Zum Inhalt springen
Impressum  Datenschutz

News anzeigen

17. Januar 2019
Der Propsteichor St. Clemens | Foto: Archiv

Der Propsteichor St. Clemens | Foto: Archiv

Regionalkantor Nico Miller

Regionalkantor Nico Miller

Die Oper in der Kirche

Zum Abschluss des Jubiläumsjahres der Basilika St. Clemens: Propsteichor, Domchor Hildesheim und das Orchester Sinfonietta führen das Oratorium "Paulus" von Mendelssohn Bartholdy auf (Samstag, 26. Januar um 19.30 Uhr). Was ist das Besondere am Werk und der Aufführung? Fragen an Regionalkantor Nico Miller, der die musikalische Leitung des Konzerts innehat.

Was ist das Besondere, das Charakteristische an einem Oratorium? Was macht diese Musikform für einen Chor, für ein Orchester so interessant?

Das Oratorium ist im Prinzip die Oper der Kirche, um es mal etwas frei zu interpretieren. Sie enthält viele dramatische Elemente. Nur die Szene, also das Schauspiel fehlt bei einer Oratorienaufführung. Die Musiker in Chor und Orchester können für die Zuhörer mittels der Musik eine Geschichte erzählen, die in den Rezitativen, also denen am Sprechen angelegten Gesang weitergeführt und in den großen Chören, Arien und Chorälen ausgedeutet wird.

Worum geht es bei Paulus? Was macht den Stoff aus? Die Geschichte des Apostels ist ja von mehreren Komponisten vertont worden, allein in zeitlicher Nähe zu Mendelssohn-Bartholdy von drei weiteren Komponisten.

Der Apostel Paulus ist eine zentrale Figur der frühen Christenheit. Sein Handeln verstehen wir auch noch in der heutigen Zeit. Die Wandlung vom Saulus zum Paulus wird ja in unserer Zeit auch als geflügeltes Wort für eine Abwendung vom Bösen und die Hinwendung zum Guten verstanden. Dies und die Hartnäckigkeit und Überzeugung des Paulus, seinen neu gewonnenen Glauben gegen zahlreiche Widerstände zu verteidigen, lassen ihn mir als großen und starken Menschen erscheinen.

Was ist nun das Einzigartige am Paulus-Oratorium von Mendelssohn Bartholdy? Warum dieses Werk zum Abschluss des Jubiläums der Basilika?

In der Kirchenmusikgeschichte gibt es gewisse Meilensteine, wie zum Beispiel das Weihnachtsoratorium oder die Passionen von Johann Sebastian Bach, die es als Evergreens bis in unsere Zeit geschafft haben. Der Paulus und auch das Oratorium Elias von Mendelssohn gehören beide sicher ebenfalls in diese Kategorie. Für mich ist es faszinierend zu sehen und zu hören, mit welch enormer kompositorischer Qualität Mendelssohn arbeitet – ohne dabei das Gefühl und die Emotion in der Musik zu vergessen. Der Paulus bietet einige wahre Gänsehautmomente. Noch ein weiterer Gedanke: Unser 300-jähriges Jubiläum der Basilika St. Clemens ist geprägt von vielfältigen interkulturellen Veranstaltungen. Dieses Oratorium passt ganz gut in diese Thematik, denn auch Paulus war interkulturell unterwegs. Unser Propst Martin Tenge hat im Vorwort für das Programmheft über Paulus geschrieben: „Er gilt als ‚Völkerapostel‘, der die Botschaft des Evangeliums nicht ortsbegrenzt verkündet, sondern in die ganze Welt getragen hat. Internationalität, Offenheit und Weite sind wichtige Charaktereigenschaften von St. Clemens.“

„Paulus“ scheint für Mendelssohn Bartholdy auch eine Art Auseinandersetzung mit der Konvertierung seiner Familie vom Judentum zum evangelischen Bekenntnis zu sein. Oder ist das zu weit hergeholt?

Die Konvertierung der Eltern Mendelssohns im Jahr 1822 zum protestantischen Glauben passierte zwar noch heimlich, führte jedoch auch bei dem jungen Felix zu einer stärkeren Beschäftigung mit dem christlichen Glauben. Dies zeigt sich nicht zuletzt darin, dass er mit dem Paulus einen neutestamentarischen Stoff vertont hat. Ob er selbst seine eigene Geschichte darin gesehen hat, kann ich nicht wirklich beurteilen. Ich denke, er war einfach fasziniert von dessen Persönlichkeit. Schließlich kam auch die Initiative zur Komposition nicht von Mendelssohn selbst, sondern er schrieb den Paulus als Auftragswerk des Frankfurter Cäcilien-Vereins.

Beim Konzert in der Basilika St. Clemens wirkt der Propsteichor zusammen mit dem Domchor und dem Orchester Sinfonietta zusammen, beide aus Hildesheim. Eine fruchtbare Zusammenarbeit?

Die Aufführung eines solchen Oratoriums gewinnt eindeutig durch den großen Gesamtchor. Es wird ja eine zweite Aufführung am 30. Juni im Hildesheimer Dom geben, sodass diese Zusammenarbeit für beide Chöre sehr fruchtbar ist. Der Propsteichor ist bei zwei Probentagen in Hildesheim ganz herzlich vom Domchor aufgenommen worden. Die Zusammenarbeit in der Vorbereitung, gerade auch mit meinem Kollegen Thomas Viezens, war sehr angenehm. Das Orchester werde ich leider erst am Tag der Generalprobe kennenlernen, aber da bin ich auch ganz guter Dinge.

Drei Gründe, warum man sich dieses Konzert am 26. Januar nicht entgehen lassen soll.

Gute Musik, gute Musik, gute Musik ;-)

 

Samstag, 26. Januar, 19:30 Uhr in der Basilika St. Clemens: Oratorium Paulus von Felix Mendelssohn Bartholdy mit dem Propsteichor, dem Domchor Hildesheim und dem Orchester Sinfonietta. Die musikalische Leitung hat Regionalkantor Nico Miller. Karten sind in der Propstei St. Clemens erhältlich (Platz an der Basilika 2, 30169 Hannover, Telefon: 0511.1640520, E-Mail: s.stermann(at)kath-kirche-hannover.de) erhältlich.

 

 

Von: Rüdiger Wala