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03. Dezember 2019
Das Ehepaar Gloria und Arnold Reichel mit Diakon Hans-Jürgen-Kreuz (Mitte). | Foto: Martina Stabenow

Das Ehepaar Gloria und Arnold Reichel mit Diakon Hans-Jürgen-Kreuz (Mitte). | Foto: Martina Stabenow

Hilfe für Waisenkinder auf den Philippinen

Das Waisenhaus "St. Joseph´s Orphanage" liegt in Ozamis City auf der philippinischen Insel Mindanao. Es ist dem Engagement des Ehepaars Gloria und Arnold Reichel sowie des Diakons Heinz-Jürgen Kreutz von der Gemeinde Heilig Geist in Hannover-Bothfeld zu verdanken, dass die Waisenkinder mit Hilfe von Spendengeldern eine gute Zukunftschance erhalten. Teil 2 unserer Serie zu "Weltkirche in Hannover"

Wie kam es zu dem Projekt "St. Joseph´s Orphanage"?

Arnold Reichel: Das ergab sich zufällig. 1991 erzählte uns ein bekanntes Ehepaar von ein paar Bretterhütten in Ozamis City, die als Waisenhaus genutzt wurden. Schon damals leiteten Schwestern des katholischen St. Joseph´s Ordens das Waisenhaus. Unsere Bekannten wollten sich für eine Verbesserung der Wohnsituation einsetzen und regten den Bau eines festen Gebäudes an. 

Gloria Reichel: Das Ehepaar war ebenfalls Mitglied des deutsch-philippinisches Vereins, dem auch wir angehörten. Da mein Mann der erste Vorsitzende war, fragten sie uns, ob der Verein ihr Anliegen unterstützen könne. Daraufhin stellten wir es den anderen Vereinsmitgliedern vor. Die fanden den Vorschlag gut und griffen ihn auf. Damit wurde diese Idee zum Vereinsprojekt.

Arnold Reichel: Zunächst waren es hauptsächlich die Frauen, die Spenden durch ihre Volkstanzauftritte sammelten. Das zog sich so über mehrere Jahre hin, bis die Heilig Geist-Gemeinde das Projekt entdeckte.

Gloria Reichel: Da ich Mitglied im Chor der Gemeinde war, erfuhren die Gemeindemitglieder allmählich davon. Viele sahen die Unterstützung positiv und wollten sich beteiligen. Mit der Zeit fanden dann in unserer Gemeinde einige Aktionen zugunsten des Projekts statt.

Heinz-Jürgen Kreutz: Schließlich trug ich das Waisenhausprojekt an den Pfarrgemeinderat heran. Dieser griff die Sache gerne auf und folglich entwickelte sich das Ganze zu einem Gemeindeprojekt.

Woher kommen die Spendengelder?

Gloria Reichel: Mittlerweile kommt der größte Anteil der Spendengelder aus der Gemeinde Heilig Geist.

Heinz-Jürgen Kreutz: Wir haben Einzelspender, aber auch Spenden von Gruppierungen. Beispielsweise haben wir eine Gruppe, die fair gehandelten Kaffee verkauft. Den erwirtschafteten Überschuss stellt sie uns zuweilen zur Verfügung. Bei anderen Gruppen läuft das in ähnlicher Weise ab. Ich weiß, dass die Spenden gerne gegeben werden. Dennoch, Transparenz ist ein wichtiger Faktor, um diese Bereitschaft zu erhalten.

Arnold Reichel: Besonders wenn mal eine größere Investition ansteht, erläutern wir der Gemeinde das Vorhaben. So wie es auch bei der Renovierung des Waschraums der Fall war. Dafür bekamen wir dann von der Gemeinde auch eine entsprechende Zuwendung. Ansonsten können wir immer nur darauf hinweisen, dass dort Kinder und Jugendliche leben, die vor allem Geld für ihren normalen Alltag benötigen. Das sind natürlich nicht immer Sensationen, sondern Dinge, wie Lebensmittel, Kleidung, Medizin und Schulsachen. Außerdem sind die Energie- und Reparaturkosten für das Haus zu decken.

Bekommt das Waisenhaus von offizieller Seite auch Unterstützung?

Heinz-Jürgen  Kreutz: Nein, das Waisenhaus wird weder von staatlicher noch von kirchlicher Seite unterstützt. Es ist auf Spendengelder sowie auf Spenden von Naturalien angewiesen.

Gloria Reichel: Deshalb gehen die Ordensschwestern beispielsweise jeden Tag zum Markt und bitten die Händler, ihnen Nahrungsmittel zu schenken. Die Händler geben dann insbesondere Gemüse und Brot vom Vortag, welches ohnehin nicht mehr verkauft wird.

Es fing mit Bretterhütten an. Wie sieht das Leben dort heute aus?

Heinz-Jürgen Kreutz: Inzwischen ist auf dem Grundstück, das übrigens ein Geschenk von Einheimischen war, ein festes Gebäude entstanden. Es gab auch schon einige Nachrüstungsarbeiten, wie der erwähnte Waschraum.

Arnold Reichel: Zurzeit leben dort fünf Mädchen und drei Jungen im Alter zwischen sechs und achtzehn Jahren. Wobei es bereits Zeiten gab, in denen dort 21 Waisen lebten. Das variiert immer. 

Gloria Reichel: Schwester Aida ist seit nunmehr etwa zwei Jahren die Leiterin des Waisenhauses. Mit einigen weiteren Ordensschwestern betreut sie die Kinder und Jugendlichen. Mehr als die Hälfte sind Vollwaisen, die anderen wurden ausgesetzt. Die Ordensschwestern versuchen immer, die Eltern oder Verwandten der ausgesetzten Kinder ausfindig zu machen. Denn wenn es machbar ist, sollen sie in ihrer Herkunftsfamilie integriert werden. Nur falls das Bemühen ohne Erfolg bleibt, wird - wie bei den Vollwaisen auch - die Möglichkeit einer Adoption geprüft.

Arnold Reichel: Mit den Spendengeldern können wir den Waisen auch eine Schul- beziehungsweise Berufsausbildung finanzieren. Besonders für Mädchen ist eine Ausbildung sehr wichtig, damit sie nach der Entlassung aus dem Waisenhaus nicht auf der Straße landen und der Gefahr der Prostitution ausgesetzt werden.

Weshalb haben Sie die Gewissheit, dass die Spendengelder zweckmäßig verwendet werden?

Gloria Reichel: Zunächst einmal weil wir die Spendengelder persönlich zum Waisenhaus bringen. Zwei- bis dreimal im Jahr fliegen mein Mann und ich dort hin. Dabei achten wir auch immer auf einen günstigen Umtauschkurs.

Arnold Reichel: Außerdem kontrolliert meine Frau die Belege für die Ausgaben sehr pingelig. Bevor Spendengelder von uns freigegeben werden, muss Schwester Aida zunächst sämtliche Quittungen abliefern. Die prüft meine Frau durch. Und nur wenn alles in Ordnung, zahlen wir weiteres Geld aus.

Heinz-Jürgen Kreutz: Diese Kontrolle erfolgt also direkt im Waisenhaus.

Arnold Reichel: Ich kann nur sagen, dass eine Kontrolle sehr wichtig ist. Schließlich sollen die Spenden ausschließlich für den Lebensunterhalt der Waisen verwendet werden und für nichts anderes. So gab es beispielsweise mal die Situation, dass der dortige Bischof mit unseren Spendengeldern den Bau einer Kapelle für das Waisenhaus finanzieren wollte. Doch für solche Zwecke gibt es von uns nun mal kein Geld. Deshalb erteilten wir seinem Anliegen auch eine klare Absage.

Gloria Reichel: Manchmal ist Schwester Aida durchaus irritiert, wenn ich jeden Beleg so gründlich prüfe. Aber ich trage die Verantwortung für die Verwendung der Spendengelder, deshalb muss ich über die Ausgaben schon genau Bescheid wissen. Wobei ich betonen möchte, dass Schwester Aida eine sehr vernünftige Frau ist, der wir vertrauen können. Mit ihr läuft die Zusammenarbeit wirklich gut.

 

Teil 1 unserer Serie zur "Weltkirche in Hannover" finden Sie hier: Marmelade in Rekordhöhe

Von: Martina Stabenow