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18. August 2020
Symbolischer Akt: Gesundheitsministerin Carola Reimann durchschneidet das rote Band. | Foto: Jörg Kyas / Vinzenzkrankenhaus

Symbolischer Akt: Gesundheitsministerin Carola Reimann durchschneidet das rote Band. | Foto: Jörg Kyas / Vinzenzkrankenhaus

Im Haus Katharina lebten bis November 2018 die letzten Vinzentinerinnen in Hannover. Jetzt wird das Gebäude nach Umbau als Geriatrie genutzt. | Foto: Jörg Kyas / Vinzenzkrankenhaus

Im Haus Katharina lebten bis November 2018 die letzten Vinzentinerinnen in Hannover. Jetzt wird das Gebäude nach Umbau als Geriatrie genutzt. | Foto: Jörg Kyas / Vinzenzkrankenhaus

Ein interdisziplinares Team wir die Patienten der neuen Geriatrie im Vinzenzkrankenhaus betreuen. | Foto: Roman Pawlowski / Vinzenzkrankenhaus

Ein interdisziplinares Team wir die Patienten der neuen Geriatrie im Vinzenzkrankenhaus betreuen. | Foto: Roman Pawlowski / Vinzenzkrankenhaus

Das Ziel: Selbständigkeit im Alter

Eine neue Geriatrie im Vinzenzkrankenhaus Hannover: 20 Betten, drei Therapieräume für hochbetagte Patienten. Klinikintern läuft die Altersmedizin unter dem Namen „Haus Katharina“. Ausdruck einer besonderen Geschichte und Verantwortung.

Zwei Bauprojekte in einem Jahr abschließen – das ist dem Vinzenzkrankenhaus in Hannover gelungen. Im Januar wurden neue Räume für die Radiologie und die Gastroenterologie eröffnet. Hausintern als „Bauabschnitt 3“ betitelt. Denn vor dem neuen Funktionstrakt mit Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) standen bereits zwei weitere Bauabschnitte: So wurde unter anderem ein medizinisches Aufnahmezentrum eingerichtet, in der die Kapazitäten des Hauses gebündelt werden. Auch die zentrale Notaufnahme wurde modernisiert.

Jetzt also Bauabschnitt vier: Mit 1,5 Millionen Euro Volumen, davon 500 000 Euro Fördermittel des Landes Niedersachsen, ein für ein Krankenhaus vergleichsweise kleines Vorhaben. Zum Vergleich: Die Investition für Radiologie und Gastroenterologie lag bei 22 Millionen Euro. Aber dieser Bauabschnitt vier hat für das Vinzenzkrankenhaus doch große symbolische Bedeutung, wie Geschäftsführer Karsten Bepler betont. Das Haus Katharina wird zur Geriatrie.

Hier lebten bis 2018 die letzten Vinzentinerinnen in Hannover. Das Krankenhaus, das den Namen des Ordensheiligen trägt, ist gewissermaßen ihr Werk. 1862 richten drei Ordensfrauen eine Krankenstation in Hannover ein. In zwei Jahrzehnten wird aus der kleinen Einrichtung ein Krankenhaus. Erst 1882 als Stift Maria Hilf und dann nach 1911 umbenannt in das St.-Josef-Stift, das zwischenzeitlich über 260 Betten zählte. 1971 noch ein Umzug und noch eine Umbenennung: in Vinzenzkrankenhaus – mit aktuell 345 Betten, sieben Fachabteilungen, über 40 000 stationären und ambulanten Behandlungsfällen im Jahr 2019. Dazu zählt seit 1994 auch das Hospiz Luise, das Sterbende und ihre Angehörigen begleitet. Erwachsen aus drei Schwestern und einer kleinen Krankenstation.

Im November 2018 dann die Zäsur: Aus Altersgründen müssen die Vinzentinerinnen ihren Konvent auflösen und ins Mutterhaus nach Hildesheim ziehen. Zuletzt lebten noch 22 Schwestern im Haus Katharina, die jüngste über 60, die älteste über 90 Jahre alt. Bis Ende der 1970er-Jahre lebten stets über 100 Schwestern in Hannover, bis Ende der 1990er-Jahre immerhin noch 60.

Wie aber den frei gewordenen Trakt nutzen? „Da lag eine Geriatrie nahe“, erläutert Bepler. Schließlich waren auch angesichts des Alters der Ordensfrauen die Zimmer entsprechend umgebaut – weitgehend barrierefrei mit eigener Dusche und Toilette.

Die neue Geriatrie zählt 20 Betten. Dazu kommen drei Therapieräume sowie Büros, um die notwendige Dokumentation der Maßnahmen zu leisten. Das Angebot richtet sich vor allem an hochbetagte Patientinnen und Patienten. Dabei ist der Blick aber nicht nur auf körperliche Erkrankungen oder Verschlechterungen eines chronischen Leidens ausgerichtet. Dem Team der neuen Geriatrie geht es um einen ganzheitlichen Ansatz. Das umfasst auch die geistigen, funktionellen und sozialen Anliegen der Patienten. Entsprechend interdisziplinär ist das Team: Neben Ärzten, geriatrisch ausgebildeten Pflegekräften zählen Physio- und Ergotherapeuten, eine Psychologin und Mitarbeiterinnen des Sozialdienstes dazu.

So aufgestellt verfolgt die Altersmedizin ein Ziel: „Wenn ältere Menschen schwer erkranken, verlieren sie häufig ihre Selbständigkeit und sind im Alltag auf Unterstützung angewiesen“, erläutert Alexei Cabanillas Diaz, der ärztliche Leiter der neuen Geriatrie. Seit April dieses Jahres hat er mit seinen Kollegen die Abteilung aufgebaut: „Damit sie wieder ihren Alltag eigenständig oder mit Unterstützung meistern können, wird in der neuen geriatrischen Abteilung individuell und interdisziplinär eine auf den Patienten abgestimmte Therapie umgesetzt.“

Doch zuvor wird feierlich eröffnet – mit einem Festakt, an dem auch Niedersachsens Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann teilnimmt. Für die Sozialdemokratin ist es wichtig, "dass der ältere Mensch im Hinblick auf seine individuelle, seine gesundheitliche und seine soziale Situation im Mittelpunkt steht und eine umfassende medizinische Behandlung bekommt."

Die neuen Räume werden von Hannovers Propst Christian Wirz gesegnet. "Am Alter kommt man nicht vorbei", sagt er. Da reiche schon der Blick in die eigene Familie: "Wir allen haben erlebt, wie unsere Eltern, die uns durch das leben geholfen haben, nun auf unsere Hilfe angewiesen sind." Das sei auch der tiefere Sinn des 4. Gebotes "Du sollst Vater und Mutter ehren". Da geht es nach den Worten von Wirz weniger um die Gefolgschaft der Kinder, sondern um die Verantwortung für die Eltern im Alter. "Das bedeutet ehren – und das beschreibt auch die Bedeutung einer Geriatrie, eies ortes, an dem alte Menschen umfassend Hilfe und Linderung finden."

Die baurbeiten am Vinzenzkrankenhaus werden aber noch weiter gehen. Nach diesem vierten wird noch ein fünfter Bauabschnitt anstehen. Errichtet wird ein neues Bettenhaus für Patienten – mit zwei-Bett-Zimmern und eigener Nasszelle. Denn auch hier haben sich die Standards und Erwartungen seit 1971 deutlich gewandelt. Hier wird das Gesamtvolumen bei voraussichtlich 41 Millionen Euro liegen. Zehn Millionen hat das Land Niedersachsen in Aussicht gestellt. Der Landtag muss allerdings noch zustimmen.

Von: Rüdiger Wala