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11. September 2018
Mit einem Orgelkonzert und einem Festgottesdienst begehen die Garbsener Katholiken den 50. Weihetag ihrer Kirche St. Raphael. | Foto: Thomas Hillebrandt

Mit einem Orgelkonzert und einem Festgottesdienst begehen die Garbsener Katholiken den 50. Weihetag ihrer Kirche St. Raphael. | Foto: Thomas Hillebrandt

Baukräne bestimmten vor einem halben Jahrhundert das Bild in Garbsen. Auch bei Bau von St. Raphael. | Foto: Stadtarchiv Garbsen

Baukräne bestimmten vor einem halben Jahrhundert das Bild in Garbsen. Auch bei Bau von St. Raphael. | Foto: Stadtarchiv Garbsen

Immer mittendrin

Ein Jahr lang hat die Gemeinde St. Raphael in Garbsen den 50. Weihetag ihrer Kirche gefeiert. Den Schlusspunkt setzte nun ein feierlicher Gottesdienst – mit vielen Erinnerungen.

Markant – das ist der erste Eindruck der Kirche St. Raphael in Garbsen mit ihrer achteckigen Kuppel und dem durchaus ungewöhnlichen Glockenträger. Der zweite Eindruck: die Kirche liegt mittendrin in ihrer Nachbarschaft. Und das nicht nur räumlich.

Rückblick: Garbsen, Mitte der 1960er-Jahre. Wohnungen für 10  000 Menschen  entstehen auf Ackerland. Mehrfamilienhäuser, Bungalows werden gebaut. Baukräne sind allerorten, Betonlaster karren das Material heran. Inmitten dieser Großbaustelle wurde ein ganz besonderer Grundstein gesetzt – für die Kirche St. Raphael. Zu diesem Zeitpunkt wird bereits regelmäßig die heilige Messe in Garbsen gefeiert – in Gastfreundschaft in der evangelischen Dorfkirche oder auch in einem einfachen Mobilbau neben der Schule, halbwegs liebevoll „Schafstall“ genannt. 1964 konnte in der Schule eine Notkirche eingerichtet werden, seit 1965 wirkt ein Pfarrvikar in Garbsen. 

Sehnlichst wird jedoch auf das neue Gotteshaus gewartet. Elf Monate wird gebaut, am 14. Juli 1968 kann Weihbischof Heinrich Pachowiak die Kirche unter das Patronat des Erzengels stellen. Der Glockenträger jedoch bleibt viele Jahre ein Provisorium. Erst in den 1990er-Jahren wird er vollendet.

Große Verbundenheit mit Kirche und Gemeinde

Das ist eine der Geschichten, die nach dem Festgottesdienst beim Gemeindefest ausgetauscht werden. „Diese vielen Erzählungen und Anekdoten, aber auch die berührenden Elemente zeigen, wie sehr die Menschen hier mit ihrer Kirche verbunden sind“, sagt Thomas Hillebrand vom Pastoralrat.  Schon während der Dialogpredigt von Pfarrer Christoph Lindner kamen Gemeindemitglieder spontan zu Wort.

Erinnert wird aber auch an Vergangenes: Gezeigt wird ein Film, der die Bauarbeiten von St. Raphael zeigt – und die von St. Johannes Evangelist. Diese Kirche entsteht zeitgleich im zwei Kilometer entfernten benachbarten Stadtviertel und wurde sogar noch zwei Monate vor St. Raphael ebenfalls von Weihbischof Heinrich Pachowiak geweiht. So groß war der katholische Zuzug nach Garbsen. Im März 2007 jedoch wird die Fertigteilkirche mit Glockenturm durch Bischof Norbert Trelle profaniert und noch im Oktober des gleichen Jahres abgerissen. Auf dem Grundstück hat mittlerweile eine Wohnungsgenossenschaft eine Seniorenwohnlage errichtet. „St. Johannes bleibt immer Bestandteil unserer Geschichte“, betont Hillebrand.

Ein Jahr lang haben die Katholiken in Garbsen das Jubiläum ihrer Kirche gefeiert: Mit Gottesdiensten (sowohl ökumenisch wie im byzantinischen Ritus), einem Kabarettabend, Konzerten und einer Wallfahrt nach Rom. Zuletzt, am Vorabend des Festgottesdienstes, mit einem Orgelkonzert mit Ulrich Grimpe. Der Diö­zesanmusikreferent und Orgelsachverständige im Bistum Müns­ter ist in Garbsen aufgewachsen. Das Orgelspiel hat er bei Pfarrer Hans-Norbert Kaesehage, dem ersten Pfarrer von St. Raphael, gelernt. Wieder ein Beispiel für die Verbundenheit mit Kirche und Gemeinde

Im Juni diesen Jahres veranstaltet die Gemeinde eine „Tobit“-Woche (die allerdings gleich zehn Tage dauert). Damit wird eine Brücke vom Kirchenpatron zur Bibel geschlagen: Denn Raphael (übersetzt: „Gott heilt“) ist der Engel, der im Buch Tobit, den im Exil lebenden und verzweifelten Israeliten auf einer Reise begleitet und ihm neuen Lebensmut schenkt. Die Tobit-Reise in Garbsen führt dabei vom Seniorenheim über die Kirche zu einem Bestatter und zum Abschluss zum Stadtteilfest – quer durch das Leben und mitten drin.

Vier Kitas und zwei große Sozialprojekte

Mittendrin, das ist St. Raphael nicht nur räumlich. Zu ihr zählen mit St. Maria Regina in Berenbostel und Corpus Christi in Havelse nicht nur zwei weitere Kirchen, sondern auch vier Kindertagesstätten. Der „Marspoint“ bietet seit Jahren offene Kinder- und Jugendarbeit: mit Beratung, Freizeitaktivitäten, Hausaufgaben- und Nachhilfe sowie Förderunterricht. Mit Blick auf die vielen jugendlichen Spätaussiedler, die rund um St. Raphael wohnen, wurde mit finanzieller Unterstützung der Stadt Garbsen eine Stelle für eine Sozialpädagogin eingerichtet.

In Berenbostel engagieren sich Katholikinnen und Katholiken seit 2003 im ökumenischen Sozialprojekt Neuland: mit einer Internationalen Frauengruppe, der Hausaufgabenhilfe, Kinderangeboten, dem Treffpunkt „Café Kronsberg“, Ferienaktionen, Bewohner- und Gemeindefesten, Deutschkursen, Nachbarschaftsversammlungen und Informationsveranstaltungen. „Da sind wir wirklich mittendrin“, sagt Thomas Hillebrand.

Das wird auch von der Stadt gewürdigt: „Ohne die Gemeinde St. Raphael wäre der Stadtteil ärmer“, sagt Bürgermeister Christian Grahl. Stadt und Kirche brauchen einander.

Von: Rüdiger Wala