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30. Juli 2018
Martin Luther (Denkmal vor der Marktkirche): Seine Idee einer anderen Verfasstheit von Kirche ...

Martin Luther (Denkmal vor der Marktkirche): Seine Idee einer anderen Verfasstheit von Kirche ...

wurde von Elisabeth von Calenberg im Herzogtum Hannover umgesetzt.

wurde von Elisabeth von Calenberg im Herzogtum Hannover umgesetzt.

Hannover und die Reformation

Zukunft würdigt Geschichte: Das ist der Leitgedanke des 300-jährigen Jubiläums von St. Clemens. Aber welche Geschichte wird hier geschrieben? Unsere Autorin Martina Stabenow setzt in vier Folgen Akzente dieser Vergangenheit, Teil 2: Die Reformation und deren Folgen

Die Einrichtung von Klöstern stieß allerdings seitens des Rates der Stadt Hannover und der Geistlichkeit auf Ablehnung, weil sie als Konkurrenz betrachtet wurden. Man befürchtete, Gläubige und damit auch Einnahmen an die Klöster zu verlieren. Infolgedessen gab es bis zur Reformation nur das Kloster der Franziskaner - das Minoritenkloster- in der Stadt. Die dort lebenden Ordensmänner wurden auch "Barfüßer" genannt, weil sie stets barfüßig in Sandalen gingen. Dieses Gebäude stand etwa an Stelle, wo sich heute der Parkplatz des niedersächsischen Landtages befindet.

Außerdem gab es am Beginenturm noch eine klosterähnliche Einrichtung: das Beginenhaus. Dort lebten rund 20 Frauen in einem klosterähnlichen Verhältnis zusammen. Sie gingen caritativen Aufgaben nach. Das Zusammenleben dieser Gemeinschaft erfolgte nicht nach den strengen Gelübden des Klosterlebens. Auch der Beginenkonvent bestand bis in die Reformation hinein.

 Die durch die Reformation in Gang gesetzten Unruhen und Veränderungen führten dazu, dass sowohl die Franziskaner als auch die Beginen ihre Einrichtung verlassen mussten. 

Die Reformation

Die Reformation jährte sich im letzten Jahr zum 500. Mal. In Hannover vollzog sich im Laufe der Jahre ein relativ langsamer Übergang zu einem gefestigten Protestantismus, in dem sich einige katholische Elemente bewahren konnten.

Luther - ein Katholik

Martin Luther hätte die Frage, ob er katholisch sei, wohl er in dem Sinne beantwortet: "Selbstverständlich bin ich das. Was sonst?" Martin Luther hätte die Frage, ob er katholisch sei, wohl er in dem Sinne beantwortet: "Selbstverständlich bin ich das. Was sonst?

Als Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen veröffentlichte, wandte er sich gegen gewisse Auswüchse und Missstände innerhalb der Kirche. Er erhob seine Stimme nicht gegen das Christentum und auch nicht gegen die Kirche. Durch eine Reformation wollte er die Kirche wieder zu ihren Ursprüngen zurückführen. Es war nicht in seinem Sinne, eine Revolution zu entfesseln. Trotz allem löste er mit seinen Thesen eine konfessionelle Spaltung zwischen den Altgläubigen, also denn Katholiken, und den Lutheranern aus. 

 

Reformatorische Bewegung von der Basis her

 

In Hannover setzte sich die Reformation relativ spät durch: Am 26. Juni 1533 versammelten sich hannoversche Bürger auf dem Platz vor der Marktkirche und bekannten sich mit einem Schwur zur Lehre Luthers. Es waren vor allem Handwerker, die das lutherische Gedankengut befürworteten. Allerdings nahmen sie die reformatorische Bewegung auch als Ansatzpunkt, um ihre eigenen politischen Forderungen durchzusetzen. Sie opponierten in erster Linie gegen die exklusive Machtposition des Rates, dessen Mitglieder sich stets aus den gleichen Familien ergänzten. Eine politische Mitbestimmung für andere Bürgerschichten war unmöglich. Der Rat verteidigte seine Rechte und versuchte die Einführung der Reformation zu verhindern - konnte sie aber letztendlich nicht stoppen. Nachdem sich die Reformation endgültig durchgesetzt hatte, flüchteten der Bürgermeister und die Ratsherren in das katholische Hildesheim. Damit erhielten die reformatorischen Kräfte den Raum, Hannover für sich einzunehmen. 

Leben mit einer neuen Konfession

Für die hannoversche Bevölkerung vollzog sich der Übergang in die neue Konfession nicht abrupt. Ausschlaggebend dafür war, dass den Gläubigen wichtige Elemente erhalten blieben, die ihnen vertraut waren. Charakteristisch für Hannover war die Bewahrung des Kulttums, wie religiöse Bilder und Heiligenstauen. Auch Wallfahrten konnten weiterhin unternommen werden. Dadurch erlebten sie einen eher langsamen Übergang zum neuen Glauben. Zudem beinhaltete das Luthertum durchaus Elemente, die für die Bevölkerung attraktiv waren. Dazu zählte insbesondere, dass der Gottesdienst statt in der lateinischen Sprache nunmehr in der Muttersprache gefeiert wurde. Hinzu kommt, dass Kirchenlieder in deutscher Sprache gedichtet und komponiert wurden. Das ermöglichte den Gläubigen eine intensivere Teilnahme am Geschehen in der heiligen Messe.

 Erst im Laufe der nächsten Jahre entstanden in Hannover zwei wirklich voneinander getrennte Konfessionskirchen. Die Konsequenzen waren einschneidend: Das katholische Gemeindeleben kam gänzlich zum Erliegen. Bis 1806 hatten ausschließlich Lutheraner das Wohnrecht- und Bürgerrecht in der Stadt. 

Heute im Zeichen der Verbundenheit

Erst im Jahre 2000 erhielt die Altstadt wieder eine katholische Einrichtung: den Ka-Punkt. Was in den vergangenen konfliktreichen Jahrhunderten undenkbar war - dort wurde auch eine katholischer Kapelle errichtet. 

Heute setzen die katholische und die evangelische Kirche ganz auf Versöhnung und Dialog. In Hannover finden inzwischen zahlreiche ökumenischen Aktivitäten statt. Zum ersten Mal seit der Reformation wurde 2015 eine katholische Fronleichnamsmesse auf dem Platz vor der evangelischen Marktkirche gefeiert. Dort betonte Probst Martin Tenge seine Überzeugung, dass "wir in Jesus Christus eine Kirche sind, die halt eine innere Vielfalt in ihren Konfessionen hat".

Auch im privaten Bereich hat sich viel geändert. Bis noch vor einigen Jahren zogen sich konfessionelle Gräben quer durch die Familien. Viele kennen Geschichten von den Problemen, wenn ein Paar mit unterschiedlichen Konfessionen heiraten wollte. Oder von den Konflikten bei der Kindererziehung in konfessionsverschiedenen Ehen. Diese Grenzen sind mittlerweile überwunden. Jetzt steht die Pflicht aller Christen im Vordergrund, sich für die Einheit der Kirche einzusetzen.

 

Von: Martina Stabenow