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21. November 2019
Engagierte Gespräche über Glauben, Kirchenentwicklung und gesellschaftliche Verantwortung | Foto: Wala

Engagierte Gespräche über Glauben, Kirchenentwicklung und gesellschaftliche Verantwortung | Foto: Wala

Mal im großen, mal in kleinen Kreisen: die neue Arbeitsform im Dekanatspastoralrat | Foto: Wala

Mal im großen, mal in kleinen Kreisen: die neue Arbeitsform im Dekanatspastoralrat | Foto: Wala

Neuer Regionaldechant, neuer Vorsitzender: Propst Dr. Christian Wirz leitet zusammen mit Felizitas Teske den Dekanatspastoralrat | Foto: Wala

Neuer Regionaldechant, neuer Vorsitzender: Propst Dr. Christian Wirz leitet zusammen mit Felizitas Teske den Dekanatspastoralrat | Foto: Wala

Bedacht – beraten – beschlossen

November-Vollversammlung des Dekanatspastoralrates Hannover: Nachdenken, Gespräche und Debatten über Sachausschüsse, den „Tag der Diakonin“ und über einen Leitfaden der Stadt für Eingliederung und Zuwanderung.

Der Kreis wird größer gezogen: Kurz vor Beginn der Sitzung des Dekanatspastoralrates Hannover würden noch schnell Stühle dazu gestellt. „Das ist natürlich wesentlich besser, als wenn Stühle freibleiben“, sagt Felizitas Teske, die zweite Vorsitzende des DPR. Wieder tagt die Versammlung im Kreis, um schon von der Arbeitsweise her ein Zeichen der Zusammengehörigkeit zu setzen.

Dabei kann Felizitas Teske ein besonderes neues Mitglied begrüßen: Regionaldechant Propst Christian Wirz, der nach seiner Einführung im September das erste Mal als „geborener“ Vorsitzender des DPR an der Vollversammlung teilnimmt. Die Aufgabe, zusammen mit dem DPR das Regionaldekanat zu leiten, nehme er gerne wahr, betont Propst Wirz: „In Wort, Tat und Rat.“

Stichpunkt „Wort“: Zum Einstieg befassen sich die DPR-Mitglieder mit Worten aus dem Lukasevangelium (25, 14-25). Was bedeutet es Jesus nachzufolgen? Diese Frage steht im Mittelpunkt dieser Bibelverse. Zu dritt finden sich kleine Gruppen zusammen, reden über den Text, lassen ihn nachwirken, interpretieren ihn im Hinblick auf die eigene Situation und das eigene Leben. Dabei gibt es kein „richtig“ oder „falsch“ als Antwort, sondern es um Wahrnehmungen und Resonanz. Bewusst vor dem Einstieg in die Tagesordnung gesetzt, macht dieser Impuls deutlich, dass sich der DPR auch als geistliche Weggemeinschaft versteht.

Vorstellung Regionaldechant Propst Wirz

Der erste Tagesordnungspunkt richtet den Blick auf den neuen Regionaldechanten Propst Dr. Christian Wirz – nicht zuletzt deshalb, weil er automatisch auch Vorsitzender des DPR ist. Über die biografischen Daten hinaus berichtet Wirz von seiner „Affinität für das Orientalische“. Der Hintergrund: Kurz vor seiner Priesterweihe im Jahr 2000 ist Wirz zum ersten Mal mit den Maltesern in den Libanon gereist – als Betreuer einer Freizeit mit behinderten Jugendlichen aus der Hauptstadt Beirut: „Da bin ich heute noch dabei, alle zwei Jahre.“ Nun sieht er rund um seinen Wohnort, die Propstei St. Clemens in Stadtteil Calenberger Neustadt, an vielen Läden arabische Buchstaben: „Das finde ich klasse.“ Und: „Hier riecht es so wie in Beirut, hier reden die Leute auf der Straße wie in Beirut – alles super.“

Seit 2013 ist Wirz nach einem weiteren Teilzeitstudium in Kirchenrecht (parallel zur Arbeit als Pfarrer in Gronau) Offizial im Bistum Hildesheim und damit oberster Richter: „Das war schneller als gedacht, überraschend und etwas ins kalte Wasser geworfen.“ Das gleiche empfindet er bei dem Balanceakt zwischen Offizial in Hildesheim und Regionaldechant in Hannover: „Das mache ich gerne, finde es unheimlich spannend, probiere aus, wie es geht – und ich bin sicher, es wird gehen, mit Ihrer Hilfe.“

Sachausschüsse des Dekanatspastoralrates

Im Juni hatte der DPR auf seiner Vollversammlung neue Sachausschüsse eingerichtet. Zeit für eine erstes Fazit nach deren Konstituierung: Wie ist die Arbeit im Sachausschuss angelaufen? Was möchte der Sachausschuss dem DPR mitteilen? Welche Anregungen aus dem DPR gibt es an den Sachausschuss? 


  • Caritas und Soziales: Schwerpunkt ist die Frage des Informationsaustausches, da an vielfältigen Stellen in den Pfarrgemeinden, den Verbänden, dem Caritasverband und Einrichtungen caritative Arbeit geleistet wird. Ein bisher teilweise verbindendes Element, die Tätigkeit von Sr. Helena Erler als Referentin für Sozialpastoral, wird Ende November durch die Übertragung einer anderen Aufgabe im Orden außerhalb von Hannover entfallen. Angesichts des nahen Winters wird die Situation von obdachlosen Menschen in und um Hannover aktuell vom Sachausschuss in den Blick genommen.
  • Familie: Als Schwerpunkt hat sich der Blick auf die Erstkommunionvorbereitung herausgestellt. So wird für Februar 2020 ein Austauschtreffen für die in der Erstkommunionvorbereitung tätigen Katechet*innen geplant. Dabei wird es auch um Fragen von Fort- und Weiterbildung, von Beratung und Begleitung gehen.
  • Schule und Religionsunterricht: Hier gilt der erste Arbeitsschritt ebenfalls der Übersicht: Wo wird in der Region konfessioneller oder konfessionell-kooperativer Unterricht erteilt, wo fällt der Unterricht aus welchen Gründen aus? Dazu soll Zahlenmaterial aus dem Bischöflichen Generalvikariat Hildesheim ausgewertet werden.
  • Ökumene und interreligiöser Dialog: Beraten wurde unter anderem die ökumenische Eröffnung der Fastenzeit 2020. Zudem entwickelt der Sachausschuss einen Fragebogen, um den Stand der ökumenischen Aktivitäten in den Gemeinden zu erfassen.
  • Frau in der Kirche: Selbstverständnis und Schwerpunkt dieses Sachausschusses liegen in derBildung/Ausbildung von Frauen für Dienste in den Gemeinden, Stärkung der Vernetzung und Gremienarbeit. Auch die von der Initiative Maria 2.0 aufgeworfenen Themen nach Machtstrukturen in der Kirche und der Weihe von Frauen zur Diakonin oder Priesterin wurden aufgegriffen und diskutiert (siehe folgenden Tagesordnungspunkt).
  • Jugend: Anliegen der Mitglieder des Ausschusses ist das langfristig wirkende Stärken der Jugendarbeit im Regionaldekanat. Da braucht es weitere Ideen, die über klassische Angebote wie Dekanatsjugendgottesdienste oder Ministrant*innentreffen hinausgehen.
  • Schöpfung und Nachhaltigkeit: Der Ausschuss möchte sich in einem ersten Schritt innerkirchlich auf Impulse für mehr schöpfungsgerechtes und nachhaltiges Handeln konzentrieren. Das beinhalte sowohl die Arbeit im DPR (Stichwort: Papierverbrauch) als auch einen Leitfaden für Pfarrgemeinden (Stichworte: Energie- und Wasserverbrauch, Müll und vieles andere). Dabei ist auch an einen Workshop für Pfarreien gedacht, der im Frühjahr kommenden Jahres stattfinden soll.
  • Kirchenentwicklung: Bisher stand der Austausch zu den (personellen) Entwicklungen in den acht Pastoralbereichen im Mittelpunkt. Daraus werden sich Ansatzpunkte für die weitere Arbeit ergeben.

Antrag: Unterstützung des Tages der Diakonin

Bei einer Gegenstimme und drei Enthaltungen beschloss der DPR mit großer Mehrheit den „Tag der Diakonin“, der am 29. April 2020 bundesweit und in Hannover im ökumenischen Kirchencentrum Hannover-Mühlenberg (hier Ausrichter*innen: die Katholische Frauengemeinschaft und der Katholischen Frauenbund) gefeiert wird, zu unterstützen: „In Anerkennung und Würdigung des diakonischen Wirkens von Frauen in vielfältigen Zusammenhängen in unserer Kirche“, wie es im Beschluss heißt.

Lokaler Integrationsplan Hannover

Markus Breuckmann, theologischer Referent des Regionaldekanats, informiert über die von der Stadt Hannover angestrebte Neufassung des Lokalen Integrationsplanes. Im Juni 2008 wurde dieser Plan als Leitfaden für die Eingliederung von Zuwander*innen und Flüchtlingen von der Ratsversammlung beschlossen, nun steht eine umfassende Überarbeitung an.

Die Stadt möchte diese Überarbeitung als breiten Beteiligungsprozess gestalten. Für den DPR ist bedeutsam, dass die Stadt für die insgesamt sechs Handlungsfelder – Bildung, Wirtschaft, Soziales, Stadtleben, Demokratie und Stadtverwaltung – Expert*innen sucht, die im Rahmen einer thematischen Arbeitsgruppe auf der Grundlage des ‚alten‘ Integrationsplanes zunächst grundsätzliche Ziele definiert. In einem zweiten Schritt werden die Expert*innengruppen ein Maßnahmenpaket erarbeiten, mit dem sich die Landeshauptstadt Hannover beim Thema Einwanderung neu aufstellen kann.

Mögliche Ansatzpunkte für die Mitarbeit in Sachen „Religion“ liegen im Handlungsfeld „Stadtleben“. Markus Breuckmann wirbt aber dafür, fachlich versierte Kandidat*innen aus der Katholischen Kirche auch für andere Bereiche zu benennen. Für den gesamten Beratungsprozess sind, beginnend von März 2020, etwa acht Monate vorgesehen. Zwischenzeitlich werden die Ergebnisse der Expert*innengruppen in öffentlichen Foren diskutiert. Gebündelt werden sie durch eine Lenkungsgruppe, beschlossen wird der neue Lokale Integrationsplan durch den Rat der Stadt – voraussichtlich im Januar 2021.

 

Von: Rüdiger Wala