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07. März 2019
Osterhasen mit Botschaft – kleine Schritte, um die Welt zu verbessern.

Osterhasen mit Botschaft – kleine Schritte, um die Welt zu verbessern.

Nicht maulen, was machen: Danielle Sommerfeld gehört zu den Engagierten bei der "Osterhasen-Demo"

Nicht maulen, was machen: Danielle Sommerfeld gehört zu den Engagierten bei der "Osterhasen-Demo"

Suchen und finden: Gezielt schauen Passantinnen, welche Botschaft zu ihrem Vorsatz passt | Fotos: Wala

Suchen und finden: Gezielt schauen Passantinnen, welche Botschaft zu ihrem Vorsatz passt | Fotos: Wala

"Fang schon mal an ..."

Was machen 1000 Osterhasen in der Fußgängerzone von Hannover? Sie laden ein – zum Lachen, zum Stutzen, zum Nachdenken und zum Weltverbessern. Eine Aktion des [ka:punkt] und der Jungen Caritas

Danielle Sommerfeld hat ein Problem. Die 31-jährige Mitarbeiterin der Jungen Caritas möchte einer jungen Japanerin und zwei Japanern die Anwesenheit von 1000 Schoko-Osterhasen in der Hannoverschen Fußgängerzone erklären. Botschaften tragen die Hasen auch noch. Englisch ist zwar eine Weltsprache, aber ist Aschermittwoch wirklich mit „Ash Wednesday“ richtig übersetzt? Und was heißt „Fastenzeit“ auf Englisch.

Danielle Sommerfeld weiß sich zu helfen, mit „forty special days“, 40 besonderen Tagen in Vorbereitung auf das Osterfest. Das verstehen auch die drei Gäste aus Fernost – und nehmen einen Osterhasen mit.

„Einen Moment innehalten – genau das ist das Ziel unserer Aktion“, sagt Ulrike Langer. Sie ist Gemeindereferentin im [ka:punkt], dem Treffpunkt und Beratungszentrum der katholischen Kirche in der Innenstadt von Hannover, der den „Osterhasen-Flashmob“ zusammen mit der Jungen Caritas durchführt. Für Ulrike Langer geht es darum, dass durch diesen Moment der Ruhe in der Hektik Menschen ihre Beziehung zu Gott ins Reine bringen können.


Fastenzeit bedeute nicht unbedingt Verzicht auf Süßes oder andere Dinge: „Fasten hat etwas mit Besinnung und Umkehr zu tun, mit Veränderung“, betont Ulrike Langer und erklärt so auch die Idee hinter der Aktion: „Bis Ostern die Welt zu verbessern, mit kleinen machbaren Schritten.“ Was machbar sein kann, ist als Anregung auf den an den Osterhasen befestigten Zetteln notiert.

Kommt die Aktion bei Passanten an? Frank Wörsinger zum Beispiel hat sich „Gönn dir offline“ ausgesucht. Bewusst, sagt der 45-Jährige: „Ja, ich bin relativ häufig online und im Internet unterwegs.“ Daher sei der Osterhase mit der Botschaft ein Vorsatz, den er in den sieben Wochen bis Ostern auch umsetzen möchte.Die Idee, 1000 Osterhasen in der Fußgängerzone zum Mitnehmen aufzustellen, findet er „echt witzig“. Aber auch etwas paradox: „Eigentlich lädt diese Aktion ja gerade zum Fastenbrechen ein.“ Habe nicht Papst Pius V. im Jahr 1569 verfügt, dass Schokolade eine Fastenspeise sei – zumindest als ungesüßter Trank ...

„Lobe dein Kind“ – diese Botschaft hat sich Elena Arndt ausgesucht: „Weil meine Tochter mich gleich besucht. Wiederum ein echter Vorsatz: „Man lobt doch viel zu selten das Gute im Leben.“

Für Irmgard Klingspohn geht es auf das Zweirad. Denn ihr Osterhase ziert die Botschaft: „Nimm mal das Rad oder die Bahn.“ Genau das hat sie sich vorgenommen: „Jetzt nach dem Winter geht es wieder los.“ Sie hätte nicht gedacht, dass hinter der Aktion ausgerechnet die katholische Kirche stecke: „Das ist wirklich überraschend – schon eine gute Sache, mal zum Nachdenken angeregt zu werden.“

das sagen auch Klaudia und Iris. Zwei Freundinnen, die an dieser Stelle auf ihre Nachnamen verzichten möchten. „Sag mal Danke“ steht auf dem Hasen von Klaudia. Eine Botschaft mit Zaunpfahl: „Mein Sohn kommt später. Vielleicht regt es ihn dazu an“, sagt Klaudia und lächelt. Nicht, dass ihr Sohn undankbar wäre: „Nein das keinesfalls, aber es ist ein Wort, das immer wieder guttut – und ich werde mich auch daran halten.“

Iris dagegen pickt einen Hasen mit einer klaren Ansage heraus: „Miste mal aus – und genau das werde ich machen.“ Schon allein dieser Anstoß sei es, der für sie diese Aktion zu einer guten Sache mache: „Super – ein Lob an die Kirche. Das muss man mal sagen.“

Für Danielle Sommerfeld von der Jungen Caritas hat die Aktion, an der gut 30 Mitwirkende beteiligt waren, mehr als gelohnt: „Ganz viele Passanten haben sich hier hingestellt, haben gefragt von wem das?“ Für manche war es eine kleine Erinnerung, dass Aschermittwoch sei und die Fastenzeit beginne. Für andere war die Idee ab heute für 40 Tage die Welt zu verbessern „erst eine Nummer zu groß.“ Doch mit Blick auf die Botschaften, auf die dann eher machbaren Vorsätze, seien sie zuversichtlicher geworden: „Kleine Schritte als Anfang, genau dafür wollen wir ja werben.“ Pöbeleien sind ausgeblieben: „Nur die Polizei hat nachgefragt, ob die Aktion angemeldet ist“, berichtet Danielle Sommerfeld und lacht.

Der Osterhasen-Demo ging ein ökumenischer Gottesdienst voraus, den Ulrike Langer gemeinsam mit der evangelischen Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann im Freien feierte. Mit einem Kreuz aus Asche auf Stirn oder Hand durften sich Besucher und Passanten nach christlicher Tradition segnen lassen – auch an mehreren Stationen in der Fußgängerzone.

Bleibt noch eine Frage offen: Was heißt denn nun Fastenzeit auf Englisch? Die Übersetzung ist kurz: „Lent“.

Von: Rüdiger Wala