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11. Juni 2020
Großes Kino und eine besondere Botschaft: Sara Schorr wirbt für Film „Das grösste Geschenk“ des spanischen Regisseurs Juan Manuel Cotelo – und dessen Einsatz für Versöhnung. | Foto: Wala

Großes Kino und eine besondere Botschaft: Sara Schorr wirbt für Film „Das grösste Geschenk“ des spanischen Regisseurs Juan Manuel Cotelo – und dessen Einsatz für Versöhnung. | Foto: Wala

Für eine Handvoll Versöhnung

Glaubensgeschichten IV: Sarah Schorr aus Barsinghausen engagiert sich für die Verbreitung von christlichen Filmen. Das hat mit ihrer Leidenschaft fürs Kino zu tun – und mit ihrer ganz persönlichen Glaubensgeschichte.

Zwei Revolverhelden stehen sich gegenüber. Zum Showdown. Eine jahrzehntelange Fehde soll im Duell beseitigt werden. In Hateful Town – der hasserfüllten Stadt. So beginnt der Film „Das größte Geschenk“ des spanischen  Regisseurs Juan Manuel Cotelo.

Sarah Schorr blickt auf das Filmplakat. Es zeigt zwei Hände, die sowohl Revolver halten als auch zum Handschlag gereicht sind. Die 33-Jährige macht ehrenamtlich Werbung für den Film – und die christliche Botschaft, die er verkündet: Versöhnung. Eben das größte Geschenk.

Hinter Filmemacher Cotelo steht keine große Produktionsfirma, unterstützt wird er von Engagierten wie Sarah Schorr: „Wir sind ein bisschen wie eine Familie, nicht groß, aber weltweit.“ Argentinien, Japan, USA – die Kontakte in ihrem Mobiltelefon umspannen die ganze Welt. „Ich liebe Filme, ich liebe es ins Kino zu gehen“, erzählt Sarah Schorr. Mehr noch: Sie liebt diese Filme, weil sie vom Glauben, von Geborgenheit, von Hoffnung erzählen. Und wie Menschen auf Umwegen dazu finden. Etwas, das sich auch durch das Leben von Sarah Schorr gezogen hat.

Die Gnade des Heiligen Geistes

Geboren wurde sie in Nicaragua. Ihr Vater war ein deutscher Entwicklungshelfer und Auswanderer: „Mein Mädchenname ist Marotzke – sehr latinomäßig“, meint Sarah Schorr und lacht. Ihr Vater und ihre nicaraguanische Mutter bauten sich in der Hauptstadt Managua eine Existenz auf: erst ein Restaurant, dann ein Hotel, später Apartments.

Ihre Kindheit: behütet, nicht arm, ihre Eltern haben gut verdient. Aber auch geprägt von einer Mutter, „die mit Gott gestritten hat“, wie es Sarah Schorr beschreibt: „Ich bin katholisch getauft, aber nicht katholisch aufgewachsen.“ Ihre Mutter experimentiert spirituell – mit New Age, mit christlich inspirierten Gemeinschaften. „Ich hatte aber immer das Gefühl, das ich katholische Werte in mir trage“, erzählt Sarah Schorr rückblickend. Sie entdeckt darin die „Gnade des Heiligen Geistes.“

Mit 15 oder 16 Jahren entdeckt sie im Haus ein Buch über den heiligen Franziskus: „Das habe ich wie im Rausch gelesen – und das hat mich und meinen Glauben so gefestigt.“ Komisch nur: „Nachdem ich es gelesen hatte, war das Buch verschwunden – bis heute.“

Sarah Schorr studiert in Managua Medizin und lernt zwischendurch ihren Mann kennen: einen Lehrer aus Barsinghausen, der den Schüleraustausch mit einer nicaraguanischen Schule betreut. Ihr Vater plant bei diesem Austausch mit, schickt seine Tochter – etwas überredet – mit zu einem Ausflug ans Meer. Der Rest ist Liebe.

Sarah und Philipp führen eine Fernbeziehung. Gespräche übers Internet, Ferien mit gegenseitigen Besuchen. Im Oktober 2010 wird geheiratet, Tochter Laila kündigt sich an. Doch bevor sie geboren wird, holt Sara Schorr etwas nach, was sie lange bewegt hat: ihre Erstkommunion und Firmung. „Ich war schwanger und es war so schön zu spüren, dass Gott mich nie allein lässt.“

Ihr Mann wechselt auf eine nicaraguanische Schule, sie selbst macht 2012 ihren Abschluss als Ärztin. Die Familie wächst. 2014 wird Sohn Lukas geboren. Er ist keine vier Monate alt, als sich die Familie entschließt nach Deutschland zu gehen, nach Barsinghausen. 2019 wird Sohn Rafael geboren. Sarah Schorr wird einen Moment nachdenklich: „Und dann sind da noch unsere zwei Sternenkinder.“ Zwei Schwangerschaften verliefen tragisch.

Doch auch im Leiden fühlt sich Sarah Schorr nicht im Stich gelassen – von Gott, von Jesus und vor allem von der Gottesmutter Maria. „Ich fühle mich beschützt, so als ob ich immer unter Marias Mantel stehe.“ Es hätte ja auch schlimmer kommen können.  Fast unwillkürlich spielt ihre Hand mit ihrer Kette. Der Anhänger: eine Marienmedaille. Sie lächelt: „Man sagt ja, dass die Medaillen wundertätig sind.“

Wie Maria das Leben verändert

Ein Film über die Gottesmutter war es auch, der Sarah Schorr mit der Filmfamilie um Regisseur Cotelo in Kontakt kommen ließ: „Mary’s Land“, ein Geschenk ihrer Mutter, damals noch auf Spanisch. In dem Film erzählt Cotelo Geschichten von Menschen, deren Leben durch eine Marien­erscheinung verändert wurde – echte Zeugnisse, eingebunden in die fiktive Handlung mit einer Agentin und einer mysteriösen Bewegung.

„Dieser Film hat mich so bewegt“, sagt Sarah Schorr und ihre Begeisterung ist immer noch anzuhören. Sie fragt übers Internet nach, ob der Film auch in Deutschland gezeigt wird. Fünf Minuten später erhält sie einen Anruf von der Mitarbeiterin Cotelos: „Da war ich eigentlich drin.“ Sie schreibt die spanischen und englischen Texte des Films ab, damit sie für eine deutsche Version übersetzt werden können.

Ohne dieses Engagement würden die Filme keine Verbreitung finden. „Wir können keine große Werbung kaufen“, erläutert Sarah Schorr. Nur Mundwerbung machen. Sie schafft es, dass der Film in einem Kino in Hannover gezeigt wird:. „Bei einer solchen einmaligen Aufführung müssen aber viele Zuschauer kommen, damit wir einen weiteren Termin erhalten können.“

Opfer und Täter kommen zu Wort

Das wollte sie auch mit dem neuen, im November 2018 in Spanien, im Oktober 2019 in Deutschland uraufgeführten Film „Das größte Geschenk“. Das Kino war gebucht – doch dann kam die Pandemie.  „Es werden so eindringliche Geschichten von Versöhnung in diesem Film erzählt“, betont Sarah Schorr.

Darunter sind Mütter, Väter, Witwen, Waisenkinder, Massenmörder, Inhaftierte und misshandelte Kinder, die in vielen Nahaufnahmen erzählen, wie der Schritt in Richtung Versöhnung gehen kann. Und beide Seiten kommen zu Wort: Opfer und Täter. Geschichten, die auch den Showdown in Hateful Town ändern.

Doch ohne Kino musste ein anderer Weg gegangen werden: „Der Film ist jetzt im Internet gegen eine kleine Gebühr zu sehen“, erläutert Sarah Schorr. Weniger als eine Kinokarte. Ihre klare Erkenntnis: „Die Kraft zur Versöhnung kommt von innen.“ Von Gottes Gegenwart. Von Mantel Marias.

Der Film in Internet: www.dasgroesstegeschenk.com (auch mit Trailer)

 

Folge I unserer Glaubensgeschichten: "Da steckt Seele drin"

Folge II unserer Glaubensgeschichten: "An der Seite der Frauen"

Folge III unserer Glaubensgeschichten: "Erst Tandem, dann Freundinnen"

Von: Rüdiger Wala