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21. August 2020
Eine Hallenkirche mit markantem Glockenturm: St. Augustinus in Hannover-Ricklingen feiert 90 Jahre Kircheweihe. | Foto: Wala

Eine Hallenkirche mit markantem Glockenturm: St. Augustinus in Hannover-Ricklingen feiert 90 Jahre Kircheweihe. | Foto: Wala

Die zweimalige Kirche

90 Jahre St. Augustinus in Hannover-Ricklingen: ein Tanzsaal, zwei Gotteshäuser, drei Veranstaltungen, 45 Register und unendlich viel Geduld. Zahlenspiele für eine nicht ganz gewöhnliche Kirchengeschichte.

St. Augustinus in Hannover-Ricklingen wird 90 Jahre alt: im Rahmen einer Festwoche mit drei Veranstaltungen wird das Jubiläum gewürdigt. Den Auftakt macht am Montag, 31. August, ein Jubiläumsgottesdienst, den Pfarrer Thomas Berkefeld feiern wird. Beginn ist um 19 Uhr. So weit, so üblich.

Am Mittwoch, 2. September, wiederum um 19 Uhr wird Christian Weske einen umfassenden Einblick in die Geschichte von St. Augustinus geben. Wobei katholisches Leben im ehemals eigenständigen Ricklingen (1913 in die damalige Stadt Linden und mit dieser 1920 in die Stadt Hannover eingemeindet) durchaus weiter zurückreicht: Der erste Gottesdienst nach der Reformation wurde 1910 in einer Gaststätte gefeiert. Die Zahl der Katholiken war zuvor durch neu gegründete Fabriken und  Siedlungen für die Arbeiterfamilien größer geworden. So entwickeln sich viele Kirchengemeinden in den industriellen Ballungszentren im einstmals rein protestantischen Norden.

Erst Kapelle gemietet, dann Gasthaus gekauft

Für die Katholiken in Ricklingen geht eher ungewöhnlich weiter. 1921 wurde die Marienkapelle auf dem benachbarten, noch für die Landwirtschaft genutzten Gut Edelhof gemietet und für die Feier der Hl. Messe genutzt. Neun Jahre später würde mit dem „Ricklinger Turm“ ein Tanz- und Kinosaal erworben und zur Kirche umgebaut. Am 30. August wurde sie auf den Namen St. Augustinus geweiht.

Zur Kirche gehörte ein Wirtschaftshof, in dem ein Altenheim eingerichtet wurde. Dessen Leitung übernahm die Hildesheimer Kongregation der Vinzentinerinnen. Das Patronat des Heimes: St. Monika. In der Einrichtung werden heute noch 121 alte Menschen betreut. Zwischen 2006 und 2008 wurde anstelle der alten Gebäude ein modernes Pflegeheim gebaut.

Zurück zu St. Augustinus: Durch den Zustrom von Heimatvertriebenen, aber auch dem weiteren Zuzug von Industriearbeiterfamilien, hatte sich die Zahl der Katholiken in Ricklingen im Vergleich zu den 1930er-Jahren 20 Jahre später verdreifacht. 1950 wurde eine Niederlassung der Salesianer gegründet, vier Jahre später fiel der Entschluss zum Neubau einer Kirche. Die „alte“ St.-Augustinus-Kirche war zu klein geworden und lag zudem auch verkehrsungünstig. Der Leitgedanke: Ein Gotteshaus gehört mitten in den Stadtteil – und damit auch an die Hauptstraße.

Neue Kirche an der Hauptstraße

Nach Plänen des Hannoverschen Architekten Rudolf Simon wurde 1954/55 an der zentralen Göttinger Chaussee eine moderne Hallenkirche errichtet. Der damalige Generalvikar Wilhelm Offenstein weihte sie am 6. November 1955  wiederum auf den Namen St. Augustinus. Die alte Kirche gleichen Namens wurde – nahe des Altenheims – in St. Monika umbenannt.

Doch mit dem Kirchbau allein sollte es nicht gewesen sein. Einhellige Meinung in der Pfarrei: Eine Kirche braucht einen Turm. Als deutliches Zeichen, gerade in der Großstadt. Es begannen Jahre des Sammelns und der Geduld: Zunächst entstand über ein Jahrzehnt später der Turm. Nur als Wahrzeichen, denn noch länger sollte bis zu ersten Glockenschlag dauern. Die vier Glocken wurden am 6. November 1983 geweiht und waren erstmals am Heiligen Abend des gleichen Jahres im Stadtteil zu hören.

1991 wurde wiederum in St. Augustinus geweiht – die von der Firma Lobback gebaute Orgel mit ihren drei Manualen und 45 Registern. Sie steht im Mittelpunkt der dritten Veranstaltung in der Festwoche. Am Freitag, 4. September, beschließt um 19 Uhr eine feierliche Orgelvesper die Reihe.

Der Stuttgarter Dekanatskantor  Alexander Kuhlo wird unter anderem Werke von Bach und Reger sowie eine eigene Komposition spielen. Liturgisch wird die von Pastor Christoph Müller und von Winfried Dahn, Leiter der Reihe „Musik in St. Augustinus“, rezitativ gestaltet.

 

Die Übersicht:

Montag, 31. August, 19 Uhr:  Jubiläumsgottesdienst

Mittwoch, 2. September, 19 Uhr: Festvortrag von Christian Weske zur Geschichte von St. Augustinus, umrahmt mit Orgelmusik von Winfried Dahn

Freitag, 4. September, 19 Uhr: Liturgischer Vesper-Gottesdienst mit Kantor Alexander Kuhlo, Pastor Christoph Müller und Winfried Dahn. 

Hinweis: Entsprechend der Infektionsschutzbestimmungen können bis zu 80 Personen nach entsprechender Anmeldung an den Veranstaltungen teilnehmen.

Anmeldungen für alle drei Veranstaltungen im Pfarrbüro unter Telefon: 0511/123 59 53 0, unter www.sankt-augustinus-hannover.de oder per E-Mail: buero.ricklingen(at)sankt-augustinus-hannover.de Die Adresse: St. Augustinus, Göttinger Chaussee 145, 30459 Hannover.

Von: Rüdiger Wala