Zum Inhalt springen
Impressum  Datenschutz

News anzeigen

15. April 2019
Regina Zimmermann aus Hannover arbeitet für die Straßenambulanz: „Bei manchen Biografien überfällt uns das kalte Grausen.“ | Foto: Wala

Regina Zimmermann aus Hannover arbeitet für die Straßenambulanz: „Bei manchen Biografien überfällt uns das kalte Grausen.“ | Foto: Wala

Hoffnung schenken – auch da wo andere keine mehr haben

Sozialer Einsatz für Pfarrei und Caritas: Kümmern ist für Regina Zimmermann zur zweiten Natur geworden. Aber zuhören ist ihr genauso wichtig.

K ein Dach über dem Kopf und hungrig: Es sind genau diese Menschen, um die sich Regina Zimmermann kümmert. Um die, die nur zu häufig alle Hoffnung haben fahren lassen.

Kümmern, zuhören, aufbauen, manchmal mit notwendigem Nachdruck: Das ist für Regina Zimmermann fast schon zu zweiten Natur geworden. Die heute 69-Jährige ist Mutter von zwei Kindern, Oma von drei Enkeln und hat 39 Jahre als Krankenschwester gearbeitet. Fast ausschließlich nachts: „Das konnte ich gut mit unserer Familiensituation vereinbaren.“

Seit über 20 Jahren verteilt die Hannöversche Tafel Lebensmittel in St. Maximilian Kolbe, der Heimatgemeinde von Regina Zimmermann. Die Pfarrei liegt in einem Stadtteil von Hannover, in dem es weitaus mehr Probleme als Hoffnung gibt. Regina Zimmermann war eine Ehrenamtliche der ersten Stunde. Jeden Dienstag ist sie dabei – und blickt vor allem auf Mütter: „Die Frauen haben so viele Hoffnungen in ihren Heimatländern gelassen.“ Jetzt versuchen sie entgegen vieler Schwierigkeiten für ihre Kinder eine Zukunft auszubauen – „und nehmen sich selbst ständig zurück.“ Regina Zimmermann möchte sie nicht nur durch Lebensmittel unterstützen. Sondern ihnen durch Worte und kleine Gespräche wieder mehr Selbstwertgefühl geben. „Denn, was diese Frauen leisten, ist großartig.“

Vor neun Jahren ist Regina Zimmermann beruflich in den Ruhestand gegangen, wollte sich aber weiter im medizinischen Bereich engagieren. Ihr Weg führte zur Straßenambulanz der Caritas in Hannover. Bis zu zehnmal im Monat fährt sie zusammen mit einem Arzt oder einer Ärztin zu Notunterkünften, Treffpunkten oder Wohnheimen für Obdachlose. Sie verteilt Medikamente und versorgt kleine Wunden. Denn kleine Wunden und Blessuren oder vermeintliche banale Infekte können auf der Straße fatale Folgen haben.

Was sie bei der Straßenambulanz erlebt, lässt sie manchmal sprachlos werden: „Wir hören Biografien, da bekommt man das kalte Grausen.“ Gerade im Männerwohnheim sind es Geschichten von Enttäuschungen, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung: „Das sind Menschen, die sich selbst aufgegeben haben.“

Es ist wieder das Selbstwertgefühl, das Regina Zimmermannn zwischen Salbe und Spitze vermitteln möchte: „Hoffnung hat viel mit Vertrauen zu tun – und mit Menschen, die einem sagen, du bist etwas wert.“ Ehrlichkeit gehört auch dazu.

Woher schöpft Regina Zimmermann ihre Kraft und ihre Hoffnung? „Gerade bei der Straßenambulanz nehme ich Erlebnisse mit nach Hause“, gibt sie zu.Sie sucht Momente der Stille, denkt über Gebete der ökumenischen Bruderschaft von Taizé nach: „Da entdecke ich immer wieder die biblische Botschaft dessen, was Christus uns zugesagt hat – ihr seid nicht allein, vertraut darauf im Leben zu bestehen.“ Das gibt ihr Mut und Zuversicht. „Auch habe ich immer wieder Menschen gefunden, mit denen ich mich austauschen kann, die mir weiterhelfen.“ Kirche lebt für sie aus der Gemeinschaft – und das gibt ihr Hoffnung.

Von: Rüdiger Wala