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12. Dezember 2012
Schwester Victima, Schwester Lilia und Schwester Maria (v.l.)

Schwester Victima, Schwester Lilia und Schwester Maria (v.l.)

„Das hier war unsere Heimat“

Die Karmelitinnen verlassen Hannover

Ihre Bücher werden sie begleiten – und die Farbpigmente, die Schwester Victima für die Ikonenmalerei braucht. „Die Pigmente werden aus Erde gemacht“, erklärt die Oberin. „Deswegen sehen die Farben aus jedem Land anders aus.“ Die 54-Jährige wird demnächst die norwegische Erde kennen lernen.  Die Schwestern der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel, im Volksmund auch die „Unbeschuhten Karmelitinnen“ genannt, verlassen das Bistum Hildesheim. Nach 14 Jahren löst sich der Konvent in der Milanstraße im Osten Hannovers auf. Die Gemeinschaft, erklärt Schwester Victima, ist mit fünf Schwestern zu klein. Jetzt, wo zwei Schwestern gesundheitlich angeschlagen sind, können sie den Klosterbetrieb nicht mehr am Laufen halten.

Bischof Josef Homeyer hat die Karmelitinnen 1998 ins Bistum eingeladen. Die Schwestern stammen aus Polen und hatten zuvor in Island gelebt. Schwester Victima und Schwester Ancilla werden nun nach Skandinavien zurückkehren. Der Konvent in Tromsø im äußersten Norden Norwegens ist ebenso wie der in Hannover von Island aus gegründet worden. Die Schwestern werden also auf viele vertraute Gesichter treffen. Die kleine Minderheit der Katholiken am Polarkreis erwartet die Verstärkung schon. „Bitte kommen Sie schnell“, bat eine norwegische Gläubige Schwester Victima, als sie sich zehn Tage lang mit ihrer neuen Heimat vertraut machte.

Dabei ist die Präsenz der Schwestern mehr fühlbar als sichtbar. Die Karmelitinnen verlassen ihr Kloster nur in Ausnahmefällen. Besucher empfängt Schwester Victima in einem Sprechzimmer, wo ein hölzernes Gitter sie von der Außenwelt trennt. Sie öffnet eine Klappe auf Kniehöhe und reicht einen Teller mit selbst gebackenen Adventskeksen hindurch. „Bedienen sie sich“, sagt sie mit herzlichem Lächeln. „Wir Schwestern essen im Besuchszimmer nicht.“

Mit der Welt um sie herum stehen die Schwestern durch das Gebet in Verbindung. „Wir beten für die Leute, und sie fühlen das: Da will mir jemand Gutes, das gibt Kraft“, erklärt Schwester Victima. „Ich persönlich habe eine missionarische Berufung“, sagt die studierte Theaterwissenschaftlerin. Nur ist es nicht ihr Weg, zu den Menschen zu geben und ihnen von Gott zu erzählen. Vielmehr versteht sie ihr Leben als Frage an sie: „Wäre es möglich, ein solches Leben zu führen, wenn Gott nicht existierte?“

Schwester Stanislawa, Schwester Maria und Schwester Lilia werden in verschiedene Klöster nach Polen gehen. Sie möchten sich nicht noch einmal in eine neue Sprache und Kultur einleben. Wahrscheinlich werden sich die fünf Schwestern in diesem Leben nicht mehr wiedersehen, denn Karmelitinnen reisen nicht. Schwester Victima ist bewusst, dass sie dieses endgültige Abschiednehmen mit vielen Migranten verbindet – in Hannover-Ost wie in Norwegen. „Ich weiß, dass wir alle zum Vater pilgern, auch wenn wir uns unterwegs nicht sehen“, sagt sie bestimmt.

Am 16. Dezember werden die Schwestern eine Ausnahme machen und ihr Kloster für einen Gottesdienst mit Bischof Norbert Trelle in der Pfarrkirche St. Martin verlassen. Bei der Gelegenheit wollen sie sich vom Bistum und der Gemeinde verabschieden. „Das hier war unsere Heimat“, sagt Schwester Victima. Sie ist Bischof Norbert Trelle dankbar dafür, dass er ein tiefes Verständnis für ihre Lebensweise gezeigt hat, in der das Gebet die Hauptrolle spielt. Das sei in Deutschland gar nicht so selbstverständlich, sagt sie augenzwinkernd: „Die Deutschen sind eigentlich sehr aktive Leute.“

Sonntag, 16. Dezember, 17 Uhr: Gottesdienst zum Abschied der Schwestern in der Pfarrkirche St. Martin, Nußriede 21, 30627 Hannover

Von: Annedore Beelte