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15. Juni 2020
Was macht satt? Eine der Leitfragen bei den Stationsgottesdiensten in Garbsen. Eine Antwort, wie die Spielzene zeigt: der Zusammenhalt in der Familie. | Foto: Wala

Was macht satt? Eine der Leitfragen bei den Stationsgottesdiensten in Garbsen. Eine Antwort, wie die Spielzene zeigt: der Zusammenhalt in der Familie. | Foto: Wala

Ein ganzer Korb mit Dingen, die satt machen: Mut, Lachen, Gesundheit, Familie und vieles mehr.  | Foto: Wala

Ein ganzer Korb mit Dingen, die satt machen: Mut, Lachen, Gesundheit, Familie und vieles mehr. | Foto: Wala

Ideensammlung per Papierfigur: Durch was sind wir verbunden?  | Foto: Wala

Ideensammlung per Papierfigur: Durch was sind wir verbunden? | Foto: Wala

Auch höhere "Luftfeuchtigkeit störte nicht.  | Foto: Wala

Auch höhere "Luftfeuchtigkeit störte nicht. | Foto: Wala

Brot, Leben, Vanillepuddig

Fronleichnam geht auch anders: Viermal vier Gottesdienste an vier Stationen in St. Raphael in Garbsen. Und vier verschiedene Leitfragen.

Es ist eines der Lieder des Fronleichnamsfestes, das „Tantum Ergo“, das „Sakrament der Liebe Gottes“: 1263/64 vom heiligen Thomas von Aquin, Dominikaner und Kirchenlehrer geschrieben, zu finden im Gotteslob unter der Ziffer 495. Darin heißt es:  „Leib des Herrn, sei hoch verehrt, Mahl, das uns mit Gott vereinigt, Brot, das unsre Seele nährt …“

„Brot ist das Zeichen, das uns mit Jesus verbindet“, sagt Bärbel Smarsli, Gemeindereferentin in St. Raphael in Garben. Sie hält ein kleines Stück Brot in der Hand. Hell, rund, kross gebacken, frisch. Bezeichnet mit einem Kreuz.

Brot, in die Welt tragen, Gemeinschaft – das waren die Zutaten, die im Pastoralrat von St. Raphael schnell eine Alternatividee zur Feier des Fronleichnamsfests reifen ließen: Statt einem großen Gottesdienst vier „kleine“ Wort-Gottes-Feiern, an vier Orten, mit vier unterschiedlichen Leitfragen, die mit dem Brot des Lebens verbunden sind: Was macht uns satt? Wofür wollen wir danken? Wie können wir teilen? Und was verbindet uns?

Drei Orte mit Platz für die notwendigen Hygieneauflagen boten sich an: die Vorplätze der zur Pfarrei gehörenden Kirchen St. Raphael, St. Maria Regina und Corpus Christi. Altar-Ort Nummer vier: Homeyers Hof, ein alter Bauernhof mit Kunsthandwerk, Werkstatt und Backstube: Da schließt sich der Kreis zum frisch gebackenen Brot mit dem Kreuz.

Vier Teams mit über 50 Engagierten

„Ganz schnell haben sich vier Teams gefunden, die die Stationen vorbereiten“, berichtet Bärbel Smarsli. Über 50 Ehrenamtliche sind dabei. Der Gemeindereferentin ist eines wichtig dabei: „Die Gruppen haben auch die Wort-Gottes-Feiern selbst gestaltet“. Lediglich die formalen Elemente eines Stationsgottesdienstes – Lesung, Impuls, Fürbitten, Vaterunser, Segen – waren vorgegeben.

So wird der Gottesdienst auf dem Bauernhof von der Kindertagesstätte St. Maria Regina gestaltet – übrigens von Erzieherinnen mit ihren leiblichen Kindern. „Damit sind wir Hausgemeinschaften und von der Abstandregel befreit“, erläutert Aneta Muskalla, pädagogische Leiterin der Kita.

In kleinen Spielszenen neben dem Altar vor der Scheune gehen die Kinder und Erzieherinnen der Frage nach, was satt macht. Nur das Brot, sondern auch etwas anderes? Gelegenheit auch um kindgerecht, Belastungen der Corona-Pandemie aufzuarbeiten.    So wird ein Telefonat mit der Großmutter nachgespielt. Telefonieren geht als Video auch mit den Augen, einkaufen ist eine große Hilfe. „Mehl, Milch, Toilettenpapier“, listet die Großmutter auf: „Und Vanillepudding.“ Zusammenhalt geht auch durch den Magen – und macht satt.

Viermal werden Marta, Kiara und Sophie ihre kleine Szene vorspielen. Denn die Idee ist, dass Gemeindemitglieder sich auf den Weg machen und alle vier Stationen besuchen. Nervt das nicht? „Nein“, sagt Marta, sieben Jahre alt und ehemaliges Kindergartenkind von St. Maria Regina: „Das ist doch schön, dass wir wieder alle zusammenkommen.“ Das bestätigt auch Aneta Muskalla: „Viele Kinder, die jetzt kommen, sehen nach sich nach Wochen wieder – und auch ihre Erzieherinnen.“ Neben freudigen Winken fließt da auch die eine oder andere Träne. „Da sind wir uns nah – auch mit eineinhalb Meter Abstand“, meint Muskalla.

Symbole verbinden die vier Altar-Orte dieser etwas anderen Fronleichnamsprozession: Vor dem Hof können Teilnehmer*innen Gedanken auf ein Herz schreiben und aufhängen. Zum Mitnehmen gibt es eine schlüsselanhängergroße Baumscheibe mit Dingen, die Satt machen: Mut, Lachen, Gesundheit, Familie. In Corpus Christi mit der Frage „was verbindet“, sind es handgroße Papierfiguren, auf denen Ideen notiert werden können, die dann ausgewertet werden. Auch hier gibt es etwas zum  Mitnehmen: eine Postkarte, mit denen man anderen Menschen einen Gruß in den Briefkasten stecken kann.

Wie kommen die vier Gottesdienste zu vier unterschiedlichen zweiten an? „Das ist schon anders  als sonst“, sagen Petra und Karl-Heinz Korn zwischen den Wegen von Altar-Ort zu Altar-Ort: „Aber einfach großartig.“

Von: Rüdiger Wala