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08. Januar 2020
Saison gerettet: Renate Mauritz, Pfarrer Wolfgang Semmet, Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes, Pastorin Elisabeth Griemsmann, Gastronom Cord Kelle und Heilsarmee-Leutnantin Christine Tursi (von links). | Foto: Wala

Saison gerettet: Renate Mauritz, Pfarrer Wolfgang Semmet, Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes, Pastorin Elisabeth Griemsmann, Gastronom Cord Kelle und Heilsarmee-Leutnantin Christine Tursi (von links). | Foto: Wala

Herberge erst einmal nur auf Zeit

Sie ist der Anlaufpunkt für eine warme Mahlzeit in Hannover: die ökumenische Essensausgabe. Ihr Fortbestand stand auf der Kippe, nun gibt es zumindest für diese Saison neue Räume.

Die ökumenische Essensausgabe in Hannover hat neue Räume.  Seit einer Woche wird wieder eine kostenlose warme Mahlzeit ausgegeben – und zwar in den Räumen der reformierten Gemeinde im zentrumsnahen Stadtteil Calenberger Neustadt: Von Montag bis Freitag jeweils in der Zeit zwischen 11 und 13 Uhr.

Das ist die gute Nachricht. Denn, wie berichtet, stand die Essensausgabe nach über 30 Jahren auf der Kippe. Bisher genutzte Räume bei der Heilsarmee mussten aufgegeben werden: „Wir hatten unseren Gottesdienstraum zur Verfügung gestellt – doch der war schlicht zu klein“, berichtet Leutnantin Christine Tursi, Leiterin der Heilsarmee. Die Folge: Lange Schlangen, Gedränge und auch eskalierende Konflikte. Mehr Platz gibt es für Nutzer und für die ehrenamtlichen Helfer mehr Ruhe, sagt Tursi.

Aber es gibt auch nicht so gute Nachrichten. Die eine: „Schon in den ersten Tagen haben wir gemerkt, dass die Armut in Hannover weiter wächst“, erläutert Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes: „Das ist wie eine Krake, die mehr und mehr Lebensbereiche umfasst.“

Nicht nur Obdachlose, sondern immer mehr alte Menschen nutzen die Essensausgabe: „Armut und Einsamkeit verstecken sich auch hinter Wohnungstüren“, meint Pfarrer Wolfgang Semmet von der mittragenden Pfarrei St. Heinrich: „Deshalb brauchen wir ein Angebot im Zentrum der Stadt.“

Das ist die zweite nicht so gute Nachricht: Die Herberge für die Essensausgabe ist auf Zeit. „Wir sind eingesprungen, damit das Angebot aufrecht erhalten werden kann“, erläutert die Pastorin der gastgebenden reformierten Gemeinde, Elisabeth Griemsmann. Foyer und Gemeindesaal werden zur Verfügung gestellt. Aber wegen der Behelfssituation kann samstags kein Essen ausgegeben werden. Zudem ist die Saison deutlich verkürzt.

Doch alle Beteiligten wollen weitermachen: „Nur wo und wie, das wissen wir heute noch nicht“, betont Diakoniepastor Müller-Brandes.

Von: Rüdiger Wala