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17. September 2017
Ralph Ivanovs, Pastoralreferent und Klinikseelsorger im Krankenhaus Siloah, und Ulrike Langer, Gemeindereferentin im [ka:punkt] nehmen aus Erfurt Impulse für ihre Arbeit mit. © Lorenz Kutschke

Ralph Ivanovs, Pastoralreferent und Klinikseelsorger im Krankenhaus Siloah, und Ulrike Langer, Gemeindereferentin im [ka:punkt] nehmen aus Erfurt Impulse für ihre Arbeit mit. © Lorenz Kutschke

„Gott ist bereits da!“

Wie kann man Menschen den Glauben näher bringen, die nicht konfessionell gebunden sind oder noch nichts von Religion und Gott gehört haben? Was suchen sie und wie kann Kirche ihnen Antworten auf ihre Fragen geben? 23 pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Katholischen Kirche in der Region Hannover sind bei einer zweitägigen Studienreise nach Erfurt diesen Fragen nachgegangen.

„Wo gehen die Leute hin – und ist dort die Kirche?“ Diese Frage hat Weihbischof Dr. Reinhard Hauke aus Erfurt schon als Pfarrer umgetrieben. Voller Stolz stellt er seinen Gästen aus dem Regionaldekanat Hannover die neu entwickelten Angebote vor, mit denen er auch die siebzig Prozent Konfessionslosen in seinem Bistum erreichen möchte. Für Weihbischof Hauke sind sie „Menschen auf dem Weg“, die er zu einer „Feier der Lebenswende“ statt der humanistischen Jugendweihe, zum Gottesdienst für Paare am Valentinstag oder auch zu einer nächtlichen Feier am Heiligen Abend in den Dom einlädt. Er verspricht ihnen: „Sie dürfen ungetauft nach Hause gehen!“

Für Ulrike Langer, Gemeindereferentin im [ka:punkt] in Hannover, ist ein wichtiger Grund für ihre Teilnahme an der Studienreise das Kennenlernen einer ganz anderen Herangehensweise an die Pastoral. „Ich finde es spannend, wie die Christen im Osten von Deutschland auf Menschen zugehen und sich anfragen lassen und wie sie neue Wege ausprobieren, um die kirchliche Botschaft zu transportieren“, erzählt sie begeistert.
Auch Ralph Ivanovs, Pastoralreferent und Klinikseelsorger im Krankenhaus Siloah, ist angetan von den neuen Impulsen aus den Gesprächen in Erfurt: „Besonders angerührt hat mich das Gespräch in der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral mit Hubertus Schönemann. Der Gedanke, dass nicht wir Gott zu den Menschen bringen, sondern dass Gott bereits überall da ist und uns an vielen Orten und in vielen Personen schon erwartet, hat mich berührt“, berichtet er.

Dr. Hubertus Schönemann, der Leiter der „Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral“, sieht die Zukunft der Kirche nicht im Rückzug auf das innergemeindliche Tagesgeschäft. Die Kirche sei kein Selbstzweck, für dessen Weiterbestand in gewohnter Form es gelte, Menschen zu rekrutieren. Stattdessen müssten im Sinne der Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art“ handlungsleitend für Christinnen und Christen sein. Ralph Ivanovs nimmt die Gedanken von Schönemann auf und formuliert einen Anspruch für seine Arbeit: „Unsere Aufgabe ist es dann, in die Welt aufzubrechen und zu schauen, wo wir Gott vorfinden - im anderen, im Ungewohnten, im Neuen – und zu sehen, was das für die Weiterentwicklung unserer Kirche und unserer Gemeinden zu sagen hat.“

Das Bistum Erfurt ist flächenmäßig etwas kleiner als das Land Thüringen. Etwa 150.000 katholische Christen leben im Bistum. Das sind etwa acht Prozent der Einwohner. Dazu kommen circa 25 Prozent evangelische Christen. Die meisten Thüringer sind aber ohne Konfession.

Autor: Gregor Wessels und Lorenz Kutschke