Zum Inhalt springen
Impressum  Datenschutz

News anzeigen

05. März 2019
Maria hat ihren Platz in der Taufkapelle gefunden – sehr zur Freude von Christa Kuck-Meens und Jochen Meens, Christina Drewes, Wiesia und Lech Schröder sowie Stefan Rothland (von links). | Foto: Wala

Maria hat ihren Platz in der Taufkapelle gefunden – sehr zur Freude von Christa Kuck-Meens und Jochen Meens, Christina Drewes, Wiesia und Lech Schröder sowie Stefan Rothland (von links). | Foto: Wala

Die Maria ist noch da ...

Ein Kirchort ohne eigenes Gotteshaus: Geht das? 2016 wurde die Kirche Heilige Familie in Empelde profaniert. Die Gemeinde lebt weiter – jetzt in und mit der evangelischen Kirche.

Empelde im Januar 2016: Eine Prozession zieht durch den größten Ortsteil von Ronnenberg. Von der katholischen zur evangelischen Kirche. Mit einer Marienfigur an der Spitze, empfangen von den Klängen des Posaunenchores. Es ist ein trauriger Anlass. Denn die katholische Kirche Hl. Familie wurde profaniert. Im Folgejahr verschwindet sie durch Abriss ganz.

Aber die Prozession ist auch Zeichen eines Neubeginns. Denn die Katholiken Empeldes finden ein neues Zuhause in der lutherischen Johanneskirche. Als Gast, aber unter einem Dach.

„Beide Konfessionen unter einem Dach – das gab es schon mal hier“, berichtet Christina Drewes vom Vor-Ort-Team der Hl. Familie. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Empelde ein Flüchtlingslager eingerichtet – mit einer Lagerkirche, die beide Konfessionen nutzten. Dort stand schon die Marienstatue, mit der die Empelder Katholiken umgezogen sind. Maria ist immer noch da.

Später feierten die Empelder Katholiken die Heilige Messe im evangelischen Gotteshaus in Ronnenburg bis 1960 dann die Kirche Hl. Familie geweiht wurde – übrigens fast zeitgleich mit der Johanneskirche. „Daran knüpfen wir jetzt wieder an“, meint Chris­tina Drewes. Der Empfang war herzlich, die Gastfreundschaft der evangelischen Gemeinde groß, betont die 53-Jährige, die im Personalmanagement tätig ist.

Schmerz über Schließung ist noch spürbar

Trotzdem: Der Schmerz über die Kirchenschließung ist noch spürbar, kaum vernarbt. Die Zahl der Gottesdienstteilnehmer war konstant hoch, Gruppen aktiv, die Kirche für Beter tagsüber geöffnet. Trotzdem wurde profaniert. „Wir konnten aber viele Gottesdienstbesucher mit herüberziehen“, sagt Wiesia Schröder. Die 45-jährige Verkäuferin gehört ebenfalls zum Vor-Ort-Team. Die Uhrzeit ist gleich geblieben, nur der Ort hat sich verändert. Und der Aufwand, wie ihr Mann Lech ergänzt, der zum Küsterteam zählt.

Nachdem in den ersten Monaten ein einfacher Holztisch als Zelebrationsaltar vor dem Hochalter genutzt wurde, gibt es jetzt einen rollbaren Altar, berichtet der 50-jährige Paketzusteller. Unterschiedliche Traditionen zeigen  sich auch an anderer Stelle. Während die Katholiken einen elektronischen Liedanzeiger nutzen, bleiben die Protestanten bei einer Stecktafel. Der Blumenschmuck wird abgestimmt. „Einmal war er zu gelb – zu katholisch, zu viel Papst, hieß es“, berichtet Wiesia Schröder. Beim Weihrauch bleibt man grundsätzlich zurückhaltend: „Nur an hohen Feiertagen – und nicht zu viel davon“, sagt Lech Schröder. Und schnell muss es gehen. Um 9 Uhr ist Heilige Messe, um 10.30 Uhr evangelischer Gottesdienst.

Marienfigur in der Taufkapelle

„Das zeigt: Bei aller Gastfreundschaft und gutem Willen, beiden Seiten fiel das Eingewöhnen nicht leicht“, ergänzt Christa Kuck-Meens. „Das ist aber auch die große Chance, sich besser kennenzulernen“, meint die 54-jährige Chemikerin. Hinzu kommt: Die Auseinandersetzung mit dem, was vermeintlich „typisch evangelisch“ ist, schärft noch mal das Verständnis der eigenen Konfession: „Das ist nicht zu unterschätzen.“ Auch die Marienfigur hat einen neuen Platz gefunden: „In der Taufkapelle“, zeigt Stefan Rothland auf. Für den 48-jährigen Sozialarbeiter ein schönes Zeichen: „Es ist damit der Ort, der Protestanten und Katholiken besonders verbindet.“

Wie überhaupt die Verbindungen enger werden: Gruppenangebote werden gemeinsam genutzt, ein Gottesdienst im Monat wird ausdrücklich ökumenisch gefeiert, listet Rothland auf. Die diakonischen Aufgaben seien ohnehin von beiden Konfessionen getragen. Wie beispielsweise das „Diakolädchen“, in dem gut erhaltende Haushaltsgegenstände und anderes gegen eine Spende abgegeben werden. Der Überschuss fließt dann sozialen Projekten in Empelde zu.

Jetzt wollen die Katholiken selbst eine Gruppe neu gründen, für Interessierte von 30 bis 70 Jahren. „Gewissermaßen ein Angebot für unser Alter“, sagt Chris­ta Kuck-Meens. Mit Spielen, Basteln, Kegeln – und „allem anderen, zu dem man sich manchmal nur schwer aufraffen kann“, ergänzt Christina Drewes. Für sie auch ein Zeichen, dass es ein letzten Endes guter Weg war, der in Empelde gegangen wurde.

Von: Rüdiger Wala