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31. Juli 2018

Garten, Geduld und Genuss

Alles kommt in den Topf: Seit Ostern wächst Gemüse in großen Töpfen vor dem [ka:punkt], mitten in der Fußgängerzone von Hannover. Jetzt wird gegessen – und zwar am Donnerstag, 2. August. Serviert wird um 18 Uhr.

Möhren, Bohnen, Mangold: Das und noch mehr wächst und gedeiht vor dem Treffpunkt und offenen Haus der katholischen Kirche in der Grupenstraße 8. Pflanzkübel stehen vor den Schaufenstern, Passanten schlendern oder eilen vorbei. Besucher des [ka:punkt], die zu Beratung und Gespräch oder auf einen Kaffee vorbeikommen, freuen sich über die sich entwickelnden Pflanzen.

„Immer wieder die Frage von Passanten: „Und was macht ihr nachts mit den Pflanzkübeln? Werden die nicht zerstört?“, berichtet Ulrike Langer, Gemeindereferentin im [ka:punkt]. Ihre Antwort: „Ich glaube an das Gute in den Menschen und hoffe darauf, dass es gut geht.“ Und weiter: „Wenn wir Kirchenleute nicht mehr hoffen, wer denn dann: In den letzten 3 Jahren haben wir hier Tomaten und Kräuter geerntet. Einmal ist etwas versehentlich zerstört worden, durch ein unachtsam eingeparktes Fahrrad. Mehr nicht.“

Die ‚Kirchenleute’ hatten übrigens nicht nur Hoffnung, sondern auch Hilfe: Das Gemüse wurde zum Teil von Gästen geschenkt und selbst eingepflanzt. Bohnen und Mangold beispielsweise sind Frucht ..., nein eher, Gemüse dieser Unterstützung – an der auch die direkten Nachbarn des [ka:punkt] teilhaben. 

„Der Garten ist ein echter Hingucker“, meint Ulrike Lange, Erst falle der Blick auf die Pflanzen, dann auch die Logos von Kirche und Caritas: „Und dann sehe ich häufig ein Schmunzeln, ein Lächeln um Blick der Betrachter.“ Aber noch etwas anderes hat die Gemeindereferentin entdeckt. „Die erste Hummeln wurde am 13. Juni gesichtet“, berichtet Ulrike Langer. Ein Zeichen wie gut der Garten inmitten der Fußgängerzone gedeiht. Ein anderes Zeichen: „Erst langsam, dann mehr und mehr hat sich die Stimmung in der Straße verändert. Es ist gemütlicher geworden.“

Wie kommt die Idee zu Pflanzkübeln an einer Stelle, wo wie Menschen durchziehen, zustande: „Natürlich möchten wir einen Akzent zur Achtung, zur Bewahrung der Schöpfung setzen“, erläutert Ulrike Langer. Zum einen: Pflanzen wachsen sehen, eine begriff davon bekommen, was dafür getan werden muss – und Gemüse nicht ständig verfügbar im Supermarkt kaufen. Slow Food statt Fast Food.

Zum anderen: Fußgängerzonen strahlen nicht selten Hektik aus. Ein Garten entschleunigt. Er steht dafür, dass man Geduld haben muss, um etwas zu ernten. Nicht Schnelligkeit bringt den Ertrag. „ Ein Garten funktioniert nach anderen Regeln, nicht immer nach eigenem Plan. Wenn viele mitgärtnern, gibt es viele Überraschungen“, findet Ulrike Langer. Drittens schließlich: Die Gebete, die Papst Franziskus mit seinem Lehrschreiben „Laudato Sí – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ geschenkt hat, entfalten bei Bibellesungen vor den Pflanzen noch eine ganz andere Atmosphäre.

Kurz: „Wir sind stolz auf Garten.“ Jetzt kommt das, was gewachsen ist und geerntet wird, in den Topf. Gekocht wird ebenfalls in der Fußgängerzone. „Unser Koch engagiert sich ehrenamtlich im [ka:punkt], beim Schnibbeln und Zubereiten helfen uns junge Flütchtlinge.“ Koch und Küchenhelfende kommen von „Zeit zum Reden – Time to talk“. Das ist Angebot für Flüchtlinge und andere ausländische Mitbürger, die anfanghaft Deutsch sprechen. Jeden Donnerstag kommen sie für zwei Stunden im [ka:punkt] zusammen, um in gemütlicher Atmosphäre und in kleinen Gruppen, Deutschkenntnisse anzuwenden. Ulrike Langer: „So wird die Suppe am 2. August auch zu einem Ort der interkulturellen und interreligösen Begegnung.“ Und des Geschmacks.

Von: Rüdiger Wala