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24. September 2020
Generalvikar Martin Wilk: „Unser Arbeitsrecht regelt Arbeitsverhältnisse, nicht Inhalte aus dem Katechismus.“ | Foto: Wala

Generalvikar Martin Wilk: „Unser Arbeitsrecht regelt Arbeitsverhältnisse, nicht Inhalte aus dem Katechismus.“ | Foto: Wala

Kerstin Bettels, Vorsitzende der der Diözesanen Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen (DiAG MAV): „Warum sind unsere Interessenvertretungen nicht beispielsweise am Caritasrat unserer Diözese beteiligt?“

Kerstin Bettels, Vorsitzende der der Diözesanen Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen (DiAG MAV): „Warum sind unsere Interessenvertretungen nicht beispielsweise am Caritasrat unserer Diözese beteiligt?“

Debatte um den Dritten Weg

Was ist das Besondere am kirchlichen Arbeitsrecht? Wo liegen die Defizite? Darüber haben kirchliche Mitarbeitervertreter*innen bei ihrer Delegiertenversammlung in Hannover mit Generalvikar Martin Wilk diskutiert.

Dritter Weg und Dienstgemeinschaft: Für Generalvikar Martin Wilk sind das Begriffe, „die zunächst etwas mit einer Haltung zu tun haben.“ Natürlich gebe es massive Anfragen an das kirchliche Arbeitsrecht. Das betreffe sowohl einzelne Regelungen wie die Frage der Loyalität als auch die Tatsache, dass die Kirche überhaupt eigene Rechtsverordnungen erlassen darf. 

Wilk wehrt sich gegen ein gängiges Missverständnis: „Unser Arbeitsrecht regelt Arbeitsverhältnisse, nicht Inhalte aus dem Katechismus.“ Dennoch gebe es einen Unterschied zu staatlichem Arbeits- und Tarifrecht: „Wir entwickeln unser Recht aus der Perspektive des Evangeliums.“

Die Kirche habe einen Sendungsauftrag, unterstreicht Wilk: „Als Christinnen und Christen wollen wir die Gesellschaft mitgestalten.“ Daher unterhalten die Kirche und die Caritas Einrichtungen, wie Schulen, Altenheime, Krankenhäuser, Kindertagesstätten und vieles mehr. „Das sind Orte an denen wir unseren Sendungsauftrag erfüllen“, betont der Generalvikar. Orientiert am Evangelium: „An Gerechtigkeit, Frieden und Solidarität."

Daraus folgt für Wilk: „Dienstgeber und Arbeitnehmer haben eine gemeinsame Loyalität zu diesem Sendungsauftrag.“ Loyalität dürfe nicht heißen, dass die eine Seite der anderen etwas vorschreiben: „Es ist die Grundhaltung des Miteinanders, dass unsere Dienstgemeinschaft begründet.“ Das müsse immer wieder auf Augenhöhe und durch neue Formen der Beteiligung ausgehandelt werden.

Zahlreiche Nachfragen schließen sich den Worten Wilks an. Wiederholt wird mangelnde Augenhöhe beklagt, immer wieder müssten Mitarbeitervertretungen (MAV) ihre Rechte gegenüber Dienstgebern durchsetzen. Das habe wenig mit Dienstgemeinschaft zu tun. Aber genau daran hänge der Dritte Weg der Kirchen. Wilk nimmt einen großen Zettel mit Kritik und Anregungen durch die MAVen mit.

Dazu zählt auch das stärkere Mitwirken von MAVen bei grundsätzlichen Entscheidungen des Dienstgebers. „Warum sind unsere Interessensvertretungen nicht beispielsweise am Caritasrat unserer Diözese beteiligt?“, fragt Kerstin Bettels, die Vorsitzende der Diözesanen Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen (DiAG MAV). Es sollte selbstverständlich sein, dass bei Entscheidungen von großer Tragweite die Kolleg*innen frühzeitig eingebunden werden.

Blickt Kerstin Bettels auf das Jahr seit der letzten Delegiertenversammlung der DiAG zurück, drängen zwei Probleme in den Vordergrund. Zum einen: „Die immer noch durch das Bistum vorgenommenen sachgrundlosen Befristungen bei Neueinstellungen – besonders im Jugendbereich.“ Bettels hält die Forderung der DiAG nach einem grundsätzlich Verzicht aufrecht: „Personalplanung mit Perspektive sieht anders aus.“

Mit Beginn der Corona-Pademie ist ein anderes Problem in den Vordergrund gerückt: die Kurzarbeit. „Bildungshäuser, die Katholische Erwachsenenbildung, Mutter-Kind-Einrichtungen, Caritasverbände, Kindertagesstätten waren betroffen; manchmal nur Abteilungen, manche Einrichtungen aber komplett.“ Kurzfristig mussten Dienstvereinbarungen getroffen werden, um Kurzarbeit zu ermöglichen. „Zum Teil wurden MAVen mächtig unter Druck gesetzt“, betont Bettels.  Unter Strich war es aber für die MAVen möglich, gute Ergebnisse mit einer deutlichen Aufstockung des Kurzarbeitergeldes zu erzielen.

 

Mehr zur Diözesanen Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen (DiAG MAV): KLICK

Von: Rüdiger Wala