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12. Dezember 2016
Barbara Bunk (l.) und Jutta Johannwerner sitzen bei Tee und Kaffee im ka:punkt zusammen. Auf der anderen Seite der Glasscheibe herrscht auf dem Weihnachtsmarkt reges Treiben. © pkh

Barbara Bunk (l.) und Jutta Johannwerner sitzen bei Tee und Kaffee im ka:punkt zusammen. Auf der anderen Seite der Glasscheibe herrscht auf dem Weihnachtsmarkt reges Treiben. © pkh

Spirituelle Angebote wie dieses Labyrinth aus Lichttüten im ka:punkt in der Adventszeit sollen zeigen: Es geht bei der Vorbereitung auf Weihnachten um mehr als nur Geschenke und Christbaum. © privat/ Karolczak

Spirituelle Angebote wie dieses Labyrinth aus Lichttüten im ka:punkt in der Adventszeit sollen zeigen: Es geht bei der Vorbereitung auf Weihnachten um mehr als nur Geschenke und Christbaum. © privat/ Karolczak

Im Besucherbuch zum Spirituellen Labyrinth haben sich viele der fast 200 Besucher des Labyrinthes eingetragen. © privat/ Karolczak

Im Besucherbuch zum Spirituellen Labyrinth haben sich viele der fast 200 Besucher des Labyrinthes eingetragen. © privat/ Karolczak

„Es ist nicht schön, allein zu sein“

Wenn die Christbäume ihren Einzug in deutsche Wohnzimmer halten und in den Familien Plätzchen gebacken und Geschenke verpackt werden, wird einigen Menschen bewusst: Ich werde dieses Jahr Weihnachten (wieder) alleine sein. Gut, dass es für sie Anlaufstellen wie den ka:punkt in Hannover gibt.

Barbara Bunk hat eine harte Zeit hinter sich. Sie ist verwitwet. Lange Zeit fühlte sie sich einsam. „Es ist nicht schön, immer allein zu sein“, sagt sie und nippt an ihrem Tee. Sie sitzt im ka:punkt in der Grupenstraße 8, der Außenstelle der katholischen Kirche in der City von Hannover. Im großen Forum, das der ka:punkt mit der Unterstützung von haupt- und ehrenamtlichen Personal als Café ganzjährig betreibt, hat sie es sich gemütlich gemacht. Direkt an den Schaufenstern, die den ka:punkt mit der Fußgängerzone verbinden, sitzt sie an einem Tresen und schaut nach draußen. Auf der anderen Seite der Glasscheibe bieten Schausteller auf dem Hannoveraner Weihnachtsmarkt ihre Produkte an. Es ist kalt und regnerisch. Im Hintergrund dudeln vom Karussell an der Marktkirche her die Lieder „Kling, Glöckchen, klingelingeling“, „Jingle Bells“ und „Feliz Navidad“ in Endlosschleife. „Mein neuer Lebensgefährte hat mich hier in den ka:punkt mitgenommen“, sagt Frau Bunk. „Ist toll hier.“

Jutta Johannwerner, die Chefin vom ka:punkt, freut sich. Es sind Menschen wie Barbara Bunk, die in der Advents- und Weihnachtszeit besonders häufig den ka:punkt ansteuern. Menschen, die alleine sind. Menschen, die gerade erst einen geliebten Menschen verloren haben und überhaupt nicht wissen, wohin sie in der ersten Weihnachts- und Adventszeit ohne den Partner mit sich sollen. „Wir holen Menschen gerade im Advent und zu Weihnachten bei Ihrer Sehnsucht ab. Sie suchen einen Ort, wo die Sehnsucht nach einer berührenden Zeit eine Antwort findet“, sagt sie. „Wir wollen einen bewussten Gegenpol zu dem Gewusel und Gewimmel da draußen setzen. Hinter der Schaufensterscheibe soll es die Möglichkeit zur Besinnlichkeit und Konzentration auf die Kernbotschaften von Weihnachten geben.“

Am wichtigsten sei für die Menschen dabei die Möglichkeit, im Forum, dem Herz des ka:punkts, ins Gespräch zu kommen. „Für viele ist das auch eine Art Testraum, um zu schauen, ob die Atmosphäre des Hauses ihnen zusagt. Manch einer entscheidet sich dann, auch eine der Beratungseinrichtungen von der Caritas oder die Ehe- und Lebensberatung des Bistums in Anspruch zu nehmen.“ Andere wiederum würden danach die spirituellen Angebote des ka:punkts für sich entdecken. „Zum Beispiel das offene Singen im Advent, das immer mittwochs in der Adventszeit ab 16:30 Uhr bei uns stattfindet. Da kommt ein kleiner Stamm an festen Sängern und dann kommen ganz viele Zufallsgäste“, sagt Frau Johannwerner. „Reinkommen, mitsingen und dann glücklich und zufrieden nach Hause gehen – das suchen die Menschen übrigens ganz unabhängig vom Alter bei uns.“

Ein besonderes Angebot in diesem Jahr war ein spirituelles Labyrinth, das am ersten Dezemberwochenende im ka:punkt aufgebaut worden war und rund 200 Besucher anlockte. Sie setzten sich im Labyrinth mit den Fragen nach ihren eigenen Wurzeln auseinander. Und auch mit der Frage, ob sie selbst nicht auch anderen Menschen in ihrem Leben geholfen haben, Wurzeln auszubilden. Für die, die ihnen Wurzeln gegeben haben, konnten die Besucher Lichttüten beschriften. Sehr berührende Texte zu der Aktion enthält das extra dafür angefertigte Besucherbuch.

„Sehr beliebt ist auch jedes Jahr der Lichtpunkt, die gemeinsame Feier zu Heiligabend“, erzählt Frau Johannwerner. „Da kommen jedes Jahr rund 60 Personen zusammen, um die Weihnachtsgeschichte zu hören, Lieder zu singen und miteinander zu essen. Jetzt nicht alleine sein – das ist einfach das Bedürfnis der Menschen.“

 

 

 

Falls auch Sie zu Heiligabend alleine sind, können Sie ab 18 Uhr ohne Anmeldung in den ka:punkt in der Grupenstraße 8 in Hannover kommen. Es wird die Weihnachtsgeschichte vorgelesen, gemeinsam gesungen, gegessen und getrunken. Der Abschluss der Feier bildet eine Andacht um 20 Uhr. Auch viele Gemeinden vor Ort bieten Angebote zu Heiligaben für die, die zu Weihnachten alleine sind. Fragen Sie am besten vor Ort bei Ihrer Gemeinde an.

Von: Marie Kleine