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20. Dezember 2016
Egal ob wenige Zentimeter oder mehrere Meter groß: Die Krakauer Weihnachtskrippen müssen bis ins kleinste Detail liebevoll gestaltet sein. © privat

Egal ob wenige Zentimeter oder mehrere Meter groß: Die Krakauer Weihnachtskrippen müssen bis ins kleinste Detail liebevoll gestaltet sein. © privat

Die Tradition der Krakauer Weihnachtskrippen lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. © privat

Die Tradition der Krakauer Weihnachtskrippen lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. © privat

Selbst um nur eine kleine Krakauer Weihnachtskrippe herzustellen, müssen in einem ersten Schritt viele Pralinen der Krakauer Schokoladenfabrik Wawel gegessen werden. Denn nur mit deren farbiger Verpackung lassen sich die Krippen bekleben. © Kleine

Selbst um nur eine kleine Krakauer Weihnachtskrippe herzustellen, müssen in einem ersten Schritt viele Pralinen der Krakauer Schokoladenfabrik Wawel gegessen werden. Denn nur mit deren farbiger Verpackung lassen sich die Krippen bekleben. © Kleine

Empfindliche Kunstwerke

In der Kirche St. Hubertus in Wennigsen wird nach den Weihnachtsfeiertagen eine außergewöhnliche Sammlung von Kraukauer Weihnachtskrippen zu sehen sein. Zur Verfügung gestellt hat die Sammlung das Ehepaar Dutka.

„Vorsichtig, nicht anfassen“, warnt Wanda Kordylewska- Dutka noch schnell, bevor sie eine Krakauer Weihnachtskrippe auf den Tisch stellt. Wenige Zentimeter ist die Krippe groß, ein Gebäude mit zahlreichen Türmchen, Fähnchen und Fenstern. Farbenfroh und prächtig schimmert sie in gold, rot und grün. „Diese Krippe ist sehr empfindlich. Sie ist mit einer Pinzette gebaut und beklebt worden“, erklärt die Krippensammlerin. „Im Inneren befindet sich ein Gerüst aus Pappe.“ Jede Berührung würde die Krippe sofort beschädigen – und für die leidenschaftliche Krippensammlerin und ihren Mann Jacek Dutka viele Stunden Reparatur bedeuten. Es sind kleine Kunstwerke, die die beiden seit 1994 sammeln. Wie viele Krippen die beiden aus aller Welt mittlerweile besitzen, wissen sie nicht genau. Es müssen rund 500 sein. Darunter auch viele Krakauer Weihnachtskrippen, eine polnische Tradition, die die beiden aus ihrer Heimatstadt Krakau kennen.

„Die Krakauer Weihnachtskrippen zeigen architektonische Variationen von echten Gebäuden in Krakau“, erklärt Frau Dutka. „Es geht darum, von der künstlerischen Freiheit Gebrauch zu machen und die Realität mit der Fantasie zu vermischen.“ Die Tradition der Krippen in Krakau geht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Die Krippen, die bis zu drei Meter groß sein können, wurden von Handwerker in den Wintermonaten gefertigt und in Umzügen durch die Stadt getragen und verkauft. Später wurde es Tradition, dass die Krippen mit dem bunten Papier der Pralinen der Schokoladenfabrik Wawel aus Krakau beklebt wurden. Auch viele Privathaushalte begannen Krippen zu bauen. Das Figurenensemble, das vor den Krippen oder auf den Türmen der Krippen steht, umfasst neben den klassischen Figuren der Weihnachtsgeschichte auch wichtige historische Persönlichkeiten aus Politik und Religion. Seit Anfang des 20. Jahrhundert veranstaltet das Historische Museum in Krakau eine jährliche Preisausschreibung und erweitert so seine eigene Sammlung von Krakauer Weihnachtskrippen. Frau Dutka würde auch gerne einmal an dem Wettbewerb teilnehmen. „Aber das schaffe ich nicht mehr in diesem Leben“, scherzt sie. Denn um eine Krippe herzustellen, müssen Wochen und Monate an Arbeit investiert werden. Und Dutkas, die drei Kinder und fünf Enkel haben, sind schon mit den Reparaturen an den Krippen ihrer Sammlung ausgelastet. „Um eine Krakauer Weihnachtskrippe zu bauen, braucht man im Prinzip ein großes Zimmer als Atelier. Denn von den Pralinenverpackungen können ja immer nur bestimmte farbige Teile verwendet werden“, sagt Frau Dutka.

Angefangen hat die Sammelleidenschaft der beiden 1994 mit einem jährlich organisierten Adventsmarkt auf der Burg Ludwigstein zugunsten eines internationalen Folklorefestivals, den das Ehepaar mitorganisierte. Herr Dutka, der als Opernsänger in Detmold und Hannover Engagements hatte, unterstützte mit Frau und Kindern den Markt. Frau Dutka, die schon seit ihrer Jugend gerne sammelte, verliebte sich in die Krippen. Eine Sammlung entstand und das Ehepaar begann, erste Ausstellungen zu organisieren. „Wenn wir alle unsere Krippen aufstellen würden, bräuchten wir rund 300 Quadratmeter Fläche“, sagt Frau Dutka. „Wir lagern die Krippen derzeit bei uns in der Wohnung, bei Bekannten und bei unseren Kindern, weil es schwierig ist, passende Lagerräume zu bekommen.“ Jede Ausstellung ist eine logistische Herausforderung, da die empfindlichen Krippen nur mit äußerste Vorsicht transportiert und aufgebaut werden können. Die ganze Familie hilft dann mit – bis tief in die Nacht. „Wir sind alle Nachtmenschen – zum Glück“, sagt Frau Dutka. Sie ist etwas stärker mit der Krippenleidenschaft infiziert als ihr Mann Jacek. „Ich als Mann sehe die Sache eher nüchtern. Aber wir sind schon eine verrückte Familie“, sagt er. Das Ehepaar kam Ende der siebziger Anfang der achtziger Jahre nach Deutschland. Herr Dutka ist mittlerweile pensioniert und leitet seit Jahren den Deisterchor, einen traditionsreichen Männerchor in der Region. Über dieses Engagement des Opernsängers kam die Verbindung zu der Kirchengemeinde St. Hubertus in Wennigsen zustande, in der nach Weihnachten zwischen 40 und 50 Krakauer Weihnachtskrippen ausgestellt werden. Von den Miniatur- Modellen bis hin zu Krippen, die fast einen Meter groß sind, werden Krippen der vergangenen 50 Jahre gezeigt werden. „Aufgrund der Räumlichkeiten werden wir jede Stunde Führungen für bis zu 25 Personen anbieten“, sagt Frau Dutka. Sonst sei die Gefahr zu groß, dass eine der kostbaren Krippen zu Schaden komme. „Und ich kann auch mehr erklären und die Besucher verstehen besser, was das Besondere an den Exponaten ist.“ Auch ein kleines Krippen- Atelier werden die beiden studierten Musikkünstler dann aufbauen.

 

Die Ausstellung der Krakauer Weihnachtskrippen beginnt am Donnerstag, 29. Dezember, mit einem Konzert des Deisterchors MGV Wennigsen um 16 Uhr in St. Hubertus (Wehweg 1, Wennigsen). Ab dann finden in der Zeit von 10 bis 17 Uhr jeweils zur vollen Stunde (außer um 13 und 14 Uhr) Führungen durch die Ausstellung statt. Weitere Termine können unter der  Telefonnummer 0172- 5326100 abgesprochen werden. Am Sonntag, 8. Januar, sind die Krippen das letzte Mal zu sehen. Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten.

Von: Marie Kleine