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26. April 2019
Naiv, originell und revolutionär: Die aus dem Glauben erwachsene Kunst der Frauen und Männer von Solantiname.

Naiv, originell und revolutionär: Die aus dem Glauben erwachsene Kunst der Frauen und Männer von Solantiname.

Glaube und Gerechtigkeit in Kunst

Die Ausstellung "Der Traum von Gerechtigkeit: Die Bilder der Bauern von Solentiname" wird vom 30. April bis 13. Mai in der Kirche St. Heinrich (Sallstraße 74) gezeigt. Ausstellungseröffnung ist am Montag, 29. April um 18 Uhr – mit Hermann Schulz (Schriftsteller), Henning Scherf (Bürgermeister a.D. und ehemaliger Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen) und Propst Martin Tenge

Der Lyriker, Priester und spätere Kulturminister Nicaraguas Ernesto Carde­nal hatte in den 60er Jahren eine urchristlich orientierte Gemeinschaft auf Solentiname gegründet –  einem Insel-Archipel am südlichen Ende des Nicaraguasees nahe der Grenze zu Costa Rica. 

Ernesto Cardenal erinnert sich so an seine Zeit auf Solentiname:"Später habe ich dann, statt sonntags in der Messe die Botschaft des Evangeliums zu predigen, die Bauern dazu gebracht, mit mir gemeinsam das Evangelium zu besprechen, zu kommentieren, und so entstand das Buch „Das Evangelium der Bauern von Solentiname“, das viele Aussagen und viele Übersetzungen in andere Sprachen erlebte und viele sehr kluge und originelle und revolutionäre Auslegungen des Evangeliums enthält." 1975 erschien das grundlegenden Werk der Befreiungstheologie – alles in den Jahren der Diktatur von Anastasio Somoza.

Cardenal ließ die Frauen und Männer von Solentiname in Malerei und Schnitzkunst schulen und machte ihre Arbeiten später weltberühmt. Wieder erinnert er sich: "Dort gaben wir einem der Bauern eines Tages Leinwand und Ölfarben, mit denen er ein paar naive Bilder malte, die heute noch besonders wertvoll sind. Andere Bauern sahen das und auch, dass sich die Bilder gut verkauften, und begannen selbst zu malen. So entstand die naive Bauernmalerei von Solentiname, die später Maler im ganzen Land beeinflusste und Solentiname sehr berühmt machte, nicht nur in Nicaragua, sondern in der ganzen Welt."

1977 besetze Cardenal mit einer Gruppe Bauern aus Solentiname eine Kaserne der Guardia Nacional de Nicaragua, der Staatspolizei, auf die sich die Diktatur Somozas stützte.Die Einrichtungen in Solentiname wurden kurz darauf von den Soldaten Somozas zerstört. Cardenal verlies zum zweiten Mal nach 1956 das Land – ins Exil nach Costa Rica. 

Trotzdem blieb Solentiname ein Symbol: "Für viele Menschen ist Solentiname sehr wichtig geworden, wobei diese Bedeutung manchmal ein wenig übertrieben und fast so etwas wie ein 'Mythos von Solentiname' geschaffen worden ist. Ich denke, so wichtig ist es nicht gewesen, ein wenig allerdings vielleicht schon, wie diese naive Bauernmalerei, von der ich schon mehrmals gesagt habe, dass sie so etwas wie ein Wunder für mich war. Und ich freue mich sehr darüber, dass dieses Wunder weiter gewürdigt, bewundert wird." (zitiert nach Lutz Kliche nach einem Gespräch mit Ernesto Cardenal im Januar 2019)

Die Kunst der Frauen und Männer von Solentiname wird wird nun in der Kirche St. Heinrich gezeigt. Die Ausstellung wird am 29. April 2019 um 18 Uhr eröffnet. Es sprechen Propst Martin Tenge, Henning Scherf (Bürgermeister a.D. und ehemaliger Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen) und Hermann Schulz, Schriftsteller und Freund Ernesto Cardenals.

Vom 30. April bis 13. Mai 2019 tägl. von 9 bis 18 Uhr – außer Montags – ist die Ausstellung in St. Heinrich, Sallstraße 74, zu sehen. Eintritt frei.

Kostenlose Führungen werden jeweils Dienstags und Donnerstag von 15 bis 16 Uhr angeboten oder nach Vereinbarung. Die Führungen erfolgen durch Dr. Dorle Meyer vom Deutsche Museum München.

Mit der Finissage wird am 13. Mai 2019, 18 Uhr die Ausstellung abge­schlossen. Thema: "Über die Kunst in Zeiten politischer Umbrüche".

Vor dem Hintergrund der Entstehungsgeschichte der Kunstwerke werden in drei Gottesdiensten in St. Heinrich besondere Akzente gesetzt:

  • Am So., 5. Mai, 11 Uhr, spricht Stadtsuperintendent Hans-Martin Heine­mann über Gerechtigkeit und Demokratie,
  • am Sa., 11. Mai, 18 Uhr, Propst Martin Tenge über Vielfalt in Gemeinschaft
  • und am So., 12. Mai, 11 Uhr,  Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VW-Stiftung, über die Endlichkeit der Umwelt.

 

 

Von: pkh