Zum Inhalt springen
Impressum  Datenschutz

News anzeigen

09. Dezember 2018
Winfried Gburek (v.li.), Bischof Dr. Franjo Komarica und Dr. Christian Wulff, Bundespräsident a.D. | Foto: privat

Winfried Gburek (v.li.), Bischof Dr. Franjo Komarica und Dr. Christian Wulff, Bundespräsident a.D. | Foto: privat

Einsatz für die Menschen in Bosnien und Herzegowina

Zu einem Gespräch in Berlin mit dem Bundespräsidenten a.D. Dr. Christian Wulff, trafen sich der Wunstorfer Winfried Gburek und Bischof Dr. Franjo Komarica, Bistum Banja Luka, Bosnien und Herzegowina, zu dem die Wunstorfer St. Bonifatius-Pfarrgemeinde partnerschaftliche Beziehungen pflegt. Anlass zum Gespräch gaben die zunehmend prekären sozialen, gesellschaftlichen sowie politischen und rechtswidrigen Zustände innerhalb des Landes Bosnien und Herzegowina.

Wulff, von 2010 bis 2012 Bundespräsident, ließ sich ausführlich über die aktuelle Situation des Balkanlandes durch die Gesprächspartner informieren. Gburek engagiert sich seit 13 Jahren für dieses Land und kennt es durch vielfältige Recherchen und zahlreiche Aufenthalte sehr genau.

Mit Blick auf das aktuelle Engagement der Europäischen Union sowie der Bundesregierung für das Balkanland, führte das Gespräch zu konkreten Detailfragen, die den dortigen, oftmals von der Politik auseinanderdividierten ethnischen Gruppen eine wirtschaftliche und friedliche Zukunft im Land geben könnten. Bischof Komarica und Winfried Gburek erläuterten mit konkreten Beispielen die anhaltende ethnische Säuberung im Land, unter der insbesondere die Kroaten leiden. So erhielten die „Schulen für Europa“, die durch die Katholische Kirche im Land mit Spendengeldern deutscher Hilfswerke aufgebaut wurden, seitens der Politik nicht die vereinbarte und gesetzlich geregelte Mitfinanzierung, „obwohl es für die Schüler keine staatlichen Alternativen für diese Schulen gibt“, so Komarica. Jeder Versuch des gezielten Aufbaus seitens der Kirche, „zum Beispiel zur Schaffung von Arbeitsplätzen, werden systematisch behindert und unterdrückt. Rückkehrwillige Flüchtlinge werden bei Antragstellung mit Strafe belegt“.

Inzwischen verlassen jährlich über 150.000 Menschen Bosnien und Herzegowina, da sie keine Zukunft in ihrer Heimat sehen. Die Tendenz ist steigend. Der zunehmende „Ausverkauf des Landes“ an die Großmächte Saudi-Arabien, China, die Türkei und Russland durch die oft korrupten Politiker, sowie die deutliche Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit, „fördert die Entscheidungen ganzer Familien, das Land zu verlassen“, so Gburek. „Geradezu bedrohlich für die Menschen sind die politischen Strömungen innerhalb des Landes, die eine erneute gewaltsame und unter Umständen auch kriegerische Spaltung des Landes nicht ausschließen können.“

Gburek, der dieses Gespräch organisierte, machte aufgrund seiner persönlichen Kenntnisse vor Ort gegenüber Wulff deutlich, dass es ohne ein überzeugendes und verbindliches Auftreten der westlichen Regierungen und europäischen Finanzförderstellen keine positive Entwicklung geben wird. „Die westliche Welt scheint sich weiterhin auf dem Vertrag von Dayton auszuruhen, der allerdings bereits bei Unterzeichnung für die aktuellen Missstände heute mitverantwortlich war“, so Gburek. Wulff stellte seinerseits fest, dass durch die vielen Konflikte und kriegerischen Handlungen in der Welt, die Situation auf dem Balkan und somit besonders in Bosnien und Herzegowina, ins Hintertreffen der Tagespolitik geraten ist. Wulff sagte zu, die eingebrachten Themen des Gesprächs aktiv an entsprechenden Schaltstellen zu begleiten, wozu auch ein erneutes Gespräch im Verlauf der Bemühungen stehen könne.

Von: pkh