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04. November 2018
Feierlicher Gottesdienst mit dem Hildesheimer Bischof Dr. Heiner Wilmer

Feierlicher Gottesdienst mit dem Hildesheimer Bischof Dr. Heiner Wilmer

Fürbitten

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Grußwort der Landtagsabegeordneten Doris Schröder-Kopf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe

Grußwort der Landtagsabegeordneten Doris Schröder-Kopf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe

Grußwort von Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok

Grußwort von Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok

Glück-Wünsche an die "liebe Basilika"

Herzensfrische und alte Reben, Wahrzeichen und eine Bühne für Gott: Feierlich und fröhlich geht es beim 300. Kirchweihfest von St. Clemens zu. Jetzt feiert die Basilika datumsgenau Geburtstag. Einer der Gratulanten: Bischof Heiner Wilmer. Er feierte mit den mehreren Hundert Gläubigen den Festgottesdienst.

Am Anfang des Festgottesdienstes steht ein Bekenntnis. „Da hinten links, da habe ich gesessen und heimlich gebetet“, erzählt Bischof Heiner Wilmer. In seiner Zeit als Rektor des Leoninums, des Gymnasiums seines Ordens der Herz-Jesu-Priester im emsländischen Handrup, hat es ihn bei Terminen in der Landeshauptstadt immer wieder in die Basilika gezogen.

So verwundert es nicht, dass er die Basilika selbst in den Mittelpunkt seiner Predigt stellt – und dessen Baumeister Tommaso Giusti, der auch in der Krypta der Kirche begraben liegt. Guisti stammt aus einer venezianischen Architektenfamilie, sein Vater war Bauleiter der Santa Maria della Salute in Venedig. Er selbst kam an den Hof des hannoverschen Herzogs Ernst August, zunächst vornehmlich als Bühnengestalter und Künstler an Schloss und Opernhaus.

In der Predigt zeigt Wilmer viele Parallelen zwischen Santa Maria della Salute und der Basilika St. Clemens auf, der „wohl italienischsten Kirche in Norddeutschland“: Beide Gotteshäuser sind Zeichen der Hoffnung. Santa Maria della Salute, geweiht 1687, wurde zum Dank erbaut, eine Pestepidemie im Jahr 1630 überstanden zu haben. St. Clemens wurde nach dem „nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut in einer Zeit der Not, des Krieges – in einer Zeit der Zerstörung, in der Menschen alles haben“. Von einem ist Wilmer überzeugt: „Menschen brauchen Sicherheit, sie möchten einen Anker in Gott werfen, der letzte Sicherheit, auch wenn die Welt erschüttert ist.“

Dafür steht die Kirche St. Clemens, auch in ihrer baulichen Ungewöhnlichkeit: „St. Clemens ist, unorthodox gebaut, nicht geostet, das Hauptportal der Stadt entgegengerichtet, daher, wo die Menschen kommen.“ Mehr noch: „Es ist mehr als ein Symbol, dass sich gegenüber der Kirche die Tür der Wohnungslosenhilfe der Caritas befindet. Ein großes Bild dafür, dass diese Kirche offen ist für die Not der Bedürftigen, der Schwachen und Armen.“ Dem entspricht nach Darstellung von Wilmer auch das Innere der Kirche mit ihrer „wunderschon gestalteten Krypta“ – und er schließt dabei den Bogen zum Bühnenbilder Tommaso Giusti: „Er hat in St. Clemens die Idee verwirklicht, dass die Welt eine Bühne ist  – eine Bühne, auf der Gott gegenwärtig ist, um sein Herz der Welt zu öffnen.“

Gerade in den Fürbitten wird deutlich, wie wichtig eine solche „Bühne“ für ein geöffnetes herz ist: Gebetet wird für die Anliegen der Stadt, für die wohnungslosen, benachteiligten, gesellschaftlich abgehängten Menschen – und für die Opfer von von sexuellem Missbrauch in den Kirchen.

Für die Schirmherrin des Jubiläums von St. Clemens, der Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Kopf, ist es „wichtig, einen Ort zu haben, in dem man willkommen ist – und hier kommen Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft zum Gottesdienst zusammen.“ Niedersachen steht für Vielfalt und St. Clemens ist ein wichtiger Teil davon. „Für mich als Katholikin ist St. Clemens auch ein Wahrzeichen für Toleranz und Weltoffenheit“, betont Doris Schröder-Kopf in einem kurzen Grußwort

Das unterstreicht auch der zweite Schirmherr des Jubiläums, Hannover Oberbürgermeister Stefan Schostok: „Eine Heimat zu haben, einen Ort der Zuflucht, auch unabhängig von Konfession und Glauben, ist von großer Bedeutung.“ Für den Sozialdemokraten ist die aktive christliche Arbeit von St. Clemens ist immer am Puls der Zeit: „Sie leistet einen unglaublich wichtigen Beitrag für den sozialen Frieden und den Zusammenhalt der Gesellschaft, ein großes christliches Wahrzeichen der Stadt.“

Superintendent Hans-Martin Heinemann überbrachte die Glückwünsch der evangelisch-lutherischen Kirche und der Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen (ACK). Als Geschenk hat er zwei Flaschen Wein mitgebracht – hintersinnig von einer evangelischen Winzerei im katholisch geprägten Rheingau. Die Sorte: Alte Reben. „Aus diesen alten Reben kommt neuer Wein – das ist ja auch ähnlich bei uns Kirchen“, macht Heinemann geltend. Zudem findet sich ein „J“ auf den Flaschen. Für Heinemann ebenfalls sinnbildlich:  „Wenn die Menschen auf die Kirchen schauen, sollen sie Jesus Christus entdecken: Seine Zuwendung, seine Liebe, seine Worte, seine barmherzige Präsenz.“

Präsenz – und viel Begeisterung, Liebe und Zuwendung zeigen dann die Glück-Wünsche an die „liebe Basilika“, stellvertreten von 20 Katholikinnen und Katholiken, die sich St. Clemens in besonderer Weise zugehörig fühlen: Engagierte in den Gremien, der Kinderkirche, des Familienkreises, im Propsteichor, ein vor kurzem getrautes Ehepaar, die Mutter eines ebenfalls vor kurzem getauften Kindes, von den Mitarbeitern der Propstei und auch von den Nachbarn, wie dem Caritasverband, der Katholische Familienbildungsstätte oder der Katholischen Hochschulgemeinde.

Diese Glück-Wünsche sind für Bischof Heiner Wilmer ein „Zeichen einer lebendigen Gemeinde“ und Inspiration für einen eigenen Wunsch: „Bleiben Sie offen, hellwach und herzerfrischend.“ Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Propsteichor St. Clemens und einem Bläserensemble gestaltet – unter Leitung von Regionalkantor Nico Miller. Gespielt und gesungen die „Missa Brevis“ des zeitgenössischer niederländischer Komponisten Jacob de Haan, ein Werk für Chor und Blasorchester aus dem Jahr 2003.

Von: Rüdiger Wala