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09. September 2018
Eigenwillig – so zeigt sich die Kirche St. Adalbert, die vor 60 Jahren geweiht wurde. | Foto: Gerd Fahrenhorst

Eigenwillig – so zeigt sich die Kirche St. Adalbert, die vor 60 Jahren geweiht wurde. | Foto: Gerd Fahrenhorst

Eine eigenwillige Schönheit

Schwungvoll, oval: Die Kirche St. Adalbert in Hannover-Herrenhausen ist nicht nur wegen des Patrons einmalig – und das seit 60 Jahren.

„Moderner Bau“ und „Beton“ – in Kombination mit „Kirche“ ruft das häufig eine vorschnelle Reaktion hervor: Das kann nur hässlich sein. Zwar konnte die Kirche St. Adalbert in Hannover-Herrenhausen nun zum 60. Mal Weihetag feiern – erbaut zwischen 1956 und 1958 gilt sie architektonisch immer noch als modern. Auch am Baumaterial, eben Beton, hat sich nichts geändert.

Doch unansehnlich ist das vom Hannoveraner Architekten Paul Wolters konzipierte Gottes­haus nun wahrlich nicht. Oval und schwungvoll erdacht, zeigt sich St. Adalbert als durchaus eigenwillige Schönheit. Die Kirche hat Bedeutung – das meint das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege und hat sie 1997 in das Verzeichnis der Bau- und Kunstdenkmale des Landes aufgenommen. Nicht zuletzt deshalb hatte der Gemeindeausschuss von St. Adalbert das Kirch­weihfest etwas verschoben. Eigentlich war die Konsekration des Gotteshauses 1958 durch Bischof Heinrich Maria Janssen am 24. Mai erfolgt. Doch war es den Engagierten von St. Adalbert wichtig, ihr Fest am Tag des offenen Denkmals zu feiern.

Die Eigenwilligkeit der Kirche zeigt sich auch gleich am Eingang. In die Leitwand links des Portales ist eine Säule eingelassen. Alt, verwittert. Sie stammt aus der Vierung des Mariendomes zu Hildesheim, der vor 60 Jahren nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg noch im Wiederaufbau war. Die Inschrift: „HIC DOMUS DEI EST ET PORTA CAELI“ („Dieses ist das Haus Gottes und die Pforte des Himmels“).

Über dem Portal finden sich Bildnisse des heiligen Erzbischofs Adalbert und der heiligen Hedwig – die zweite Kirchpatronin. Eine Kirche unter dem Schutz des 997 erschlagenen und  999 heilig gesprochenen Bischofs von Prag ist einmalig im Bistum Hildesheim. Das Patronat verweist darauf, dass es nicht erst seit dem Bau dieser Kirche katholisches Leben in Herrenhausen gab. Die Entwicklung einer katholischen Gemeinde geht bereits auf den 1907 gegründeten Volksverein zurück. Damals gehörte Herrenhausen noch nicht zu Hannover. Seit 1917 wurden Sonntag für Sonntag Gottesdienste im Lokal „Kristallpalast“ gefeiert.

Noch einmal zehn Jahre später, 1927, erwarb der Gesamtverband der katholischen Kirchengemeinden in Hannover ein bereits bebautes Grundstück – mit Wohnhaus, Gastwirtschaft und Tanzsaal. Der Tanzsaal wurde zum Gottesdienstraum umgestaltet und dem hl. Adalbert geweiht. Das Patronat gilt auch als Ehrung von Pfarrer Adalbert Gerhardy. Der Pfarrer von St. Maria in der Nordstadt von Hannover hatte die Katholiken in Herrenhausen von 1890 bis 1917 betreut. 2006 hat sich hier ein Kreis geschlossen: Seit diesem Jahr gehört St. Adalbert zur Pfarrei St. Maria.

Von: Rüdiger Wala