waren 100 Hilfswillige, wenige Tage später 400, aktuell über 1000. Nicht nur aus der Stadt Hannover, sondern auch aus der ganzen Region. Aus einer Idee werden 1000: „Wir haben uns nur noch gefragt, wo kommen die alle her?“

Woher kommt diese Hilfsbereitschaft? „Wir sind eine sehr unterschiedliche Gruppe“, sagt Rebecca Dorsch. Man möchte angesichts dieser Pandemie einfach was tun. Bei ihr, der Lehramtsstudentin mit den Fächern Musik und Katholische Religion, hat das etwas mit Nächstenliebe zu tun. Sie ist so aufgewachsen.

Geboren in Hannover, Vater Schlossermeister, Mutter Medizinisch-Technische Assistentin an der medizinischen Hochschule, wird sie mit ihrer jüngeren Schwester in der Gemeinde St. Joseph im Stadtteil List groß: „Seit der Erstkommunion bin ich Ministrantin.“ Seit sieben Jahren bildet sie andere Kinder dazu aus und begleitet sie. Hätte die Feier der Firmung nicht verschoben werden müssen, würde sich sie in ihrer Gemeinde gerade zum dritten Mal als Katechetin engagieren. Glaube und Nächstenliebe – etwas schlicht Selbstverständliches.

Das hat auch mit dazu geführt, Katholische Theologie zu studieren. Dazu kommt aber auch eine andere Vorliebe – für Latein und Altgriechisch: „Beides fand ich in der Schule sehr schön.“ Altgriechisch steht sogar auf der Liste der Fächer, in denen Rebecca Dorsch ihr Abitur macht. Das führt dann zu einer Frage: „Was fange ich damit an.“ Theologie wird zur guten Wahl.

Von der Oma und der Mutter kommt die Liebe zur Musik: „Gerade meiner Mutter war wichtig, das wir ein Instrument erlernen.“ Musikalische Früherziehung, daheim steht ein Klavier, später kommt das Violoncello dazu. „Das hat sich so ergeben“, erzählt Rebecca Dorsch. Sie singt und spielt im Schulchor und Schulorchester, macht das Gleiche jetzt an der Uni – und lernt seit Oktober Fagott. „Zusammen Musik machen ist für mich wirklich wichtig“, erzählt sie: „Und Orchesterliteratur ist wahnsinnig toll.“ Da mache es einfach Spaß zu spielen und „Teil dieser Musik zu sein.“

Jetzt aber bewacht sie ein Telefon, koordiniert Helfer*innen und nimmt Anfragen entgegen. „Eigentlich möchte ich aber selbst gerne einkaufen gehen.“ Waren zu Beginn die Anfragen eher spärlich, steht nun das Telefon fast nicht mehr still. „Unsere Idee spricht sich wohl rum“, schätzt Rebecca Dorsch. Sie haben auch die Ärzt*innen in der Region über die Einkaufshilfe informiert, erste Anfragen gibt es auch aus dem Bereich Betreutes Wohnen. Die nun von der Landesregierung angeordneten Maßnahmen werden dazu führen, dass ältere Menschen noch mehr als bisher zu Hause bleiben wollen.

Steigen wird auch die Zahl der Erkrankten und der Menschen unter Quarantäne: „Auch da helfen wir“, sagt Rebecca Dorsch mit Nachdruck. Unter Beachtung der Sicherheit – für Helfende und Quarantäne-Patient*innen.

Das Prinzip der Einkaufshilfe ist recht einfach: „Es gilt Ware gegen Geld.“ Interessierte schrieben einen möglichst genauen Einkaufszettel und verständigen sich mit den Helfer*innen über Maximalpreise, Marken, Alternativen und Dringlichkeit. Wichtige Fragen angesichts häufig abverkaufter Regale.

Unter Strich geht das nicht ohne Vertrauen. „Wir hoffen auf das Gute“, meint Rebecca Dorsch. Es klingt nach einer Gewissheit, in der sie groß geworden ist.

Die Einkaufshilfe Hannover ist von Montag bis Sonntag zwischen 10 und 16 Uhr unter dieser Telefonnummer erreichbar: 0178/8314475. Oder per Mail unter: einkaufshilfe.hannover(at)gmx.de