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04. Dezember 2017

Friedlicher und deutlicher Protest gegen den Bundesparteitag der AfD am vergangenen Wochenende in Hannover:

Mehrere Tausend Menschen haben sich auf dem Georgsplatz versammelt. Ihr Motto: „Bunt und solidarisch“. Unter ihnen Propst Martin Tenge. In einer Rede vor den Teilnehmern der Demonstration verurteilt Tenge das Menschenbild der Partei. Das Bild, dass die AfD von Menschen zeichne sei ausgrenzend und zum Teil unmenschlich: „Das kann ich nicht akzeptieren.“

Jeder Mensch sei gewollt, einmalig, wertvoll und würdevoll – gleich welche Abstammung er hat, welches Geschlecht er hat, welcher Religion er angehört oder welche Nationalität er hat. Das sei das Menschenbild, dass sich im Grundgesetz widerspiegelt und von dem Kirchen wie Gesellschaft ausgehen: „ Gleich ob arm oder reich, ob der deutschen Sprache mächtig oder nicht, ob hier geboren oder hierher geflüchtet, ob er alles richtig macht oder vieles falsch macht: jeder Mensch ist würdevoll!“ Hannover zeige in seiner Einwohnerstruktur und in seiner Mentalität, „dass wir eine bunte, lebendige und kulturell reiche Stadt sind“. Scharf weist Tenge die Behauptung der AfD zurück, dass die Vielfalt von Menschen der deutschen Identität schade und deshalb nur ein sehr begrenztes Maß an Fremden geduldet werden dürfe: „Das lehnen wir als Kirchen ab.“ Die AfD argumentiere populistisch, betont Tenge: sie „ruft ein Schlagwort und alle reagieren entsprechend, weil sie darin dem Vorurteil zustimmen, das damit vermittelt wird.“ So seien die Worte Muslim und Flüchtling schon lange keine sachlich beschreibenden Begriffe mehr. Sie haben sich in den in den Köpfen der AfD-Mitglieder und Wähler als Worte des Unbehagens und einer latenten Bedrohung etabliert. Genau so funktioniere Populismus: Die Argumentation „klingt zwar irgendwie richtig und ist doch höchst unsachlich.“ Gleichzeitig warnt Tenge vor Pauschalisierungen und Vereinfachungen. Genaues Hinschauen sei gefragt: „Weder sind die Zugewanderten alle gut und die Einheimischen böse, noch ist ein Einheimischer automatisch ein guter Mensch und ein Zugewanderter ein Gefährder.“ Dennoch: „Die Denke, dass es würdige und unwürdige Menschen gibt und das Agieren mit dem Phänomen des Unbehagens beziehungsweise des Populismus zerstören den Menschen und unsere Gesellschaft.“ So fordert der Propst AfD-Mitglieder wie ihre Wähler auf, ihr Menschenbild zu überprüfen – und zu korrigieren. Natürlich sei es nicht leicht, Vielfalt und Unterschiede im eigenen Land auszuhalten und zu gestalten, meint Tenge. Aber die Erfahrungen in Bundesrepublik zeigen seit Jahrzehnten, dass es geht und die einst Fremden vielfach zu Freunden geworden sind: „Diesen Weg müssen wir weiter gehen.“ Hier die Rede im Wortlaut: