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26. März 2019
Harte Arbeit: Fünf Stunden lang wurde der Sattelschlepper beladen. | Fotos: Wala

Harte Arbeit: Fünf Stunden lang wurde der Sattelschlepper beladen. | Fotos: Wala

Pfarrer Bernd Langer (2. v. links) und Margret Engelking mit Engagierten der Deutsch-Kroatischen Gesellschaft und Fahrer Sascha Bencun (r.).

Pfarrer Bernd Langer (2. v. links) und Margret Engelking mit Engagierten der Deutsch-Kroatischen Gesellschaft und Fahrer Sascha Bencun (r.).

Bilder, Bänke, Beichtstuhl

Eine Kirche wird profaniert – und alles muss raus. Aber wohin? Die Einrichtung von St. Christophorus in Hannover-Stöcken wurde jetzt nach Bosnien gebracht. Drei Tage Fahrt für eine neue Heimat.

Alles gut verstaut? Sascha Bencun kontrolliert immer wieder die Spanngurte, mit denen die kostbare Fracht auf dem langen Sattelschlepper gesichert ist. Drei Tage Fahrt liegen vor dem 42-jährigen Familienvater. Es geht von Hannover nach Bosnien, in den Ort Mrkonjić Grad.

Gut fünfeinhalb Stunden wurde der Laster beladen: Um die 40 Kirchenbänke, der Priestersitz, der Ambo, zwei Beichtstühle, die Bilder des Kreuzweges, Seitenaltar, Osterleuchter, Vortragekreuz, Hocker und der Tabernakel. Alles aus der Kirche St. Christophorus in Hannover-Stöcken. Im Januar hatte Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger das ewige Licht gelöscht. Der letzte Akt der Profanierung einer Kirche – begleitet von Protestplakaten und einer Mahnwache. Bis zuletzt hatten Gemeindemitglieder gehofft, dass es noch eine Zukunft für ihr Gotteshaus gibt.

Jetzt ist der Innenraum leer. Auch die Deckenbeleuchtung wurde abgebaut und auf den Laster geladen. „Natürlich ist das für die Beteiligten ein sehr schmerzhafter Prozess, das ist doch völlig klar“; sagt Pfarrer Bernd Langer. Er ist Seelsorger der Gemeinde St. Maria, zu der St. Christophorus gehörte.

Von Ambo bis Tabernakel: Alles ist aufgelistet in der Schenkungsurkunde für die Kirche Filipa i Jakova – Philippus und Jakobus – in Mrkonjić Grad. Der gut 16 000 Bewohner zählende Ort liegt gut 120 Kilometer nordöstlich der bosnischen Hauptstadt Sarajevo.

„Die Kirche wurde im Bosnienkrieg Anfang bis Mitte der 1990er-Jahre gezielt zerstört – wie viele katholische Gotteshäuser“, berichtet Margret Engelking. Die Vorsitzende der Deutsch-Kroatischen Gesellschaft kümmert sich seit Langem um den Wiederaufbau von katholischen Kirchen vor allem in der bosnischen Diözese Banja Luka. „Der Wiederaufbau einer Kirche ist für die Katholiken in Bosnien ein wichtiges Zeichen der Hoffnung“, erläutert Engelking.

Zeichen von Trost und Hoffnung

Die Deutsch-Kroatische Gesellschaft hat in ihrem über 20-jährigen Wirken mehrfach das Inventar profanierter Kirchen nach Bosnien gebracht: „Es ist doch Ausdruck von Weltkirche, wenn auf den Bänken weiter Menschen beten, wenn von einem Ambo aus weiter das Evangelium verkündet wird“, ist Engelking überzeugt.
Dem stimmt Pfarrer Bernd Langer zu: „Das ist sicher ein Trost, dass mit dem Kircheninventar von St. Christophorus weiterhin Gottesdienst gefeiert wird.“

Der lange Ritt über die Tschechei, die Slowakei, Ungarn und Kroatien mag für Fahrer Sascha Bencun Routine sein. Ebenso das Übernachten im Las­ter und das Wiegen und Deklarieren an Zollstationen. Das steht ihm auf dieser Tour dreimal bevor. Einschließlich Gebühren. Aber das Transportgut? „Nein, das ist keine Routine“, sagt Bencun, der seit gut einem Jahrzehnt als Lkw-Fahrer europaweit unterwegs ist: „Einen Beichtstuhl habe ich noch nie transportiert.“ Eine Premiere – und deshalb wird noch mal ein Spanngurt getestet. Sicher ist sicher.

St. Christophorus wird aber nicht nur Spuren in Bosnien hinterlassen. Das St.-Chris­tophorus-Fenster des Kölner Künstlers Franz Pauli wird in einer neuen Kapelle der Kirche St. Hedwig in Vinnhorst integriert. Auch wenn schon bald mit Abrissarbeiten zu rechnen ist: Das Heimatwerk als neuer Eigentümer wird Kirchenfenster und die den Bau kennzeichnende Figur des heiligen Christophorus erhalten. „Die Erinnerung an St. Christophorus bleibt nicht nur bestehen, sondern sichtbar“, sagt Bernd Langer.

Von: Rüdiger Wala