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15. Februar 2013
Die Moderatoren Henning Chadde (r.) und Jan Egge Sedelies

Die Moderatoren Henning Chadde (r.) und Jan Egge Sedelies

Die Publikumsjury gibt ihr Votum ab.

Die Publikumsjury gibt ihr Votum ab.

„Glaube to go“ geht gar nicht

Theologen und Poeten traten beim Preacher Slam gegeneinander an

Beim Kongress "Kirche hoch zwei" diskutierten über 1.300 Christen auf dem Messegelände über die Kirche der Zukunft. Ein Highlight war der erste Preacher Slam in Hannover.

Erst fiel es schwer, dann war das Publikum nicht mehr zu halten. Zwischenrufe, Johlen, Trampeln und am Ende eine Stimmkarte hochhalten mit einer Bewertung für das soeben Gehörte: Der erste Preacher Slam in der evangelischen Jugendkirche in Hannovers Nordstadt machte vieles möglich, was man sonst nie tut in der Kirche. Zum Auftakt des ökumenischen Kongresses „Kirche hoch zwei“ lieferten sich zwei Berufsgruppen einen Wettstreit, deren Werkzeug das Wort ist: Vier Theologinnen und Theologen traten an gegen vier Dichterinnen und Dichter. Der Ausgang war knapp: mit 323 von vierhundert möglichen Punkten siegte das Team der Poeten vor den Kirchenprofis mit 306 Punkten. Die Siegerin des Abends kam allerdings aus dem Kirchenteam. Die evangelische Theologin Christina Brudereck bekam für ihren poetischen Par-Force-Ritt durch die Schöpfungsgeschichte die Bestnote von 100 Punkten.

Die Theologin Annette Reus hat die wortgewaltigen Kirchenleute zusammengeführt mit dem einheimischen Team von „Macht Worte! – Der hannoversche Poetry Slam“. „Wie viel Glaube braucht der Mensch?“, lautete die Frage des Abends. Die Antworten der Theologen fielen eher zurückhaltend aus: Ob Kilimandscharo oder Benther Berg das richtige Maß sei, das müsse jeder selbst wissen. „Glaube muss manchmal absurde Ideen haben. Die Aufregung lohnt sich“, resümierte die Siegerin des Abends, die das letzte Wort bekam. Für „volles Risiko“ plädierte Wolfgang Beck, katholischer Pfarrer in Hannover-Linden: Wer Jesus folgen will, bekommt keine Sicherheiten.

Manche Poeten wurden direkter. Wie sich herausstellte, haben einige von ihnen eine christliche geprägte Biographie: Klaus Urban aus Stadthagen war Katholik, Tobias Kunze hat sogar in der Jugendkirche schon einmal den Jesus gespielt. Gegen einen „Glauben to go“ wetterte Klaus Urban: Eine Religion, die man an Ostern oder Weihnachten mal mitnimmt und in kleinen Schlucken austrinkt, bis der Vorrat aufgebraucht ist. Aber auch Kardinal Meisner musste sich wegen seiner Kehrtwende in der Frage nach der „Pille danach“ einen Seitenhieb von ihm gefallen lassen: Kann man kirchliche Regeln einfach „ausmeisnern“, wenn neue Forschungsergebnisse auftauchen? Gibt es irgendwann gar keine Regeln mehr, wenn die Forschung noch weiter voranschreitet? Am Ende gab es einen zweiten Platz für Klaus Urban, gefolgt von Tobias Kunze aus Hannover, der mit vollem Körpereinsatz einen Dialog auf dem Bahnhofsvorplatz darstellte zwischen einer verhuschten Missionarin und einen Atheisten, der sich immer mehr in Rage redet. Die Bibel, befand er, ist für die meisten so etwas wie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen beim Online-Einkauf: Man klickt „Einverstanden“, ohne sie sich vorher durchgelesen zu haben.

Ein Poetry-Slam, erfuhren die Neulinge, hat klare Regeln – die allerdings auch dazu da sind, gebrochen zu werden. Zehn Freiwillige aus dem Publikum bildeten die Jury. Doch ist es den anderen Zuhörern erlaubt, sie sanft oder brachial zu beeinflussen. Nur als ein Jury-Mitglied für einen Vortrag null Punkte vergab, gab es richtig Dampf von den Moderatoren: „Wer sich hier vorne hinstellt, ist immerhin schon einen Schritt weiter als einer, der einfach nur eine Null hochhält“, ätze Moderator Henning Chadde. Der strenge Juror bekam die Chance, sich noch einmal zu korrigieren. Doch er blieb hartnäckig. Auch das ist erlaubt.

 

Von: pkh