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19. November 2019
Jetzt erhältlich: „Katholisch in Hannover: Menschen – Geschichten – Lebenswelten“ (ISBN: 978-3-7954-3305-5) | Foto: Wala

Jetzt erhältlich: „Katholisch in Hannover: Menschen – Geschichten – Lebenswelten“ (ISBN: 978-3-7954-3305-5) | Foto: Wala

Geschichte in Geschichten

„Katholisch in Hannover“ erzählt in großen Linien, aber auch in vielen kleinen Episoden, wie sich das das katholische Leben in der heutigen Landeshauptstadt entwickelt hat. Vorgestellt wird das Buch am Freitag, 22. November, um 19:30 Uhr im Tagungshaus St. Clemens (Platz an der Basilika 3)

Es ist ein gewichtiges Buch: Satte 1,6 Kilogramm bringt es auf die Waage. 480 Seiten, über 200 Illustrationen und Fotos – und 300 Jahre Geschichte. „Katholisch in Hannover“ spannt einen großen Bogen, wie sich die ursprünglich sehr kleine Gemeinde von Katholiken in der und um die heutige Landeshauptstadt entwickelt hat.

Ein Blick zurück, November 1718: Nach siebenjähriger Bauzeit wird die Kirche St. Clemens geweiht. Ihre Existenz verdankt sie dem wohl „berühmtesten infulierten Bettlerbischof des Jahrhunderts“. So nennt sich Agostino Steffani, seit 1709 Apostolischer Vikar für Ober- und Niedersachsen (und deshalb infuliert, also als Titularbischof zum Tragen einer Mitra berechtigt), in einem Brief selbst. Eine katholische Kirche im damaligen Kurfürstentum Hannover zu errichten ist ein waghalsiges Unterfangen – und ein politisches dazu. Denn erst 120 Jahre zuvor waren durch die Reformation alle Katholiken aus  der Altstadt von Hannover vertrieben worden.   

So waren es französische und italienische Diplomaten, Künstler und Handwerker, die am Hof der welfischen Herzöge nach Ende des 30-jährigen Krieges wieder einen katholischen Gottesdienst feiern wollten. Am Weihnachtstag 1665 war es soweit – und 44 Jahre später konnte St. Clemens geweiht werden. Übrigens ohne die heute für das Gotteshaus so charakteristische Kuppel. Für dieses Dach reichte das von Steffani erbettelte Geld nicht.

Das ist eine der vielen Episoden, die „Katholisch in Hannover“ erzählt. Das Lesebuch knüpft an die gleichnamige Ausstellung an, die vor einem Jahr im His­torischen Museum der Landeshauptstadt gezeigt wurde. Herausgegeben wird das Buch von Professor Dr. Hans-Georg Aschoff, emeritierter Historiker der Leibniz-Universität Hannover, und Dr. Thomas Scharf-Wrede, Leiter des Bistumsarchivs in Hildesheim.

Die Beiträge zeichnen zum einen die großen Linien der Kirchengeschichte an der Leine nach: Der Blick führt zurück ins Mittelalter, als alles katholisch war – und zur Reformation, als nichts mehr katholisch sein durfte. Und dann zu wieder beginnendem, wachsendem katholischen Leben: die Kirchengründungen Ende des 19. Jahrhunderts, die barmherzige Arbeit der Kongregation der Vinzentinerinnen und der Elisabeth-Vereine, die Volksschulen, die Veränderungen nach dem zweiten Weltkrieg, die wachsende Verantwortung von Laien, die Ökumene, die Seelsorge für „Gastarbeiter“ und Migranten.

Breiten Raum nehmen aber im besten Sinne Geschichten ein – von Menschen und Orten, die dem katholischen Glauben in Hannover ein Gesicht oder ein Gebäude geben. Da finden sich große Namen wie der von Steffani, dem seligen Niels Stensen oder von Ludwig Windthorst, dem großen Gegenspieler von Reichskanzler Otto von Bismarck im Deutschen Kaiserreich. Lebensgeschichten von Menschen werden erzählt, die im Bistum Hildesheim Spuren hinterlassen:  der von den Nationalsozialisten ermordete Pfarrer Christoph Hackethal, der Großstadtpfarrer und Caritassekretär Wilhelm Maxen oder Weihbischof Heinrich Pachowiak.  Berichtet wird auch von den Frauen und Männer, die  Kirche sozial und gesellschaftlich geprägt haben: Karla Pachowiak als Leiterin der „Mütterschule“, der späteren Familienbildungsstätte, die Vinzentinerin Sr. Virginie, Ende des 19. Jahrhunderts Oberin in St. Vincenz-Stift oder Sr. M. Theresia Leinewerber, die nach dem zweiten Weltkrieg die St. Ursula-Schule wieder aufbaute.

Zudem führt das Buch ebenfalls in Kurzportraits an zahlreiche, mal naheligende, mal überraschende katholische Glaubensorte: Kirchen aus Stadt und Region, das Hospiz Luise, den Karmel St. Josef, aber auch das von Bischof Josef Homeyer gegründete Forschungsinstitut für Philosophie, die von christlichen Grundsätzen geprägte Wohnungsbaugenossenschaft Heimatwerk oder die Bonifatiusschule, einstmals katholische Volksschule, heute Grundschule in staatlicher Trägerschaft – mit einem Schulleben, dass sich am Glauben und christlichen Jahreskreis orientiert.

„Katholisch in Hannover: Menschen – Geschichten – Lebenswelten“, herausgegeben von Hans-Georg Aschoff und Thomas Scharf-Wrede, Verlag Schnell und Steiner, ISBN: 978-3-7954-3305-5, 35 Euro

Von: Rüdiger Wala