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24. Februar 2019
Lieber Gemüse und Liebe als gemästeter Ochse und Hass (Buch der Sürche 15,17): Propst Martin Tenge und Felizitas Teske, zeigen das kleine Geschenk zum Abschluss der Amtszeit des Dekanatspastoralrates Hannover | Foto: Wala

Lieber Gemüse und Liebe als gemästeter Ochse und Hass (Buch der Sürche 15,17): Propst Martin Tenge und Felizitas Teske, zeigen das kleine Geschenk zum Abschluss der Amtszeit des Dekanatspastoralrates Hannover | Foto: Wala

Ein Handtuch wird überreicht – nicht geworfen

Letzte Sitzung des Dekanatspastoralrates Hannover: Rückschau,Würdigung, Kritik – und jede Menge Impulse zum Weitermachen.

Was ist gelungen? Was weniger? Wo wurde Akzente gesetzt? Und wo hat man Möglichkeiten ungenutzt gelassen? Was wird als Staffelstab weitergereicht? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der letzten Sitzung des Dekanatspastoralrates in der Amtsperiode 2015 bis 2019.

Grundsätzlich wirkt der Dekanatspastoralrat zusammen mit dem Dechanten bei der Leitung des Dekanates mit und trägt Verantwortung für die Erfüllung der Aufgaben der Katholischen Kirche in der Region Hannover. Er erörtert zentrale Fragestellungen,  trifft die dafür notwendigen Beschlüsse und sorgt für deren Durchführung.

Im Dekanatspastoralrat vertreten sind Vertreterinnen und Vertreter aller 23 Pfarrgemeinden, die Katholischen Einrichtungen, die pastoralen Berufsgruppen sowie die Verbände und Gruppierungen der Katholischen Kirche in der Region Hannover. Außerdem kann der Dekanatspastoralrat weitere Mitglieder berufen.

Blickt Felicias Teske, die 2. Vorsitzende des Dekanatspastoralrates auf die vergangenen vier Jahre zurück, erscheinen der Leiterin einer katholischen Grundschule zwei Entscheidungen von besonderer Tragweite – eine in die Gesellschaft hinein und eine eher binnenkirchlich. Ein einschneidendes Ereignis war der große Einsatz der Kirchengemeinden für Flüchtlinge – insbesondere für die, die im von September 2015 nach Deutschland und in Folge auch nach Hannover kamen. Viele Kirchorte haben ihre Türen geöffnet und Begegnungen ermöglicht, Deutsch- und andere Kurse angeboten, Kleidung gesammelt und helfen bis heute beim Einleben in ein mögliches neues Zuhause: "Wir haben in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband eine Koordinationsstelle für die Unterstützung von Flüchtlingen aufbauen können“, betont Teske. Das war und ist ein ganz wichtiges Element der Arbeit im Dekanatspastoralrat in den letzten Jahren.

Das zweite, eher binnenkirchliche Ereignis: das Einrichten von Pastoralbereichen. Ein Team von Hauptamtlichen (Leitender Pfarrer, weitere Priester, Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten, Verwaltungsreferentinnen und -referenten sowie Diakone und perspektivisch auch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter) sind künftig für mehrere eigenständige Pfarreien zuständig. Diese Pastoralbereiche mussten definiert werden: „ Wir haben uns in ziemlicher Kleinarbeit darum bemüht, die Pastoralbereiche so eingänglich, aber auch so objektiv wie möglich zu beschreiben“, meint Teske.

Im November 2018 hat der Dekanatspastoralrat mit einem Fragebogen die Mitglieder nach Ihrer Zufriedenheit befragt. Das von Pastoralreferent Lorenz Kutschke vorgestellte Ergebnis zeigt eine gute Arbeitsatmosphäre: „Die Ziele und die Form der Zusammenarbeit werden als grundsätzlich gut beurteilt, sie können aber im Detail noch verbessert werden“, erläutert Kutschke. Ein verstärkter Blick sollte auf die Zusammenarbeit von hauptberuflichen und ehrenamtlichen gelegt werden. Nicht zuletzt, weil gerade die leitenden Pfarrer gefordert sind, den Dekanatspastoralrat und seine Arbeit stärker zu schätzen und zu fördern. Ein weiterer Wunsch aus den Fragebogen: deutlicher und intensiver auf den geistlichen Austausch und Fragen des Glaubens achten.

Stellung beziehen und Präsenz zeigen, sind nach Worten von Felizitas Teske zwei wichtige Aufgaben für den kommenden Dekanatspastoralrat. Durch Veranstaltungen und viele Gespräche habe sich herausgestellt, dass auch die katholische Kirche im Dialog mit der Gesellschaft eine zentrale Rolle spielen. Zum einen im Dienst am Menschen: Teske lenkt den Blick dabei vor allem auf einsamen Menschen: „Das ist in einer Stadt wie Hannover mit einer hohen Anzahl allein lebende Menschen durchaus eine Herausforderung.“ Zum anderen könne und müsse sich der Dekanatspastoralrat verstärkt für Werte wie Toleranz, Weltoffenheit und weiter für das wertschätzende Gespräch zwischen den Religionen einsetzen: „Die Stadt und die Region sind vielfältig.“

Die Arbeit des Gremiums wird sich in den kommenden vier Jahren verändern – und zwar in zweierlei Hinsicht, wie Propst Martin Tenge, Regionaldechant und in dieser Funktion auch Vorsitzender des Dekanat Pastoralrates, erläutert. Eine Veränderung: Durch eine neue Ordnung, die sich der Rat selbst gegeben hat, wird er kleiner. „Ich hoffe, dass dadurch noch ein intensiveres und von einer vertieften Gemeinschaft getragenes Arbeiten möglich ist“, so Tenge. Die zweite Veränderung: auch die Bedeutung des Rates in der Leitung des Dekanates, beim Beraten der pastoralen Leitlinien, müsse gestärkt werden.

Eines aber würdigen Teske und Tenge besonders: das Durchhaltevermögen der Mitglieder des Dekanatspastoralrates: „Sie haben in diesem vier Jahren eben nicht das Handtuch geworfen“, hebt Felicias Teske ausdrücklich hervor. Das zeigt sich im Dankeschön, das die beiden mit etwas Hintersinn verteilen: Geschirrhandtücher, bedruckt mit Versen aus der Bibel. Durchaus mit vegetarischem Einschlag: „Besser ein Gericht Gemüse, wo Liebe herrscht, als ein gemästeter Ochse und Hass dabei“, heißt es beispielsweise. Ein Vers aus dem Buch der Sprüche (15,17).

Von: Rüdiger Wala